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Sattelfest – Hämorrhoiden und Radsport

  • Christian Riedel
Beim Rad fahren sitzt man für gewöhnlich sehr lange im Sattel. Entsprechend problematisch kann es sein, wenn man unter Hämorrhoiden leidet. Ab und zu hört man sogar Gerüchte, dass man durch Radsport Hämorrhoiden bekommt. Hautarzt Dr. Andreas Degenhardt klärt die wichtigsten Fragen auf.

Es ist richtig, dass man durch langes Sitzen Hämorrhoiden bekommen kann. Doch alle Radsportler können beruhigt sein. Denn das Sitzen im Sattel erhöht das Risiko nicht. „Durch Radfahren kann man keine Hämorrhoiden bekommen“, bestätigt der Bremer Hautarzt Dr. med Andreas Degenhardt. „Im Gegenteil. Radfahren kann sogar Hämorrhoiden lindern. Das gilt aber für richtiges Radtraining mit dem Rennrad und nicht, wenn wir nur kurz mit dem Stadtbike zum Einkaufen fahren.“

Beim Radfahren wirken sich zwei Dinge positiv auf die Beschwerden aus. Das sagt auch der Experte: „„Zum einen sitzt man beim Radfahren auf dem Polster der Hose und entlastet dadurch sein Gesäß, zum anderen trainiert man sämtliche Muskeln im Bein- und Po-Bereich. Auch der Beckenboden wird gestärkt, was sich positiv auf Hämorrhoiden auswirkt.“

So entstehen Hämorrhoiden

Wie eigentlich bei allen gesundheitlichen Problemen gibt es auch bei den Hämorrhoiden verschiedene Ursachen für die Entstehung. Die Hauptursache ist zunächst ein schwaches Bindegewebe. Dies ist zu großen Teilen genetisch bedingt. Aber auch ein hoher Körperfettanteil und wenig Muskulatur schwächt das Bindegewebe. Weitere häufige Gründe sind laut Dr. Degenhardt Übergewicht, langes Sitzen, Bewegungsmangel, zu wenig Flüssigkeit, eine falsche Ernährung mit zu viel Zucker und zu viel tierischen Fetten, zu viele Lebensmittel wie Zwiebeln oder Kohl, die blähend wirken sowie zu wenig Ballaststoffe. Auch zu lange Sitzungen auf der Toilette und zu starkes Drücken beim Stuhlgang kann Hämorrhoiden verursachen.

Alle diese Faktoren, einzeln oder gemeinsam, können dazu führen, dass sich kleine Blutpolster im Enddarm bilden, die als Hämorrhoiden bezeichnet werden. Ist nun das Bindegewebe geschwächt, können sich diese Polster nach vorne wölben und dadurch den Darmausgang verengen. Dies kann auch das typische Jucken und Brennen verursachen. Durch Druck oder Reibung, im typischen Fall eben durch die Benutzung von Toilettenpapier, können die Blutpolster auch platzen. Dann findet man hellrotes Blut. Das ist nicht gefährlich, darf aber auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn nur geplatzte Hämorrhoiden haben helles Blut. Ist das Blut dagegen dunkel, stammt es meistens aus dem Magen oder dem Dünndarm und kann ein Hinweis auf eine gefährlichere Erkrankung sein. Daher sollte man bei Blut im Stuhl in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Hämorrhoiden werden in verschiedene Stadien eingeteilt. Die eben beschriebene Form ist das einfache Stadium (A). Im zweiten Stadium (Stadium B) treten die Blutpolster nach außen, können sich entzünden oder nässen. Kratzt man die Blutblasen auf, können Bakterien oder andere Erreger in den Organismus gelangen. Ab diesem Stadium ist Sport für viele eine Qual und erhöht das Risiko, dass die Polster platzen. Daher sollten B-Hämorrhoiden zunächst medikamentös und wenn hier keine Besserung eintritt operativ entfernt werden. An Radfahren ist ab der zweiten Stufe nicht mehr zu denken.

Radsport und Hämorrhoiden

Dass Radsportler diese Darmprobleme haben, ist aber ohnehin eher selten. „Durch Radsport können keine Hämorrhoiden entstehen. Radfahren kann die Beschwerden bei Hämorrhoiden sogar lindern, da es das Bindegewebe stärkt, die umliegenden Muskeln trainiert und auch gegen andere Faktoren wie Übergewicht hilft“, betont Dr. Degenhardt. Dafür sind allerdings gewisse Grundvoraussetzungen notwendig. Dann kann man auch mit akuten Hämorrhoiden (Stadium A) trainieren. „Das Wichtigste ist der Sattel“, sagt der Dermatologe. „Die Sitzfläche sollte an die Form des Beckens angepasst sein, damit beim Treten die Hämorrhoiden nicht gereizt werden. Der Sattel sollte nicht zu schmal sein, da er sonst direkt auf die Hämorrhoiden drücken kann. Ist er dagegen zu breit, bleibt der Trainingseffekt für den Beckenboden aus.

Vorbeugung

Radfahren ist mit Sicherheit eine gute Möglichkeit, Hämorrhoiden vorzubeugen. Es trainiert die Muskeln und strafft das Bindegewebe. Zudem sollte man laut Dr. Degenhardt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung achten. Im Anfangsstadium kann man die Hämorrhoiden auch mit Zinksalben oder Cremes mit Hamamelis behandeln, die in der Apotheke frei erhältlich sind. Halten die Probleme aber länger an oder findet man Blut im Stuhl, ist ein Besuch beim Hautarzt angeraten.

Details

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  • Star Vita: Dr. Degenhardt ist Facharzt für Hautkrankheiten und Spezialist für Allergologie und Phlebologie. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Medizinisch-Dermatologischen Kosmetologie (DDA) und in der Berufsdermatologie (ABD). Dr. Degenhardt ist Mitglied bei zahlreichen medizinischen Verbänden, u.a. dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Dermatologie.
  • Star Erfolge: Tätigkeitsschwerpunkt in der Medizinisch-Dermatologische Kosmetologie (DDA) und Berufsdermatologie (ABD)

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