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Base Jumping – Spiel mit dem Tod

  • Derk Hoberg
Nachdem wir Euch in der letzten Folge unserer Extremsportarten gezeigt haben, wie man ein Hochhaus besteigt, wollen wir Euch diesmal zeigen, wie man sehr schnell wieder herunterkommt. Base-Jumping heißt der Sport, bei dem man mit einem Fallschirm von Gebäuden springt – ähnlich wie das Buildering ist er aber zumeist verboten.

Zunächst einmal bezeichnet Base-Jumping das Fallschirmspringen von festen Objekten. Von einer festen Basis sozusagen. Aber Base bedeutet noch mehr: Die englischen Begriffe Building (Gebäude), antenna (Sendemast), span (Brücke) und earth (Felsen) stecken hinter dem Apronym „Base“.

Bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es nur sehr wenige Objektspringer, und das, obwohl Base-Jumping wohl die ursprünglichste Form des Fallschirmspringens ist. Schon bevor es Flugzeuge gab, sind Menschen mit Fallschirmen von Gebäuden gesprungen. So gilt als der erste belegbare Sprung der eines Kroaten im Jahre 1617, der von einem 86 Meter hohen Glockenturm in Bratislava sprang. In den 1960er Jahren begannen dann einige Springer Felswände in den Dolomiten als Absprungbasis zu benutzen. Im Jahre 1975 sprang der US-Amerikaner Owen Quinn dann als erster Mensch vom World Trade Center in New York.

Besonderheiten des Base-Jumpings


Von da an wurde das Base-Jumping immer beliebter. 1981 prägten die vier passionierten Base-Jumper Phil Smith, Phil Mayfield sowie Jean und Carl Boenish – der übrigens auch der erste Springer war, der alle vier Kategorien sprang – den Begriff „Base“-Jumping.


Die auffälligste Besonderheit beim Objektspringen ist wohl, dass der Springer häufig keinen Reservefallschirm trägt. Wenn sich der Hauptschirm nicht öffnet, wäre die Zeit aufgrund der niedrigen Absprunghöhen, viel zu kurz, als dass sich ein zweiter Schirm überhaupt noch öffnen könnte. Der Base-Jumper hält normalerweise schon beim Absprung den Hilfsschirm in der Hand. Wenn er diesen loslässt, sollte sich der Hauptschirm öffnen. Man verwendet also nur bei höheren Objekten eine Reißleine, die bei normalen Fallschirmsprüngen üblich ist.

Da man keinen Reserveschirm zur Verfügung hat, ist es natürlich umso wichtiger, das Material mit größter Sorgfalt zu prüfen und den Schirm im Rucksack zu verstauen. Dennoch kommt es immer wieder zu Todesfällen bei diesem extremen Sport. Bis zum Sommer dieses Jahres wurden 136 Todesfälle in dieser Risiko-Sportart registriert. Allein deshalb ist es so enorm wichtig, sich an die Spielregeln zu halten.

Der Verein Deutscher Objektspringer gibt dementsprechend auch die Vorgabe, ein bis zwei Jahre intensives Training zu absolvieren, bis man überhaupt den ersten Sprung wagen sollte. Trainer des Vereins weisen dementsprechend nur solche Springer an, die bereits mindestens 200 normale Fallschirmsprünge absolviert haben.

Der Reiz beim Base-Jumping liegt wohl im großen Risiko. Die Zeit bis zum Boden vergeht wahnsinnig schnell und alles, was man machen muss, oder besser gesagt machen kann, ist, den Schirm zu öffnen. Der Verein Deutscher Objektspringer wird aber nicht müde, vor eben diesem Risiko zu warnen. Viele Springer scheinen das Risiko zu verdrängen, und es tummeln sich immer mehr Anfänger im Base Jumping, die sich nicht belehren lassen wollen.


Aus diesem Grund ist es auch nur sinnvoll und richtig, dass die Gesetzgeber dem Base-Jumping überwiegend negativ gegenüber stehen. Zwar ist die Handhabung in vielen Ländern unterschiedlich, meist braucht man aber zumindest eine offizielle Genehmigung dafür. Während das Base-Jumping in den USA aus versicherungsrechtlichen Gründen weitestgehend verboten ist, ist es in Deutschland zumindest genehmigungspflichtig.

Das Objektspringen stellt nämlich eine „Außenlandung mit Luftsportgerät“ dar. Es erfordert daher auch die schriftliche Zustimmung der Eigentümer des Objekts und der Fläche, von der gestartet beziehungsweise auf der gelandet wird. Ebenfalls wird die Ausrüstung im Vorfeld überprüft und ein Geländegutachten erstellt. Erst danach erteilt der Deutsche Fallschirmsportverband eine mögliche Genehmigung.

In verschiedenen Ländern warten drastische Strafen auf die Springer. So wird man in Dubai möglicherweise ausgewiesen, wenn man beim Hochhaussprung erwischt wird. Es gibt aber auch andere Beispiele: So kann man in der Schweiz, Italien, Frankreich, oder Norwegen bekannte Felsen ohne Genehmigungsverfahren nutzen. Auch in den USA gibt es immerhin einige Brücken, die man an bestimmten Tagen zum Base-Jump nutzen kann.

Die verrücktesten Sprünge

Einer der wohl verrücktesten Sprünge aller Zeiten ist der des Österreichers Felix Baumgartner, der vom Arm der Christusstatue in Rio de Janeiro sprang. Dafür ließ er sich im Dezember 1999 nachts auf dem Gelände einschließen, um dann mit Hilfe einer Armbrust ein Seil über die Statue zu schießen, an dem er schließlich hinaufklettern konnte.

2004 sprangen 30 Springer gleichzeitig vom Ostankino Turm in Moskau und erzielten so einen neuen Rekord was die Anzahl an Simultanspringern von einem festen Objekt angeht.

Im Jahr 2007 sprang der Belgier Johan Vervoort von einem nur 22 Meter hohen Turm. Das ist wohl die niedrigste Höhe eines Sprunges, bei dem sich der Fallschirm noch geöffnet hat.

Festzuhalten bleibt, dass es sich bei dieser Sportart weder um eine Trend-, geschweige denn um eine Funsportart handelt. Im Fernsehen würde man in diesem Fall wohl sagen: „Liebe Kinder, bitte nicht zu Hause ausprobieren.“ Diesen Ratschlag kann man dieser Stelle nur auf alle Personen ausweiten, die auch nur im Geringsten mit dem Gedanken spielen, das Base-Jumping auszuprobieren, ohne die nötige Erfahrung zu haben.

Derk Hoberg

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