Fußball fürs Leben - ein Projektbesuch in Nairobi Laureus Sport for Good Foundation

Fußball fürs Leben - ein Projektbesuch in Nairobi

  • Laureus Sport for Good Foundation
„Der Fußball hat mich gerettet“, meint Bethwell. Ein Besuch bei der Mathare Youth Sports Association (MYSA), die sich seit 1987 dafür einsetzt, jungen Menschen mit Hilfe des Fußballs eine faire Chance zu geben und das HIV-Bewusstsein der Menschen in den Slums von Nairobi zu fördern.

Bethwell Mysanga Mjiru Cantona steckt voller Energie. Wenn er über seine Leidenschaft – den Fußball – spricht, dann hört man an seiner Stimme, wie viele Emotionen er damit verbindet und wie viel ihm der Sport bedeutet. Der Fußball ist sein letzter Gedanke, wenn er abends schlafen geht, und seine Motivation, wenn er morgens aufsteht. Er ist sein Beruf, sein Hobby, sein Ansporn und sein Retter.

„Der Fußball hat mich gerettet“, meint Bethwell. An seinem Tonfall erkennt man, dass er nicht übertreibt. „Wenn es den Sport nicht gäbe, wäre ich heute nicht mehr am Leben. Die meisten meiner Freunde, die einen anderen Weg einschlugen, sind heute nicht mehr unter uns.“

Bethwell – oder Cantona, wie er von vielen bei der Mathare Youth Sports Association (MYSA) genannt wird – kam zum Fußball wie viele andere Kinder rund um den Globus auch: „Anfangs spielten wir bei uns in den Straßen mit einem ‚Juala‘“, erzählt Bethwell und beschreibt den improvisierten Fußball aus zusammengeknülltem Papier, den er gemeinsam mit Freunden in dem Slum, in dem er lebte, herumkickte. Bethwell begleitete seinen älteren Bruder, der sich um ihn kümmerte, regelmäßig zum Training bei der MYSA und schaute vom Spielfeldrand aus zu.

 

Die Glücklichen

 

Bethwell zählt sich selbst zu denen, die Glück hatten. „Während ich zum Training ging, waren meine Freunde, die nicht Fußball spielten, in Drogen oder andere schlimme Dinge involviert. Viele meiner Freunde infizierten sich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit HIV/AIDS, und manche von ihnen sind heute nicht mehr am Leben. Sie machten auch vor der Kriminalität nicht Halt – einige meiner Freunde begingen Taschendiebstähle und wurden letztendlich zu Tode gesteinigt.“

Im Alter von sieben Jahren wurde Bethwell von einem Trainer angesprochen, der ihn in eines der Teams der MYSA einlud. Bethwell beschloss, das MYSA-Trikot anzuziehen – und trägt es heute mit 32 Jahren immer noch.

Der Fußball war eine Chance für ihn, sich auszudrücken, sich von Schwierigkeiten fernzuhalten und seinen großen Vorbildern auf dem Spielfeld nachzueifern. „Als ich 12 oder 13 war, sagte man mir, dass ich im Mittelfeld wie Cantona spielen würde. Das wurde zu meinem Spitznamen und vor kurzem ließ ich meinen Namen offiziell ändern. Ich verfolge alles, was Cantona tut. Er ist eine Fußball-Ikone.

Heute stellt der Fußball für die Kinder und Jugendlichen aus der Region eine Chance auf ein besseres Leben dar. Bethwell leitet das „Football for Hope“-Zentrum der MYSA in den Slums von Mathare, Kenia, das sich vor allem auf Gesundheits- und Bildungsangelegenheiten konzentriert. „Wir setzen den Sport als Mittel ein, um die Jugendlichen zusammenzubringen. Wenn sie wollen, können sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und freiwillig an medizinischen Tests und anderen Verhütungsinitiativen teilnehmen. Und dann gibt es natürlich noch die Bibliothek.“

 

Vom Ball zu den Büchern

 

Die Bibliothek. Im Herzen der Sportorganisation MYSA liegt ein Gebäude, das für die jugendlichen Projektteilnehmer mittlerweile zu einem der Zentren des Geschehens geworden ist. In vielen umliegenden Schulen müssen sich oft bis zu 50 Schüler ein enges Klassenzimmer teilen und haben gemeinsam nur fünf oder sechs Bücher zur Verfügung. Um ihren Wissensdurst zu stillen, strömen diese Schüler abends, an Wochenenden und in den Ferien in die Bibliotheken.

George Wambugu leitet die Bibliothek der MYSA. Wie Bethwell kam auch er als Jugendlicher zum Projekt und spielte ursprünglich für den Verein. Heute betreut George die Spieler als Mentor und unterstützt sie beim Lernen.

„Einen Großteil der Kinder zieht es zum Fußball; das ist die beliebteste Sportart hier“, so George. „Über das Fußballspielen erfahren sie von den Bibliotheken und viele von ihnen wollen zu uns kommen, um den Problemen in ihrer Familie oder ihren Gemeinschaften zu entfliehen.“

Sobald sie die MYSA einmal besuchen, entwickeln viele Projektteilnehmer den Wunsch, zu lesen, sich weiterzubilden und ihren Horizont zu erweitern. Viele von ihnen leben in den Slums und haben kaum bis gar keinen Zugang zu Lernmitteln. Der 20-jährige Marvin Nderitu weiß das aus eigener Erfahrung. Zu Hause muss er sich mit seinen Eltern und sieben Geschwistern zwei Schlafzimmer teilen. Dort gibt es keinen Platz zum Lernen, also wurde die MYSA-Bibliothek zu Marvins zweitem Zuhause.

