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Vorschau auf die Bundesliga-Saison 2010/11

  • Marco Heibel
Die Bundesliga geht in ihre 48. Saison. Die netzathleten unterziehen alle 18 Bundesligisten einem Saison-Check. Wer wird Meister, wer kommt in die Champions- und Europa League, und wer steigt ab? Wir geben unsere Prognosen ab – und lassen uns am Saisonende gerne daran messen.

FC Bayern München


16 der 18 Bundesligatrainer haben den FC Bayern München zum Titelfavoriten erklärt. Es spricht ja auch sehr wenig gegen diesen Tipp: Der Kader ist auf fast jeder Position überdurchschnittlich gut besetzt. Die Mannschaft, die sich in der Hinserie der vergangenen Saison erst noch an Trainer Louis van Gaal und dessen System gewöhnen musste, hat ihre Klasse spätestens ab dem Spätherbst 2009 dauerhaft gezeigt und ist verdient Deutscher Meister geworden.

Da es abgesehen von den fünf zurückgekehrten Leihspielern (darunter WM-Teilnehmer Toni Kroos) keine “echten“ Neuzugänge gibt, muss zudem niemand integriert werden. Das 2:0 im Supercup gegen Vizemeister Schalke hat gezeigt, dass die Mannschaft bereits in beachtlicher Frühform ist – und das, obwohl elf Bayern-Spieler wegen der WM erst Ende Juli ins Training eingestiegen waren.



An dieser Stelle beginnen jedoch die Fragen: Finden die WM-müden Leistungsträger schnell ihre Form wieder? Und wenn ja, wer garantiert, dass sie nicht vor der Winterpause in ein Leistungsloch fallen, weil Körper und Geist einfach eine Pause brauchen? Kann die Mannschaft den langen Ausfall von Arjen Robben kompensieren? Kann Franck Ribéry wieder an seine Form der Jahre 2007 bis 2009 anknüpfen? Und wie verarbeiten Thomas Müller und Holger Badstuber ihren rasanten Aufstieg von der zweiten Mannschaft über das Champions League Finale bis hin zur Weltmeistschaft?

Trotzdem: Läuft alles „normal“ und die Bayern schöpfen ihr Potenzial aus, dann wird der Deutsche Meister auch 2011 wieder aus München kommen.

FC Schalke 04


Er ist da, der Raul! Einen größeren Star hat der FC Schalke noch nie in seinen Reihen gehabt. Immerhin hat der Mann mit Real Madrid drei Mal die Champions League gewonnen und ist bis heute mit 66 Treffern Rekordtorschütze in diesem Wettbewerb – eine Bilanz, an der er noch feilen kann, denn Schalke ist als Vorjahreszweiter direkt für die Königsklasse qualifiziert.

Doch bei aller Euphorie um den Weltstar aus Spanien: Raul ist mittlerweile 33 Jahre alt und hat seine allerbesten Fußballertage mit ziemlicher Sicherheit bereits hinter sich. Angesichts seines gottgegebenen Talents wird er dennoch eine gute Rolle in der Liga spielen können. Doch genügt das, um Schalke den langersehnten ersten Meistertitel seit 1958 zu bescheren?

Immerhin hat der Verein im Sommer aus Kosten- und/oder Charaktergründen mit Kevin Kuranyi, Marcelo Bordon, Heiko Westermann und Rafinha gleich vier Leistungsträger abgegeben. Hinzu kommen einige teure „Altlasten“ wie Carlos Grossmüller oder Vicente Sanchez, die man von der Gehaltsliste streichen konnte.

All diese Maßnahmen bescheren dem Verein ein gewisses Finanzpotenzial – das auch nötig sein wird, um den Kader zu verstärken. Denn abgesehen von Raul ist ein nicht gerade von übermäßiger Spielpraxis gesegneter Christoph Metzelder der einzige weitere Neueinkauf, der auf Anhieb seinen Platz in der Startelf sicher haben sollte.

