Aufgedeckt – Wo heilen Wunden am besten? thinkstockphotos.de

Aufgedeckt – Wo heilen Wunden am besten?

  • Christian Riedel
Sollte man auf eine offene Wunde ein Pflaster kleben oder nicht? Zumindest wurde früher oft behauptet, dass eine Wunde an der frischen Luft schneller heilt. Aber stimmt das auch?

Egal ob Schürf-, Schnitt-, oder Platzwunden, kleine Verletzungen gehören beim Sport mit dazu. Solange sie einen nicht behindern, nicht zu tief sind oder sich entzünden, werden sie sogar oft ignoriert. An der frischen Luft heilen sie ohnehin besser. Das glauben zumindest viele Leute.

Woher diese Annahme stammt, ist unklar. Möglicherweise liegt es daran, dass an der Luft das Wundsekret schneller trocknet und die Wunde daher nicht so lange nässt. Doch das ist gar nicht so schlecht. Tatsächlich haben schon die alten Römer ihre Verbände in Rotwein getaucht, damit die Wunde schneller und besser heilt. Eine Wunde auszutrocknen wäre dagegen kontraproduktiv.

Den entscheidenden Schritt bei der Wundheilung machte der englische Mediziner George Winter im Jahr 1962. Er testete an Schweinen trockene und feuchte Verbände. Während Winter bei feuchten Folienverbänden schon nach wenigen Tagen neues Hautgewebe an der Wunde fand, zeigten die trocken gehaltenen Wunden noch keine Fortschritte bei der Heilung. Dies zeigte deutlich, dass Wunden schneller heilen, wenn sie feucht gehalten werden.

Man kann sich also die berechtigte Frage stellen, warum trotzdem viele Wunden trocken behandelt werden. Das gilt nicht nur, wenn man keinen Verband und kein Pflaster auf der Verletzung anbringt. Auch die üblichen Pflaster und Bandagen haben schließlich keine Feuchtigkeit in sich, die die Wundheilung beschleunigen könnte. Bei größeren Wunden legen wir sogar Kompressen darauf, die das Wundsekret in sich aufsaugen. Das führt dazu, dass sich ein Schorf bildet, der die eigentliche Heilung behindert. Weitere Probleme sind, dass man beim Verbandswechsel leicht den Schorf abreißt und so den Heilungsprozess zurückwirft. Außerdem können die Immunzellen, die eine Infektion verhindern, nur dort hingelangen, wo es feucht ist. Eine trockene Wunde hat also eine höhere Infektionsgefahr.

Richtig verbinden


Damit eine Wunde möglichst schnell verheilt, sollte sie also nicht an der frischen Luft gelassen werden. Besser ist es, die Verletzung mit einer Wundauflage ohne großen Saugeffekt abzudecken, damit sie feucht bleibt. So kann das Wundsekret störungsfrei fließen und für die Heilung wichtige Bestandteile wie Enzyme, Hormone, Antikörper und Wachstumsfaktoren zur Wunde bringen. Neues Gewebe und neue Haut bilden sich so schneller. Je weniger Wundsekret man von der Wunde entfernt, desto schneller verläuft der Heilungsprozess. Trockener, dicker Schorf dagegen verzögert die Regeneration und die Bildung neuer Haut.

Damit eine normale Wunde schneller heilt, sollte sie also feucht gehalten werden. An der frischen Luft besteht zudem die Gefahr, dass Krankheitserreger und Schmutz in die Wunde gelangen und zu einer Entzündung oder einer Infektion führen können. Dass Wunden an der frischen Luft schneller heilen, ist also definitiv falsch.

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