„Ich erhielt die Chance, die Bibliothek zu nutzen, und bereue es keine Sekunde“, meint Marvin dankbar. „Es hat mir so viel gebracht. 2011, als ich noch in der Schule war, durfte ich während der Ferien hierher in die Bibliothek kommen, um meine Hausaufgaben zu machen und für Prüfungen zu lernen.“

Gemeinsam haben der Zugang zur Bibliothek und der Zugang zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten Marvin geholfen, sein Leben im Griff zu behalten. „Der Sport ist ein Instrument, das die Menschen zusammenbringt. Wir können unsere Probleme vergessen und gemeinsam siegen oder verlieren. Ich bin der MYSA zutiefst dankbar, dass sie mich aufgenommen hat und mir eine Chance gegeben hat.“

„In der Bibliothek lernen die Kinder sowohl fürs Leben als auch für die Schule. Ihr Einsatz hier lohnt sich: Mit dem Eifer, den sie in der Bibliothek an den Tag legen, verdienen sie sich oft Stipendien. Einige von ihnen nehmen später auch die Gelegenheit wahr, ihre Kameraden zu unterrichten. Auf diese Weise geben sie der Bibliothek und der Gemeinschaft etwas zurück.“

 

Zwei Sportlegenden zu Besuch

 

Die Sportlegenden Michael Johnson und Marcel Desailly, beide Mitglied der Laureus World Sports Academy, statteten der MYSA unlängst einen Besuch ab, um sich mit den Kindern und Jugendlichen zu unterhalten und mehr über ihr Umfeld und die Aktivitäten der Organisation zu erfahren. Sie waren von dem, was sie sahen, überwältigt.

Der französische Fußballweltmeister Marcel Desailly war sichtlich bewegt, als er über seinen Besuch bei der MYSA sprach. „Ich bin selbst Fußballer und war überwältigt von dem, was ich hier gesehen habe“, so Desailly. „Das Kicken mit den jungen Projektteilnehmern hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der Sport das Leben von so vielen jungen Menschen von Grund auf verändern kann.“

Leichtathletik-Star Michael Johnson, seines Zeichens mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger, wird den Tag bei der MYSA für immer in Erinnerung behalten. „Die extreme Benachteiligung, mit der die jungen Menschen hier aufwachsen, ist an sich schon unbegreiflich“, so Johnson.

„Als ich die Zentrale der MYSA betrat, war ich hin und weg, wie viel Hoffnung die Organisation den jungen Projektteilnehmern vermitteln kann. Die Verhältnisse, die hier vor Ort herrschen, machten mich wirklich traurig, aber als ich dann in diese Einrichtung kam, mit all ihren Büchern und den ganzen anderen Ressourcen für Kinder und Jugendliche, damit sie sich weiterbilden, Zeit miteinander verbringen und gemeinsam lernen können, war diese Traurigkeit sofort wie weggeblasen und ich verspürte dieselbe große Hoffnung, die auch diese jungen Menschen spüren.“

 

Informationen zur MYSA und zu Laureus Sport for Good

 

Die Mathare Youth Sports Association (MYSA) setzt sich seit 1987 dafür ein, jungen Menschen mit Hilfe des Fußballs eine faire Chance zu geben und das HIV-Bewusstsein der Menschen in den Slums von Nairobi zu fördern. Die MYSA war das allererste Projekt, das von Laureus unterstützt wurde, und wurde zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Junge Projektteilnehmer, die seit der Gründung der MYSA involviert waren, sind mittlerweile zu Vorbildern herangewachsen und in ihren Gemeinschaften als Jugendleiter aktiv. Hunderte dieser ehemaligen Teilnehmer wurden speziell geschult und leiten nun neben Präventions- und Beratungsprogrammen auch Initiativen, die das Bewusstsein für HIV/AIDS schärfen sollen. Hunderte weitere schaffen es mit Hilfe anderer MYSA-Programme, die ihre Beschäftigungsfähigkeit fördern, bezahlte Arbeit außerhalb der MYSA zu finden. Seit ihrem Bestehen hat die Mathare Youth Sports Association bereits mehr als 200.000 Kindern geholfen.

Seit seiner Gründung konnte Laureus Sport for Good mehr als 100 Millionen Euro Spendengelder aufbringen. Die Bewegung hat bereits mehr als 150 Projekte rund um den Globus unterstützt, die soziale Probleme wie Gewalt, Diskriminierung und Benachteiligung mit Hilfe des Sports bekämpfen, und dazu beigetragen, das Leben von Millionen Kindern und Jugendlichen in mehr als 35 Ländern zu verbessern. Laureus Sport for Good ist der Beweis dafür, dass der Sport die Welt verändern kann.

Quelle: Laureus Sport for Good Foundation

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