Problematisch könnte auch die von Magath angedachte Systemumstellung werden. Hohe Bälle sind out, seit der kopfballstarke Kuranyi in Moskau seine Nuss-Nougat-Creme verdient.
Der Erfolgstrainer sucht noch die passenden Spieler, in erster Linie einen „Zehner“ im Stile eines Zvjezdan Misimovic oder eines Diego. Doch bis der erst mal da ist und die Mannschaft sich gefunden hat, könnte der Meisterschaftszug bereits abgefahren sein – zumal die Schalker im Gegensatz zum Vorjahr noch die “Zusatzbelastung“ Champions League stemmen müssen.

Schalke hat in der Vorsaison mit eher nüchternem Ergebnisfußball den (beinahe) größtmöglichen Erfolg erzielt. Von dieser Minimax-Philosophie will Magath nun ein Stück weit weg. Der Grundstein ist gelegt, doch bis die Mannschaft Magaths Vorstellungen verinnerlicht hat, können auch schon einmal ein paar Monate ins Land gehen (siehe Bayern München in der Hinrunde 09/10). Auch wenn Magath mittlerweile der Ruf eines Magiers vorauseilt, der aus einer Mannschaft das Maximum heraus kitzeln kann, so wäre ein erneuter zweiter Platz doch als Erfolg zu werten.

SV Werder Bremen


Wer viele Tore sehen möchte, ist bei Werder immer gut aufgehoben. Seit Jahren erzielen die Bremer in hanseatischer Verlässlichkeit pro Saison um die 70 Tore. Dieses Potenzial im Angriff (personifiziert von Mesut Özil, Marko Marin oder Claudio Pizarro) macht Werder Jahr für Jahr zu einem heißen Kandidaten für den Europapokal.

Dass es seit 2004 nicht mehr zur Meisterschaft gereicht hat, ist allerdings ebenfalls dieser offensiven Spielausrichtung geschuldet: Mindestens 40 Gegentore stehen üblicherweise am Saisonende zu Buche und sind quasi der einkalkulierte Preis für diesen Offensivstil.

Das größte Problem der Elf von Trainer Thomas Schaaf ist jedoch, dass sie sich regelmäßig Kunstpausen gönnt. So kostete ein Fehlstart in die Hin- und in die Rückrunde der vergangenen Saison den SV Werder ein besseres Abschneiden als Platz drei.

Auf dem Transfermarkt waren die Hanseaten, die sich erst noch für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren müssen, dieses Mal eher zurückhaltend. Der namhafteste Transfer ist der Österreicher Marko Arnautovic. Der 21-jährige Stürmer gilt als unglaublich talentiert, aber auch als ebenso schwierig. Bereits in der Saisonvorbereitung sorgte er mehrfach für Unruhe. Bei ihm bleibt abzuwarten, ob er einschlagen wird oder ob er – wie einige Boulevardmedien bereits spotteten – zum „weißen Carlos Alberto“ wird. Das Original war 2007 für knapp 8 Millionen Euro an die Weser gewechselt und machte fast ausschließlich durch zahlreiche Eskapaden neben dem Fußballplatz auf sich aufmerksam.

Eine weitere spannende Frage rankt sich um die Zukunft von Mesut Özil. Der deutsche WM-Star wird aktuell mit fast jedem europäischen Großclub in Verbindung gebracht. Konkret geworden ist noch nichts. Fakt ist, dass ein Last-Minute-Transfer Özils, der im nächsten Jahr ablösefrei wäre, zwar die Kassen der Bremer füllen würde, sportlich allerdings einen enormen Verlust darstellen würde, der auch durch die schnelle Verpflichtung eines Nachfolgers im offensiven Mittelfeld kaum zu kompensieren wäre.

Özil und Arnautovic hin oder her, die eingespielte Werder-Mannschaft ist auch in dieser Saison wieder ein Anwärter auf einen Europapokal-Platz. Auch wenn Schlüsselspieler wie Thorsten Frings und Claudio Pizarro die 30 mittlerweile überschritten haben, erscheint bei optimalem Saisonverlauf das erneute Erreichen der Champions League möglich.

Bayer 04 Leverkusen


Als der Wechsel von Michael Ballack zu Bayer Leverkusen bekannt gegeben wurde, war von Spieler- und Vereinsseite von einer ganz emotionalen Wiedervereinigung die Rede: der gealterte Weltstar, der seine Karriere bei dem Verein beenden möchte, wo sie in der Saison 2001/02 so richtig begonnen hatte. Und wenn es geht, möglichst erfolgreich.

