Sportlegenden: Toni Mang - der (fast) vergessene Schumi wikipedia.org

Sportlegenden: Toni Mang - der (fast) vergessene Schumi

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Mit 4 Millionen Bikern ist Deutschland ein Land der Motorradfahrer. Im TV fristet der Motorradrennsport allerdings ein Schattendasein. Das war früher anders, als Fahrer wie Dieter Braun oder Helmut Bradl um die WM kämpften. Einer hat sie jedoch alle überstrahlt: der fünffache Weltmeister Anton Mang.

Toni Mang – sportlicher Allrounder in der Jugend

Anton „Toni“ Mang wurde am 29. September 1949 in Inning am Ammersee geboren. Im Alter von elf Jahren sammelte er zwar bereits erste Motorraderfahrungen, widmete sich jedoch noch überwiegend dem Skibobfahren. In dieser Sportart wurde er im Alter von nur 16 Jahren deutscher Meister und gewann die Junioren-Europameisterschaft. 1967 wechselte er jedoch in den motorisierten Rennsport und absolvierte auf einer 50- cm³-Maschine sein erstes Straßenrennen.

Einstieg in den Grand-Prix-Zirkus über Umwege

1970 stieg Mang gemeinsam mit seinem Schulfreund Sepp Schlögl, einem der größten Tüftler der Motorrad-Geschichte, beim Team des damaligen 125-cm³-Weltmeisters Dieter Braun als Rennmechaniker ein. Braun seinerseits nutzte seinen guten Namen und verschaffte dem Talent Mang Startgenehmigungen bei mehreren internationalen Rennen. Zusammen mit Schlögl und Alfons Zender entwickelte Mang die sogenannte „Schlögl-Mang-Zender“ (SMZ 250). Auf dieser Maschine feierte er bei einem Flugplatzrennen in Augsburg seinen ersten Sieg.

In der Folge ging es rasant aufwärts. Im Jahr 1975 gewann Toni Mang auf einer 350-cm³-Yamaha seinen ersten deutschen Meistertitel, im gleichen Jahr startete er beim Grand Prix von Österreich zum ersten Mal in der 350 cm³-Klasse bei einem WM-Lauf. 1976 gewann er sein erstes Rennen in der Weltmeisterschaft, den 125-cm³-Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring.

Weltmeister fast aller Klassen

1978 erhielt Mang einen Vertrag als Kawasaki-Werksfahrer in der 250er- und 350er-Klasse. 1980 wurde er Weltmeister in der 250-cm³-Klasse und Vizeweltmeister bei den 350ern. 1981 gelang ihm gar das Double, woraufhin er in Deutschland zum Sportler des Jahres gewählt wurde. 1982 verteidigte er in der 350-cm³-Klasse seinen Titel und wurde – weil die Meisterschaft in dieser Klasse zum letzten Mal ausgetragen wurde – zum „ewigen Champion“.

Rückschläge und sportliche Wiedergeburt

Zur Saison 1983 wechselte Mang in die damalige Königsklasse, die 500-cm³-Serie. Jedoch erlitt er vor Saisonbeginn eine schwere Verletzung durch einen Skiunfall und konnte erst Mitte August in die Saison starten. Mehr als ein 10. Platz sprang daher am Jahresende nicht heraus – zu wenig, um auch für die nächste Saison eine Maschine bei den 500ern zu ergattern.

1984 kehrte Mang in die 250-cm³-Klasse zurück, wo er trotz seiner Prominenz allerdings keine Werksunterstützung mehr erhielt. Mit einer Privatmaschine erreichte er dennoch einen beachtlichen 5. Platz im Gesamtklassement. Aufgrund dieses Erfolges erhielt er 1985 eine Werks-Honda, auf der er den WM-Titel nur knapp verpasste. 1986 war ein Wendejahr für Mang: Er erreichte „nur“ den vierten Rang in der WM. Hinzu kam die Trennung von seinem langjährigen Chef-Mechaniker Sepp Schlögl.

Letzter Höhepunkt und Karriereende

Danach prophezeite die Fachpresse das Ende der Ära Mang. Entgegen aller Unkenrufe wurde der Bayer im Alter von 38 Jahren dank einer Serie von acht Rennsiegen in Folge jedoch noch einmal Weltmeister bei den 250ern. Er ist damit bis heute der älteste Fahrer, dem dies gelang. Nach dem Triumph folgte 1988 die Ernüchterung: Toni Mang stürzte beim Großen Preis von Jugoslawien in Rijeka schwer und musste seine überaus erfolgreiche und lange Karriere nach insgesamt 42-Grand-Prix-Siegen und fünf Weltmeistertiteln (plus drei Vizeweltmeisterschaften) beenden. 2001 wurde er in die Hall of Fame des Motorradsports aufgenommen.

Seit dem Ende seiner aktiven Karriere widmet sich Toni Mang der Nachwuchsförderung. Seit 2007 unterstützt er gemeinsam mit Sepp Schlögl etwa den deutschen Nachwuchsrennfahrer Marcel Schrötter, der im Jahre 2008 die Internationale Deutsche Meisterschaft in der 125-er Klasse für sich entscheiden konnte.

Marco Heibel

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