Barcodes in Formel 1 Reifen – Welche Bedeutung haben sie? getty images

Barcodes in Formel 1 Reifen – Welche Bedeutung haben sie?

  • Nils Borgstedt
Nach Monaco und Montreal geht es am kommenden Wochenende für die Formel 1 in Valencia zum dritten Stadtrennen dieser Saison. Bei Formel 1 Rennen immer im Fokus stehen die Reifen. Rund 1.800 Stück liefert Pirelli als Exklusivausstatter der höchsten Motorsportklasse zu jedem Grand Prix. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, bekommt jeder Reifen einen eigenen Barcode, die Verteilung der Reifen nimmt die FIA selbst vor.

Damit die Reifen, die im türkischen Izmit produziert werden, nicht vertauscht oder bewusst qualitativ schlechtere Reifen an bestimmte Teams geliefert werden können, bekommt jeder Reifen bei der Herstellung einen Barcode. Dieser Barcode wird bei der Vulkanisierung in die Struktur eingebracht und kann anschließend nicht mehr entfernt werden. Dieser Code enthält alle Details des Reifens und wird mehrfach am Rennwochenende abgerufen.

Die Verteilung der Codes obliegt dabei der FIA. Der Weltautomobilverband liefert die Codes an den Reifenhersteller, dieser arbeitet sie in die Reifen ein und liefert die Reifen anschließend nach Didcot in Großbritannien, wo Pirelli sein Logistikzentrum hat. Dort bekommt ein FIA-Mitarbeiter die Liste mit den verarbeiteten Barcodes und verteilt diese an die Teams, die so ihre Reifen für den kommenden Grand Prix bekommen.

Weiter geht es an der Strecke. Die Reifen werden nach der von der FIA erstellten Liste an die Teams verteilt. Durch den Barcode ist es sowohl der FIA als auch dem Hersteller jederzeit möglich zu überprüfen, ob die Teams mit den für sie bestimmten Reifen fahren.

Paul Hemberey, Direktor Motorsport bei Pirelli, betont: „Selbst wenn wir wollten – und das wollen wir auf keinen Fall – gibt es keine Möglichkeit für uns, die Verteilung der Reifen an die Teams zu beeinflussen. Diese Aufgabe übernimmt die FIA, sobald die Pneus die Fabrik in Izmit verlassen haben. Das ist eine weitere Maßnahme, um unsere Neutralität gegenüber den Teams zu garantieren. Für Pirelli als Exklusivlieferanten ist dieser Punkt sehr wichtig. Auch die Arbeitsweise unserer Ingenieure bei den Teams basiert auf gegenseitigem Vertrauen und höchster Vertraulichkeit, ein weiterer bedeutender Aspekt.“

Von der Produktion zum Grand Prix

Vor dem Grand Prix:
Mit Genehmigung der FIA nominiert Pirelli die Reifen für ein Rennen – jeweils eine weichere und eine härtere Mischung.

In der Fabrik im türkischen Izmit beginnt die Produktion der benötigten Reifen. Rund 1.800 Reifen werden zu jedem Rennen geliefert, zusätzlich 700 Pneus für die GP2 und 600 für die GP3.

Zwei Wochen vor dem Grand Prix:
Für die europäischen Rennen werden die Reifen per Lkw von Izmit nach Didcot transportiert: Die Reise über etwa 3.100 Kilometer dauert drei Tage.

In Didcot werden die Barcodes ins Pirelli-System eingescannt. Die FIA erhält abschließend die Liste mit den Codes.

Daraufhin verteilt die FIA die Barcodes an die Teams. Die Reifen werden in Didcot entsprechend ihrer Zuteilung an die Teams sortiert und auf sieben Lkw verladen, die sie zur Rennstrecke bringen (vier Lkw für die F1, drei für die GP2 und die GP3).

Eine Woche vor dem Grand Prix:
Die Lkw verlassen Didcot und fahren zur Rennstrecke. Normalerweise erreichen sie am Montag vor dem Rennwochenende den Veranstaltungsort. Die 18 Monteure bauen ihren Arbeitsbereich auf und gleichen die Barcodes noch einmal mit der FIA ab.

Fünf Tage vor dem Grand Prix:
Die Monteure beginnen, die Reifen auf die Felgen aufzuziehen. Ein erfahrener Monteur benötigt 2,5 Minuten pro Pneu. Für alle Reifen, die am Renn-Wochenende eingesetzt werden, benötigt das Team zwei Tage. Die Felgen gehören den Teams. Erst an der Rennstrecke erhält Pirelli die Felgen, um die Reifen aufzuziehen.

Während des Rennwochenendes:
Pro Rennwochenende stehen einem Fahrer maximal elf Sätze Trockenreifen (sechs der härteren und fünf der weicheren Gummimischung), vier Sätze Intermediates und drei Sätze Regenreifen zur Verfügung. Jeder Fahrer bekommt für den Freitag drei Reifensätze (zwei harte, ein weicher) zur Verfügung gestellt. Ein Satz harter Slicks muss nach dem ersten freien Training zurückgegeben werden. Für den Rest des Rennwochenendes stehen acht Reifensätze zur Verfügung (vier von jeder Mischung). Vor Beginn des dritten Trainings folgen je ein Satz harter und ein Satz weicher Reifen. Dasselbe geschieht vor Beginn des Qualifyings. Das bedeutet: Jedem Fahrer stehen insgesamt sechs Sätze Slicks (drei je Spezifikation) für das Qualifying und das Rennen zur Verfügung.

Reifen, die zurückgegeben werden, nehmen die Monteure von den Felgen, da sie nicht mehr genutzt werden. Die Felgen werden den Teams zurückgegeben.

Nach dem Grand Prix:
Alle übrigen Reifen, genutzt oder ungenutzt, werden von den Felgen genommen und zurück nach Didcot gefahren. Von dort transportiert Pirelli sie in ein spezialisiertes Werk, in dem sie geschreddert und anschließend bei sehr hohen Temperaturen verbrannt werden, um Öl für Zementfabriken herzustellen. Das bei diesem Prozess entstehende Rohmaterial wird auch für Straßenoberflächen und weitere Einsätze in der Industrie wieder verwendet.

Quelle: Pressemitteilung Pirelli

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