Michael Ballack soll der durchaus talentierten, spielstarken und seit Jahren gewachsenen Mannschaft von Bayer Leverkusen die Konstanz verleihen, die ihr bislang in schöner Regelmäßigkeit im Verlauf der Rückrunde abhanden gekommen war. Neben Ballack wurde vor allem die Qualität in der Breite erhöht (Sydney Sam, Hanno Balitsch). Hinzu kommt ein weiterer “Neuzugang“ im Angriff: Nach seinem Kreuzbandriss hat Nationalspieler Patrick Helmes gute Chancen auf den Platz neben Stefan Kießling im Sturm. Außerdem hat Leverkusen mit Jupp Heynckes einen erfahrenen Trainer, dem es in der Vorsaison fast gelungen wäre, das fast schon in der Vereinssatzung stehende Rückrunden-Trauma abzulegen.

An Erfahrungsmangel – in der Vergangenheit die General-Entschuldigung der Bayer-Verantwortlichen für sportliche Rückschläge – würde ein erneuter Einbruch kaum mehr festzumachen sein. Exemplarisch seien die nach wie vor verhältnismäßig jungen Leistungsträger René Adler (25), Gonzalo Castro (23), Arturo Vidal (23) oder Tranquillo Barnetta (25) genannt. Das Quartett hat mittlerweile zusammen fast 500 Bundesligaspiele und über 100 Länderspiele auf dem Buckel.

Angesichts des Potenzials im Kader kann das Ziel in dieser Saison nur das Erreichen der Champions League sein.

Borussia Dortmund


In der Vorsaison hat sich Borussia Dortmund erstmals seit sieben Jahren wieder über die Bundesliga für den Europapokal qualifiziert. Der jüngste Kader der Liga (24,1 Jahre im Schnitt) überzeugte in der Vorsaison durch kompakten, leidenschaftlichen, laufintensiven Fußball. Viele Spieler sind talentiert, aber noch nicht ganz ausgereift (Hummels, Subotic, Großkreutz, Sahin etc.).

Der BVB hat auch in dieser Saison seinen Weg auf dem Transfermarkt fortgesetzt und ausschließlich junge Spieler verpflichtet. Der aus Berlin gekommene Lukasz Piszczek ist mit seinen 25 Jahren bereits der Senior. Der “Königstransfer“ ist in diesem Jahr der 21-jährige Robert Lewandowski, Torschützenkönig der polnischen Liga. Ob er sich auf Anhieb durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Als Gewinner der Vorbereitung gilt jedenfalls ein anderer Neueinkauf, der japanische WM-Teilnehmer Shinji Kagawa.

Die Mannschaft hat Zukunft – wenn sie zusammenbleibt. Das wiederum wird auch davon abhängen, ob der BVB auch in diesem Jahr wieder einen Schritt nach vorne machen kann. Angesichts der ungewohnten Mehrfachbelastung durch den Europapokal wäre aber eine Bestätigung des fünften Platzes sowie eine spielerische Weiterentwicklung ein Erfolg für das Team von Trainer Jürgen Klopp.

VfB Stuttgart


Wenn Bayer Leverkusen eine Hinrunden-Mannschaft ist, dann ist der VfB Stuttgart das Gegenstück. 2009 ging es nach der Winterpause von Platz 10 auf 3, 2010 von 12 auf 6 nach oben.

Ob der VfB-Kader von 2010/11 ein vergleichbares Potenzial haben wird, ist allerdings mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Selten war der personelle Aderlass im Sommer so groß wie dieses Mal. Torhüter Jens Lehmann hat seine Karriere im stolzen Alter von 40 Jahren beendet, sein Nachfolger wird der eher unerfahrene Sven Ulreich. Mit Aleksandr Hleb, Roberto Hilbert und Ricardo Osorio haben weitere Stammkräfte den Verein verlassen. Nicht zu vergessen der Nacht-und-Nebel-Wechsel von Manager Horst Heldt nach Schalke, der durch Ex-VfB-Legende Fredi Bobic aufgefangen werden soll.

