Der Muskelfaserriss - Diagnose, Therapie, Vorbeugung istockphoto.com/vm

Der Muskelfaserriss - Diagnose, Therapie, Vorbeugung

  • Christian Riedel
Kaum eine Sportverletzung ist so häufig wie der Muskelfaserriss. In kaum einer Sportart bleibt man davon verschont. Aber wie entsteht der Muskelfaserriss und wie kann man ihn verhindern?

Woche für Woche fallen in der Bundesliga Profis wegen eines Muskelfaserrisses aus. Rund vier Wochen dauert es, bis der Muskel wieder soweit hergestellt ist, dass man wieder Sport treiben kann. Den Muskelfaserriss zu vermeiden ist schwierig aber nicht unmöglich.

Wie der Name schon sagt, zerreißt bei einem Muskelfaserriss Muskelgewebe. Der Muskel ist in Fasern und Bündel aufgeteilt, die sich zu immer größeren Funktionseinheiten zusammenschließen. Wenn einzelene oder mehrere Bündel reißen spricht man von einem Muskelfaserriss.

Am häufigsten sind Wade und Oberschenkel betroffen. Dort ist die Belastung bei vielen Sportarten am größten, insofern häufen sich dort auch die Muskelverletzungen. Im Gegensatz zur Zerrung kann man bei einem Muskelfaserriss auch eine strukturelle Veränderung erkennen. Teilweise entwickelt sich ein sichtbares Hämatom (blauer Fleck), da es bei einem Riss zu einer Einblutung kommt. Eine vollständige Diagnose ist am einfachsten in der Sonographie möglich. Eine Komputertomographie ist nur selten nötig, da das Ergebnis selten einen Einfluß auf die Therapie hat.

Beim Muskelfaserriss wird der Muskel über seine normale Toleranzgrenze hinaus gedehnt. Dadurch erhöht sich die Spannung im Muskel, bis einzelne Fasern irgendwann reißen. Das kann durch eine Einwirkung von außen, beispielsweise einem Tritt in die Wade, oder durch eine plötzliche Überlastung, beispielsweise beim Anziehen eines Sprints oder beim Absprung, passieren.

So erkennt man der Muskelfaserriss


Der Betroffene merkt schnell, dass mit der Muskulatur etwas nicht in Ordnung ist. Wenn eine oder mehrere Muskelfasern reißen, tritt ein plötzlicher, heftiger Schmerz auf. Teilweise ist auch die Funktion eingeschränkt, auf jeden Fall ist es aber schmerzhaft. Zudem kann man bei einem oberflächlichen Muskelfaserriss den bereits erwähnten Bluterguss sehen und sogar eine leichte Delle im beschädigten Muskel erkennen bzw. erfühlen.

Therapie beim Muskelfaserriss


Wie bei vielen anderen Sportverletzungen hilft auch beim Muskelfaserriss die PECH-Methode. PECH steht hier für Pause, Eis, also die betroffene Stelle kühlen, Compression, also Druck auf die Stelle, und Hochlegen, damit die Schwellung nicht zu groß wird. Auch sanfte Massagen helfen beim Muskelfaserriss. Der Muskel muss außerdem geschont werden, wobei eine komplette Ruhigstellung nicht notwendig ist. Eine Operation ist nur bei einem kompletten Muskelriss notwendig. Ob andere Therapieformen wie Reizstrom, Wärmebehandlung oder Sportsalben helfen, ist umstritten. Bei Sportprofis werden zum Teil abenteuerliche Injektionsmischungen verabreicht, die von einfachen Schmerzmitteln über pflanzliche Mittel wie Traumeel bis zu Kälberblutextrakten alles Mögliche enthalten. Für den Breitensportler dessen Sportfähigkeit für ihn oder einen Verein meist nicht mit hohen Geldsummen verbunden ist sollten Injektionen nicht zur Basistherapie gehören. Die Sportpause ist die wesentliche Therapie!

Muskelfaserriss vorbeugen


Wirklich verhindern kann man einen traumatischen Muskelfaserriss nicht. Aber ein gut aufgewärmter Muskel ist widerstandsfähiger gegen Überlastungen. Insofern sollte man sich zunächst gut aufwärmen, bevor man die Muskeln mit einem Sprint belastet. Die Faserrisse treten zudem häufig zwischen 30 und 60 Minuten nach Beginn einer Belastung auf. Falls man die Möglichkeit hat, sollte man starke Belastungen bei zunehmender Ermüdung eher vermeiden. Weiterhin ist ein gut gedehnter Muskel weitaus weniger anfällig für Muskelfaserverletzungen. Neben dem intensiven Aufwärmen und einem gut gedehnten Muskel spielt die Kraft auch eine Rolle. Insbesondere bei vielen Laufsportlern (Leichtathletik, Fußball, etc.) ist die Oberschenkelrückseite muskulär unverhältnissmäßig schwach im Vergleich zu Oberschenkelvorderseite ausgeprägt. Bei zunehmender Ermüdung kommt diese Muskeldysbalance vermehrt zum Tragen und erhöht deutlich das Risiko für eine Muskelfaserverletzung.

In der Regel verheilt ein Muskelfaserriss nach vier bis sechs Wochen folgenfrei. Es kommt zwar zu einer lokalen Vernarbung des Gewebes, doch die wird vom Patienten in den meisten Fällen nicht bemerkt.

Christian Riedel

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