"Handball-WM-Durchführung grundsätzlich nachvollziehbar, aber..." gettyimages
Marketing-Experte differenziert Diskussionen um Imageschaden

"Handball-WM-Durchführung grundsätzlich nachvollziehbar, aber..."

  • Frank Schneller
Dennis Trautwein von Octagon stellt die Grundsatzthese auf: „Jede Veranstaltung, die aktuell mit minimalem Risiko durchgeführt werden kann, liefert einen substantiellen Beitrag, das finanzielle Konstrukt rund um die Finanzierung des Sports zu sichern.“ Anlass zur Kritik aber erkennt letztlich auch er ...
Eine Weltmeisterschaft unter erschwerten Bedingungen, begleitet von der Sorge um die Gesundheit aller Beteiligten, anfänglichen Ärgers wegen der mangelnden Sicherheit vor einer Ansteckung, Absagen von Teams und Spielen, tatsächlichen Infektionen zu Beginn des Turniers: Für den Welthandball an sich war die Ausrichtung der WM 2021 in Ägypten eine heikle Angelegenheit. Und insbesondere für den Deutschen Handballbund (DHB) verlief das Turnier wenig imagefördernd. Das wiederum lag freilich nicht zuletzt auch am sportlich ernüchternden Auftreten der Not-Auswahl von Neu-Bundestrainer Alfred Gislason. Und an mehreren Befindlichkeiten sowie Unstimmigkeiten rund um das Spielfeld: Die widersprüchlichen, teilweise despektierlichen Aussagen zu den Absagen einiger Nationalspieler im Vorfeld, die Dissonanzen und Diskussionen rund um Torwart Andreas Wolff und Kapitän Uwe Gensheimer oder auch die offenkundig diversen Olympia-Prognosen und -Erwartungen an die DHB-Auswahl auf Führungsebene.

Die Durchführung der WM unter den aktuellen Umständen, so zahlreiche Kritiker, sei kontraproduktiv gewesen für das Image des Handballs. Schädlich sogar: Brot und Spiele in Zeiten wie diesen? Um jeden Preis, ohne Fans? Falsche gesellschaftliche Signale inmitten einer grassierenden Pandemie? Marketing-Experte Dennis Trautwein, Managing Director der Consulting- und Full Service-Agentur Octagon, mag nicht uneingeschränkt mit einstimmen in den Kanon jener Kritiker, die das WM-Turnier von vornherein am liebsten abgesagt hätten. Er differenziert, sieht vor allem den wirtschaftlichen Zwang, ohne diesen sogleich emotional und moralisch aufzuladen: „Jede Veranstaltung, die aktuell mit minimalem Risiko durchgeführt werden kann, liefert einen substantiellen Beitrag, das finanzielle Konstrukt rund um die Finanzierung des Sports zu sichern.“

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Dennis Trautwein, Octagon

Auf den zweiten Blick – vor allem Richtung Weltverband IHF – freilich erkennt er die Ansatzpunkte der Kritik durchaus. Diese aber würden „aktuell ja eher auf die Rahmenbedingungen, unter denen die Veranstaltung durchgeführt oder zumindest begonnen wurde, abzielen“. Weniger auf Grundsätzliches. Trautwein erklärt: „Mit dieser Sonderstellung, dass die Spieler dort ihren Job weiterhin ausführen können, muss der Sport als Ganzes sehr gewissenhaft umgehen – und das scheint im Fall der IHF für die Veranstaltung in Ägypten zunächst nicht unbedingt der Fall gewesen zu sein.“ Einen nachhaltigen Schaden für den Handball in der öffentlichen Wahrnehmung befürchtet er eher nicht: „Das wird kurzfristig zwar schon negative Auswirkungen auf das Image des Weltverbandes haben, aber nach meiner Einschätzung auch recht schnell wieder verblassen.“

Ob dies auch für den DHB gelte? „Mit entsprechenden Abstrahleffekten“, so der Marketingfachmann, „muss zunächst wohl auch er rechnen.“ Auch diese seien auf Sicht jedoch weniger problematisch. „Ich denke, dass das größere Problem an dieser Stelle das – nicht zuletzt eben auch in der überwiegenden Wahrnehmung der Öffentlichkeit – leider unterdurchschnittliche sportliche Abschneiden der Nationalmannschaft sein dürfte.“ Um dies zu korrigieren, auch mit Blick auf das eigene Image, kann die DHB-Auswahl in Form einer erfolgreichen Olympia-Qualifikation schon bald selbst Hand anlegen: Vom 12. bis 14. März in Berlin.

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