Am schwersten dürfte jedoch der Verlust von Sami Khedira wiegen. Zwar spült dessen Transfer zu Real Madrid geschätzte 14 Millionen Euro in die Vereinskasse, doch bislang wurde das Geld nicht wirklich in die Qualitätssteigerung des Kaders investiert. Zwar ist mit Christian Gentner ein Nationalspieler nach Stuttgart zurückgekehrt, und auch der nun fest verpflichtete Linksverteidiger Christian Molinaro hat seine Bundesligatauglichkeit mehr als nachgewiesen. Doch ob etwa der in Dortmund und Liverpool gescheiterte Philipp Degen die erhoffte Verstärkung für die rechte Abwehrseite ist, bleibt abzuwarten.

Problematisch kann es vor allem im Offensivbereich werden. In der Vorbereitung deutete sich im Mittelfeld ein Kreativvakuum an, und seit dem Abgang von Mario Gomez zu Bayern München vor einem Jahr ist noch immer kein idealer Sturmpartner für “Helmut“ Cacau gefunden.

Nicht zu vernachlässigen: Das Stadion wird nach wie vor umgebaut, hinter dem linken Tor (der Heimkurve) klafft noch eine Lücke. Stimmung geht so verloren.

Der VfB Stuttgart ist bekannt als Wundertüte, zudem waren die wenigsten VfB-Trainer in der Vergangenheit länger als eine Saison erfolgreich. Daher steht auch Coach Christian Gross vor einer Bewährungsprobe. Wenn sich die Mannschaft nicht noch bis Transferschluss in der Spitze verstärkt, könnte der VfB beim Kampf um die Europacup-Plätze das Nachsehen haben.


Hamburger SV


Der HSV unterhält seit Jahren einen Kader, der von den Namen (van Nistelrooy, Petric, Zé Roberto, Jansen, Trochowski etc.) und vom Etat her eigentlich jedes Jahr die Champions League erreichen müsste. Und in der Tat ist der HSV Jahr für Jahr nah dran, zum ersten Mal seit dem DFB-Pokalsieg 1987 wieder einen Titel zu erringen. Allerdings ist der Hamburger Kader auch seit Jahr und Tag sehr launisch und baut (vgl. Bayer Leverkusen) zum Saisonende hin erfahrungsgemäß ab.

Einer der Gründe, warum es beim HSV nicht so recht klappen will, liegt in der mangelnden Kontinuität auf der Trainerposition. Der letzte Trainer, der mit mehr als zwei Jahren im Amt für eine gewisse Kontinuität stand, war Thomas Doll (Herbst 2004 bis Anfang 2007). Seitdem hat es Huub Stevens und Martin Jol schnell wieder aus Hamburg weggezogen, Bruno Labbadia wurde bereits nach neun Monaten geschasst.

Jetzt soll es Armin Veh richten. Der Stuttgarter Meistertrainer von 2007 steht für einen gepflegten Kombinationsfußball, muss jedoch seit seinem wenig erfolgreichen Gastspiel in Wolfsburg um seinen Ruf kämpfen. Seine Verpflichtung sorgte bei den HSV-Fans denn auch nicht gerade für Jubelstürme.

Einen allzu großen Kredit hat auch der neue Sportchef Bastian Reinhardt nicht aufzuweisen. Der 34-jährige Ex-Spieler soll nun die Lücke füllen, die nach der Demission von Dietmar Beiersdorfer fast ein Jahr lang vakant war. Nicht zu vergessen das „Er kommt-Er kommt nicht-Spiel“ um Urs Siegenthaler auf dem Posten des sportlichen Leiters. Der Schweizer zog es letztlich vor, ganz beim DFB zu bleiben und dort seine Tätigkeit als Chefscout fortzusetzen.

