Spiel mit dem Feuer (2) – Interview mit Ex-Profi Christoph Preuß picture alliance

Spiel mit dem Feuer (2) – Interview mit Ex-Profi Christoph Preuß

  • Derk Hoberg
Die Gewalt in und um die Fußballstadien nimmt anscheinend zu. Nachdem netzathleten.de bereits Fanforscher Dr. Martin Thein zu diesem Thema befragt hat, sprachen wir mit Ex-Profi Christoph Preuß, der als Spieler von Eintracht Frankfurt zwar eine kreative und stimmungsvolle, aber auch problematische Fanszene kennen gelernt hat.

 

netzathleten: Mit dem nötigen Abstand, den Du als ehemaliger Spieler der Eintracht hast: Wie wichtig sind die Fans und die Stimmung, die sie im Stadion machen, für Euch Fußballer?
Christoph Preuß: Die Fans sind natürlich wichtig und die tolle Atmosphäre, die sie verbreiten, nimmt man natürlich sehr positiv auf. Zum Glück durfte ich diese tolle Stimmung hier in Frankfurt jahrelang genießen.

netzathleten: Was bekommt Ihr davon im Einzelnen mit? Wut über Schiedsrichterentscheidungen, wenn mal ein Spieler gefeiert wird, oder wenn lange das gleiche Lied gesungen wird?

Christoph Preuß: Für mich hat sich das, was die Fans auf den Rängen veranstalten, zunächst einmal in Jubel oder in Missfallen in Form von Pfiffen ausgedrückt. Dadurch, dass wir Spieler doch auch sehr auf das Geschehen auf dem Feld konzentriert sind, bekommt man eigentlich nicht mit, was exakt gesungen wird. Also entweder anpeitschen oder Unzufriedenheit, das ist das, was man wahrnimmt.

netzathleten: Wie ist es auf fremden Plätzen? Kommen Fans auch auswärts richtig zum Tragen, also so, dass es sich leistungsmäßig auswirkt?
Christoph Preuß: Ich denke, wir hier in Frankfurt haben eine Fanszene, die auch auswärts immer sehr zahlreich vertreten ist. Da sind wir bei Eintracht Frankfurt auch stolz darauf, dass viele Fans immer wieder so weite Wege auf sich nehmen. Vor allem jetzt auch in der zweiten Liga. Und natürlich ist es gut, wenn man die Fans dann im Rücken hat und nicht nur die gegnerischen Fans „ertragen“ muss.

netzathleten: Warst Du selbst auch mal Fan, mit Dauerkarte als Jugendlicher vielleicht?
Christoph Preuß: Nein, als richtigen Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich habe mir zwar sehr viele Spiele angeschaut, aber fanatisch war ich eigentlich nie.

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etzathleten: Das war die angenehme Seite der Fans, momentan wird viel über Pyrotechnik und gewaltbereite Fans diskutiert. Wie viel bekommt man davon als Spieler mit?
Christoph Preuß: Dadurch, dass die Medienlandschaft heutzutage so vielfältig ist, bekommt man als Spieler wirklich alles mit. Ob Radio, Fernsehen, Internet, alle berichten ja derzeit über die aktuelle Problematik. Man wird also zwangsläufig damit konfrontiert.

netzathleten: Bespricht man diese Problematik im Mannschaftskreis?

Christoph Preuß: Natürlich spricht man darüber. Ich habe auch schon eine Sitzblockade hier in Frankfurt miterlebt, das betrifft ja die Mannschaft unmittelbar. Mit Aggressionen, Drohungen oder gar Gewalt ist dabei verständlicherweise keiner von uns einverstanden.

netzathleten: Wie denkst Du zum Beispiel über Pyrotechnik? Deren Einsatz und Gewalt an sich sollte man nicht vermischen, wie auch Dr. Thein in unserem Interview sagte.
Christoph Preuß: Spieler legen eigentlich keinen gesteigerten Wert auf Pyrotechnik, zumal wir um die damit verbundenen Gefahren wissen und, zum anderen, dadurch auch eher im Spiel beeinträchtigt werden.

netzathleten: Wenn der Bus blockiert wird, Spieler wie in Magdeburg massiv bedroht werden, bekommt man es dann auch schon mal mit der Angst zu tun?
Christoph Preuß: So etwas wie in Magdeburg hat mit Fußball nichts mehr zu tun, und es ist eine Katastrophe, dass so etwas überhaupt passiert. Die Gewaltbereitschaft hat inzwischen ein Niveau erreicht, das für uns nicht nachzuvollziehen ist. Da habe ich auch kein Verständnis dafür. Gerade wir hier in Frankfurt hätten von den Fans her absolut das Potential, ausschließlich mit positiven Dingen in Erscheinung zu treten: Schöne Choreografien, tolle Atmosphäre und Stimmung im Stadion, sehr aktive Fans, wie gesagt, auch auswärts. Damit sollte man doch versuchen, für Furore zu sorgen. Das teile ich auch den Fans im Gespräch mit. Gewalt gehört einfach nicht zum Fußball dazu. Und dennoch, es ist ja kein Thema, das erst seit neuestem diskutiert wird. Momentan macht es aber den Anschein, als würde dies zunehmend problematischer.

netzathleten: Du hast nun quasi die Seiten gewechselt, bist für die Eintracht Frankfurt Fußball AG tätig. Hat sich Deine Sicht auf die Fans dadurch geändert?
Christoph Preuß: Nein, ich wünsche mir nach wie vor, dass die Fans unsere Mannschaft so lautstark und gut wie möglich unterstützen.

netzathleten: Was unternehmt Ihr von Vereinsseite aus, um in den Dialog mit den Fans zu treten?
Christoph Preuß: Wir haben natürlich unsere Fanbeauftragten, die sich tagtäglich mit der Problematik auseinandersetzen. Sie versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles, was in ihrer Macht steht, um zu vermitteln oder zu schlichten. Sie sind in ständigem Austausch und im Dialog mit den Beteiligten, wobei es natürlich auch schwierig ist, all jene so zu erreichen, wie man gerne würde.

netzathleten: Vielen Dank für das Gespräch, Christoph.

Hier geht es zum ersten Teil von "Spiel mit dem Feuer": Interview mit Fanforscher Dr. Martin Thein. Hier geht es zum dritten Teil, einem Interview mit einem Fan aus Sachsen

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