Unaufmerksamkeitsblindheit im Sport istockphoto.com/ArtmannWitte

Unaufmerksamkeitsblindheit im Sport

  • Marco Heibel
Wenn ein Fußballer einen besser postierten Mitspieler nicht anspielt, ist oft von Egoismus die Rede. In vielen Fällen mag das auch zutreffen, doch manchmal kann vermeintlich falsches oder blindes Verhalten auch von außen provoziert werden. Unaufmerksamkeitsblindheit bzw. „Inattentional Blindness“ ist der Fachbegriff für dieses Phänomen.

Wenn ein Fußballer einen besser postierten Mitspieler nicht anspielt, ist oft von Egoismus die Rede. In vielen Fällen mag das auch zutreffen, doch manchmal kann vermeintlich falsches oder blindes Verhalten auch von außen provoziert werden. Unaufmerksamkeitsblindheit bzw. „Inattentional Blindness“ ist der Fachbegriff für dieses Phänomen.

Was ist Unaufmerksamkeitsblindheit?


Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich bei der Unaufmerksamkeitsblindheit um das Nichtwahrnehmen von Objekten aufgrund der eingeschränkten Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns. Das Gehirn muss nämlich selektieren, welche Informationen relevant sind und welche weniger. Die weniger relevanten Reize werden dann nicht oder kaum wahrgenommen.

Ein anschauliches Beispiel und einen interessanten Selbsttest lieferte die University of Illinois im Jahr 1999. Einfach das folgende Video anschauen, die Erklärung folgt später:

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Die Studie der Wissenschaftler Daniel Simons und Christopher Chabris mit dem treffenden Namen „Gorillas in our midst: Sustained inattentional blindness for dynamic events“ ist eine der ersten und Untersuchungen zum Thema der Unaufmerksamkeitsblindheit. Ihr Ergebnis: Rund 50 Prozent der Probanden bemerken den Gorilla nicht, weil sie auf das Zählen der Pässe zwischen den in weiß gekleideten Spielern fokussiert sind. Weist man die Probanden dagegen an, die Pässe zwischen den in schwarz gekleideten Spielern zu zählen, bemerken rund drei Viertel den schwarzen Gorilla, weil er zumindest eine der Vorgaben auf das Gehirn erfüllt: Er ist schwarz und somit potenziell relevant.

Unaufmerksamkeitsblindheit im Mannschaftssport


Auf der Basis dieser Untersuchungen sind in den letzten Jahren auch die ersten Sportwissenschaftler dem Phänomen der Unaufmerksamkeitsblindheit nachgegangen. So untersuchte das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln seit 2007 mehrfach das Phänomen der Unaufmerksamkeitsblindheit.



Die Vermutung der Wissenschaftler um Prof. Dr. Daniel Memmert war, dass beispielsweise Fußballer innerhalb eines Spiels mit mehr Informationen bombardiert werden, als ihre Verarbeitungskapazität zulässt. Das wiederum mache einen Filterungsmechanismus notwendig, wodurch es passieren kann, dass auch relevante Aspekte nicht wahrgenommen werden, wie beispielsweise ein besser postierter Mitspieler.

Als „Sündenbock“ machten die Wissenschaftler u.a. die Instruktionen aus, die durch den Trainer während des Spiels oder Trainings gegeben werden. Diese könnten nämlich dazu führen, dass sich ein Spieler vor allem auf deren Einhaltung konzentriert und andere Aktionen unterlässt, die er ohne diese Anweisungen ausgeführt hätte. Das Ergebnis sind oftmals schlechtere taktische und kreative Leistungen.

Quintessenz der Forscher: Training und Anweisungen sind gut, doch zu viele Anweisungen lenken die Spieler ab und nehmen ihnen die Kreativität. Die Empfehlung lautet, Lösungswege nicht nur vorzugeben, sondern sie auch von den Sportlern selbst liefern zu lassen. Trainer könnten ihren Teams dahingehend Hilfestellung geben, dass sie sich Spiel- oder Übungsformen ausdenken, die einen breiten Aufmerksamkeitsfokus der Spieler provozieren.

Literatur:
Memmert, D. (2007). Can creativity be improved by an attentionbroadening
training program? – An Exploratory Study Focusing on
Team Sports. Creativity Research Journal, 19, 281–291.
Memmert, D. & Furley, P. (2007). “I spy with my little eye!” – Breadth
of Attention, Inattentional Blindness, and Tactical Decision Making
in Team Sports. Journal of Sport & Exercise Psychology, 29, 365–
381.
Simons, D.J., & Chabris, C.F. (1999): Gorillas in our midst: Sustained inattentional blindness for dynamic events. Perception, 28, 1059–1074.

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