Personell hat man trotz der verpassten Europapokal-Qualifikation noch einmal nachgelegt. Jerome Boateng ist der einzige Leistungsträger, der den Verein verlassen hat. Hinzugekommen ist Nationalverteidiger Heiko Westermann, der die Probleme in der Innenverteidigung lösen soll. Neu ist auch das 20-jährige Rechtsverteidigertalent Dennis Diekmeier. Von Absteiger Berlin kamen mit dem defensiven Mittelfeldspieler Gojko Kacar und Torhüter Jaroslav Drobny zwei Spieler, die sich trotz namhafter Konkurrenz auf ihrer Position (Zé Roberto und David Jarolim im Mittelfeld bzw. Frank Rost im Tor) durchaus Hoffnungen auf die Startelf machen können.

Gelingt es dem neuen Trainer Armin Veh, Ruhe in die Mannschaft zu bringen und das Team von seiner Fußballphilosophie zu überzeugen, dann sollte der HSV wieder ein ernsthaftes Wort um die Europapokalplätze mitreden können. Zumal in dieser Saison zum ersten Mal seit 2004 die Dreifachbelastung durch den internationalen Wettbewerb wegfällt.

VfL Wolfsburg


Der Deutsche Meister von 2009 will nach dem ernüchternden achten Platz der Vorsaison wieder angreifen. Dank des VW-Konzerns im Rücken hat der VfL nach wie vor keine finanziellen Sorgen. Wolfsburg konnte es sich sogar erlauben, Angebote im Bereich von 40 Millionen Euro für Torschützenkönig Edin Dzeko auszuschlagen. Der Bosnier bleibt trotzdem wechselwillig, ebenso wie sein bosnischer Nationalmannschaftskollege, VfL-Spielmacher Zvjezdan Misimovic. Hier könnte Konfliktpotenzial drohen.

Interessant wird auch, wie der neue Trainer Steve McClaren sich in der Bundesliga zurechtfinden wird. Als englischer Nationaltrainer 2007 nach der verpassten EM-Qualifikation noch vom Hof gejagt, konnte er sich in der Vorsaison rehabilitieren, indem er Twente Enschede zur niederländischen Meisterschaft führte. Sein größtes Problem dürfte die Sprachbarriere sein.

Ansonsten hat der VfL vor allem an seiner Problemzone, der Innenverteidigung, gearbeitet: Der Däne Simon Kjaer kam für rund 12 Millionen Euro vom US Palermo. Ihm zur Seite wird Nationalverteidiger Arne Friedrich stehen, den VfL-Manager Dieter Hoeneß für rund 2 Millionen Euro von seinem alten Arbeitgeber Hertha BSC loseisen konnte. Im Angriff haben sich die ohnehin schon offensivstarken “Wölfe“ zudem mit dem kroatischen Nationalstürmer Mario Mandzukic verstärkt.

Der VfL hat ohne Frage hohes Potenzial und müsste vom Kader her eigentlich um einen der ersten drei Plätze mitspielen können. Steve McClaren wäre allerdings nicht der erste ausländische Trainer, der Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Bundesliga hat. Giovanni Trapattoni (Bayern 1994/95) oder Nevio Scala (Dortmund 1997/98) etwa verpassten in ihrem ersten Jahr trotz gut besetzter Kader den Europapokal.

FSV Mainz 05


Die Mainzer waren eine der positiven Überraschungen der vergangenen Saison. Unter ihrem jungen, erst unmittelbar vor dem ersten Spieltag installierten Trainer Thomas Tuchel spielten die 05er vom Start weg einen ansehnlichen und erfolgreichen Fußball. Vor allem einem guten Start in die Saison und ihrer Heimstärke hatten die Mainzer es zu verdanken, dass sie zu keiner Phase der Saison etwas mit dem Abstieg zu tun hatten.

Doch was passiert, wenn die 05er in dieser Saison einmal auf den Abstiegsrängen stehen sollten? Die Mannschaft ist immer noch relativ jung, es könnte im Abstiegskampf an Erfahrung mangeln. Zudem wiegt der Ausfall von Keeper Heinz Müller (Kreuzbandriss) schwer.

Ein weiterer Faktor: In der Winterpause soll der Umzug vom Bruchweg-Stadion in die neue Coface-Arena (33.000 Plätze) vollzogen werden. Eine neue Arena ist zwar aus wirtschaftlichen Gründe heute fast schon ein Muss, doch nicht jeder Verein hat davon profitiert, aus seinem alten, engen Stadion in eine moderne Arena umzuziehen (s. Zweitligist Alemannia Aachen).

