Wo Weltstars kicken – netzathleten im Estadio Santiago Bernabeu picture alliance

Wo Weltstars kicken – netzathleten im Estadio Santiago Bernabeu

  • Christian Riedel
Das Estadio Santiago Bernabeu zählt zu den schönsten Stadien der Welt und ist seit seiner Errichtung 1947 die Heimat einiger der besten Spieler der Fußball-Geschichte. Die netzathleten haben sich das Stadion von Real Madrid einmal näher angesehen.

Welcher Fußballfan würde nicht gerne einmal Cristiano Ronaldo, Mesut Özil oder Iker Casillas live bei der Arbeit zuschauen? Doch nur wenige haben das Glück, unter den 80.354 Auserwählten zu sein, die bei einem Heimspiel von Real Madrid im Stadion sein dürfen. Bei Kartenpreisen um die 100 Euro wird es sich ein Fan ohnehin zweimal überlegen, ob diese Investition lohnt. Doch für Champagner-Fußball muss man eben etwas tiefer in die Tasche greifen. Und so spielt das Team von José Mourinho stets vor ausverkaufter Kulisse und macht es jedem Fußball-Touristen schwer, an eines der begehrten Tickets zu kommen.

Das Benefiz-Spiel einer Madrider Traditionsmannschaft mit den ehemaligen Weltstars und Real-Legenden Luis Figo, Zinedine Zidane, Emilio Butrageno oder Carlos Santillana gegen eine Allstar-Mannschaft des FC Bayern München (u.a. mit Klaus Augenthaler, Marcel Witeczek, Michael Tarnat, Paul Breitner und Andi Brehme) zu Gunsten der Afrika-Hilfe gab dann die unverhoffte Gelegenheit, ein Real-Spiel im legendären Stadion live zu erleben – und das, ohne mehr als 5 Euro für die Karte auszugeben.

Kurzer geschichtlicher Exkurs


Benannt wurde das Stadion Santiago Bernabeu nach dem langjährigen Präsidenten, der zunächst von 1911 bis 1928 selber als Mittelstürmer für die Königlichen am Ball war und von 1943 bis 1978 die Geschicke des Vereins leitete. In Bernabeus Amtszeit fiel auch der Stadionbau im Zentrum der spanischen Hauptstadt, mit dem am 27. Oktober 1944 begonnen wurde. Unklar ist dabei bis heute, wo die Madrilenen in der Nachkriegszeit die enorme Menge des selten gewordenen Zements herbekommen haben. So dauerte es auch bis zum 14. Dezember 1947, bis im neuen Stadion zum ersten Mal der Ball rollte. Nach mehreren Umbauten bekam das Estadio Santiago Bernabeu im Jahr 2004 das Gesicht, das den meisten Fußballfans bekannt ist.

Stimmung im Stadion


Auch wenn es sich beim Aufeinandertreffen der beiden Traditionsmannschaften nur ein Freundschaftsspiel gehandelt hat, konnte man zumindest einen kleinen Eindruck gewinnen, welche Stimmung einen bei einem Heimspiel von Real Madrid erwartet. Trotz des freundschaftlichen Anlasses tingelten rund 70.000 Menschen ins Santiago Bernabeu, die die ehemaligen Lieblinge teils enthusiastisch anfeuerten. Nur hat es sich bei einigen Fans leider nicht herumgesprochen, dass Vuvuzelas spätestens seit dem WM-Finale 2010 Spanien – Niederlande nichts mehr im Stadion verloren haben.

Die nervigen Tröten schadeten der Stimmung aber weniger als der Regen, der zu Beginn der zweiten Halbzeit einsetzte. Hier zeigte sich, dass die Architekten entweder immer noch mit dem Zement sparen mussten oder nicht an die Fans in der untersten Riege dachten. Denn die Überdachung im Bernabeu reicht nur bis zum zweiten Rang. Wer nahe am Spielfeld sitzen möchte, sollte daher immer einen Regenschutz in der Tasche haben.

Öffentlicher Nahverkehr


Apropos nach Hause fahren. Der Spanier in Madrid radelt nicht gerne. Das wird schnell deutlich, wenn man das Straßenbild der spanischen Hauptstadt beobachtet. Aber wenn nach einem Fußballspiel mit rund 70.000 Besuchern der Schlusspfiff ertönt und gefühlt zwei Drittel der Fans den einzigen Zugang zu U-Bahn nutzen möchte, kann man sich vorstellen, wie lange die Schlange sein wird. Hier bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als auf die Busse auszuweichen oder zu Fuß zu gehen.

Bleibt zu hoffen, dass man sich im Stadion für die Rückfahrt gut gestärkt hat. Dies kann aber etwas schwierig werden. Ob für alle Spiele von Real Madrid gilt, dass die Getränke aus Dosen einzeln in Pappbecher gegossen werden, kann man nicht sagen. Beim Benefizspiel war dies zumindest der Fall. Was die Verpflegung im Stadion angeht, die außerhalb des Caterings für die VIPs stattfindet, können sich die Königlichen durchaus einen durchschnittlichen Bundesligisten zum Vorbild nehmen.

Fazit:

In den Unterrang regnet es hinein, es gibt Dosencola aus Pappbechern, Vuvuzelas sind allgegenwärtig und der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr ist mit großen Wartezeiten verbunden – dennoch ist und bleibt ein Besuch im Estadio Santiago Bernabeu ein Erlebnis, das sich jeder echte Fußballfan im Leben einmal gönnen sollte.

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