Meistermacher Ranieri im Interview gettyimages.de

Meistermacher Ranieri im Interview

  • Redaktion
Claudio Ranieri im Interview mit Laureus über das Wunder von Leicester. Der erfahrene Trainer führte den krassen Außenseiter Leicester City in der vergangenen Saison zum Titel in der englischen Premiere League. Leicester verlor dabei nur drei Spiele und ist nun für den Laureus World Breaktrough of the Year Award nominiert.
Herr Ranieri, war der Premiere League-Titel im vergangenen Jahr der größte Erfolg Ihrer Karriere?
Claudio Ranieri: Das war ein großes Ereignis für den gesamten Club und die Stadt. Für die Spieler, das Team dahinter, die Chefs und für die Fans. Auch in meiner Karriere stellt der Titel einen Höhepunkt dar, allerdings ist es schwer für mich, Vergleiche mit anderen Erfolgen anzustellen, die ich erreicht habe.

Was bedeutet die Nominierung für den Laureus Award nun für Sie?
Es ist eine der größten und prestigeträchtigsten Auszeichnungen im Weltsport und wir sind sehr stolz, dafür nominiert zu sein. Das, was wir mit Leicester City im vergangenen Jahr erreicht haben, wurde bereits vielfach gewürdigt, mit der Nominierung zum Laureus Award sind wir nun aber unter den Besten der Besten angekommen.

Was macht das Prestige dieses Preises für Sie aus?
Der Respekt, der mit dem Laureus World Sport Award verbunden ist, ist ganz besonders groß. Man muss sich nur die Liste der bisherigen Laureus-Preisträger anschauen. Die Nominierung für diesen Preis macht den bis vor kurzem noch unbekannten Club Leicester City weltweit noch bekannter.

Lassen Sie uns teilhaben, was war für Sie der bewegendste Moment der vergangenen Saison?
Für mich persönlich war es der Moment, als wir am Tag der Pokalübergabe neben Opernstar Andrea Bocelli auf dem Platz standen. In diesem Moment waren wir Meister und konnten es in vollen Zügen genießen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich den Wert des Erreichten bereits richtig einschätzen kann. Vielleicht ist das erst der Fall, wenn ich als alter Mann die Bilder nochmals sehe.

Welcher war der wichtigste Sieg der Saison?
Es gab viele große Matches in meinen Augen, nach dem 3:1 gegen Manchester City im Februar glaubte ich allerdings erstmals, dass wir etwas Großes erreichen können. Eine Woche darauf verloren wir kurz vor Schluss mit 2:1 gegen Arsenal London. Wir waren nur zu zehnt und nachdem Arsenal 93 Minuten brauchte, um uns zu schlagen, verfestigte sich diese Meinung.

Sie sind während der gesamten Saison sehr besonnen geblieben, zumindest äußerlich. Sah es in Ihrem Inneren genauso aus?
Nach außen hin schon, innerlich nicht. Ich wollte aber auch eine gewisse Sicherheit für meine Spieler ausstrahlen, damit sie ihre Stärken ausspielen konnten.

Wann haben Sie das erste Mal über den Titel nachgedacht?
Als Eden Hazard das 2:2 für Chelsea gegen Tottenham erzielt hatte. In diesem Moment waren wir rechnerisch Meister. Vor diesem Tor war ich gedanklich nur bei unserem nächsten Spiel.

Was ist denn das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Da gibt es kein Geheimnis. Wir haben ein gutes Team, das in jedem Spiel für den Erfolg gekämpft hat. Und wenn man nach der gesamten Saison vor all diesen großen Clubs in der Tabelle steht, dann hat man es auch verdient.

Wie haben Sie ihre Spieler denn so weit gebracht?
Meine Spieler sind fantastisch. Sie haben jeden Tag hart trainiert, um sich immer weiter zu verbessern. Ich habe ihnen vor jedem Spiel gesagt, dass das Ergebnis nicht so wichtig ist. Es geht darum, das Beste zu geben und das haben sie immer getan.

Welche Ziele halten Sie für den Rest dieser Saison noch für realistisch?
Die letzte Saison war besonders, aber auch verrückt. Wir wussten, dass die großen Clubs in diesem Jahr verbessert zurückkommen und es schwierig für uns wird, den Titel zu verteidigen. Wir sind also wieder in der Realität angekommen und so liegt unser Fokus wieder darin, so schnell wie möglich 40 Punkte zu erreichen. Genau wie im letzten Jahr.

Was denken Sie über die Champions League? Wie weit können Sie dort noch kommen?
Das ist Leicesters erste Saison in der Champions League, weshalb wir auch hier von Spiel zu Spiel denken und das eine oder andere gewinnen wollten, um das Abenteuer in Europa fortzusetzen. Jetzt haben wir es tatsächlich geschafft, unsere Gruppe zu gewinnen und haben nun mit dem FC Sevilla ein hartes Los im Achtelfinale. Weiter kann ich hier nicht denken.

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