Es erscheint kaum vorstellbar, dass Mainz den neunten Platz des Vorjahres noch einmal wiederholen kann. Wenn der Verein jedoch in der Lage ist, seine Heimstärke ins neue Stadion transportieren und wenn die Mannschaft nicht in das berühmte Loch im zweiten Erstligajahr fällt, dann sollte der Klassenerhalt machbar sein – und zwar bereits vor dem letzten Spieltag.

Eintracht Frankfurt


Zwischen 1996 und 2005 auf dem besten Weg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, hat sich der Traditionsverein vom Main mittlerweile längst wieder in der Ersten Liga etabliert. Der Kader wird Jahr für Jahr punktuell verstärkt. Die Schritte, die die Eintracht nach oben macht, sind klein, aber kontinuierlich.

Der Kader ist ausgeglichen besetzt, ohne große Schwachpunkte. Zwar hat die Eintracht mit Halil Altintop, Theofanis Gekas und Ioannis Amanatidis gleich drei Spieler in ihren Reihen, die eigentlich das Potenzial für 10 und mehr Saisontore haben, aber aufgrund von Verletzungen oder Karriereknicken aktuell nicht auf ihrem Leistungszenit sind.

Im Großen und Ganzen ist die Eintracht ein klassischer Kandidat für die Plätze 9 bis 12: zu gut, um etwas mit dem Abstieg zu tun zu bekommen; aber eben auch zu schlecht besetzt, um Vereine vom Schlage eines VfB Stuttgart, Hamburger SV oder Borussia Dortmund in einer Saison hinter sich zu lassen. Und das wäre nötig, wenn man Richtung Europapokal schielen möchte.

TSG 1899 Hoffenheim


Im Winter 2008 haben vermutlich nicht wenige ihr Geld auf die TSG Hoffenheim als Deutscher Meister 2009 gesetzt. Doch auf ein überragendes erstes Halbjahr in der Bundesliga (inkl. Herbstmeisterschaft) folgten ein schwaches, ein mittelmäßiges und ein ganz schwaches Halbjahr. Mittlerweile ist der Zauber bei den Kraichgauern verflogen.

Das Bemerkenswerte: Die Mannschaft, mit der Hoffenheim von August bis Dezember 2008 Zauberfußball gespielt hatte, ist beinahe identisch mit der heutigen Truppe. Viele teure Spieler, die seitdem gekauft wurden, haben den Verein mittlerweile wieder verlassen (Hildebrand, Maicosuel, Zuculini, Wellington). Möglicherweise haben die Hoffenheimer daraus ihre Lehren gezogen und deswegen bis auf Torhüter Tom Starke keine Transfers für die erste Elf getätigt.

Die aktuelle Hoffenheimer Mannschaft hat zumindest das Potenzial für die oberen Ränge. Das hat sie ein halbes Jahr lang eindrucksvoll bewiesen. Doch seitdem wurde deutlich, dass einige Spieler lieber individuell als im Team glänzen wollten bzw. es bereits auf besser dotierte Verträge bei größeren Clubs abgesehen hatten (Carlos Eduardo, Demba Ba).

Gelingt es Ralf Rangnick, die mannschaftliche Geschlossenheit wieder herzustellen und das Feuer von 2008 wieder zu entfachen, dann kann die TSG in den Kampf um die Europapokal-Plätze eingreifen. Nach den Erkenntnissen der letzten Monate erscheint dagegen ein guter Mittelfeldplatz realistisch.

Borussia Mönchengladbach


Der fünfmalige Deutsche Meister geht mittlerweile in sein drittes Erstligajahr nach dem Wiederaufstieg 2008. Unter Trainer Michael Frontzeck scheint in der vergangenen Saison endlich Ruhe rund um den Borussia-Park eingekehrt zu sein. Nicht zuletzt dank einer torgefährlichen und defensiv mehr als soliden Innenverteidigung (Dante, Roel Brouwers) und der Tatsache, dass man den Verlust von Marko Marin durch Marco Reus beinahe 1:1 kompensieren konnte, konnte sich Gladbach ab Mitte der Hinrunde im gesicherten Mittelfeld einnisten.

In der Sommerpause gab es im Angriff, der Problemzone des letzten Jahres, den großen Umbruch: Roberto Colautti, Rob Friend und Oliver Neuville wurden durch Mo Idrissou und den “belgischen Brasilianer“ Igor de Camargo ersetzt. Letzterer gilt als großer Hoffnungsträger, verpasste jedoch fast die komplette Saisonvorbereitung.

Spielt die Mannschaft was sie kann, dann sollte sie einen ähnlichen Platz belegen können wie im Vorjahr. Für Gladbach gilt Ähnliches wie für Frankfurt: unter normalen Umständen zu gut für den Abstieg und zu schlecht für die oberen Plätze.


1.FC Köln


Im zweiten Jahr unter Trainer Zvonimir Soldo soll alles besser werden beim ersten Deutschen Bundesligameister. Die gut bezahlten “Stinkstiefel“ Maniche und Pierre Womé haben den Verein verlassen. Gegangen ist allerdings auch der Serbe Zoran Tosic, der in der vergangenen Rückrunde trotz gewisser Mängel im Defensivverhalten dank seiner Tore und Dribblings quasi die Lebensversicherung der Kölner war.

Hinzugekommen sind mit Ausnahme von Martin Lanig ausschließlich junge, bundesligaunerfahrene Spieler. Dieser Kurswechsel hat zweierlei Gründe: Einerseits hat man gemerkt, dass gealterte Weltstars nicht unbedingt besser, in jedem Fall aber teurer sind als talentierte Jungprofis. Zum anderen sitzt beim FC nicht zuletzt dank dieser teuren gealterten Stars (denen man allerdings auch bereitwillig hochdotierte Verträge gegeben hat) und wegen des Podolski-Transfers im letzten Sommer das Geld nicht mehr ganz so locker.

Sei es wie es sei, rund ums Geißbockheim soll 2010/11 jedenfalls ein anderer Wind wehen: Trainer Soldo, auf den sich der Boulevard bereits vor dem ersten Pflichtspiel der Saison eingeschossen hatte, soll dem Vernehmen nach eine höhere Akzeptanz in der Mannschaft genießen als noch im Vorjahr. Auch dank der Verjüngungskur sei zudem die Stimmung in der Truppe so gut wie lange nicht mehr. Das einzige, was jetzt also “nur“ noch besser werden muss, ist der Fußball. Insbesondere mehr Heimsiege und mehr Spielkontrolle stehen auf der Agenda der FC-Macher.

Hierzu beitragen soll ein Systemwechsel: Der FC setzt künftig auf ein 4-4-2 mit eher defensiv ausgerichteter Mittelfeldraute. Die Außenverteidiger sollen sich vermehrt in die Offensive einschalten, und Lukas Podolski soll endlich seinen Platz im Sturmzentrum oder hängend dahinter finden. Seine Zeiten im linken Mittelfeld sind vorbei (Böse Zungen behaupten gar, Podolski habe in der Vorsaison eher einen Offensivverteidiger gegeben).

Das Problem: Bereits vor dem ersten Spieltag droht sich der eine oder andere Neueinkauf als schlechter Griff zu entpuppen. Der für 200.000 Euro geholte Grieche Konstantinos Giannoulis etwa, der im Mai sogar noch ein Probetraining beim FC absolviert hat und dort scheinbar zu überzeugen wusste, ist derzeit so weit von der Startelf entfernt wie Lothar Matthäus von einer stabilen Beziehung. Und der für 2,5 Millionen Euro aus Bukarest losgeeiste 20-jährige Rumäne Alexandru Ionita braucht vermutlich noch Zeit. Er wird wohl nur als Stürmer Nummer vier die Saison gehen.

Doch ganz so schwarz malen muss man beim FC auch wieder nicht: Für eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte ist man individuell durchaus gut besetzt (Geromel, Mohamad, Petit, Podolski, Novakovic). Zudem machen die Leistungen der beiden Mittelfeldspieler Jajalo und Yalcin aus der Vorbereitung Mut, dass das Kreativvakuum gefüllt werden könnte.

Damit es etwas wird mit der erhofften sorgenfreien Saison, müssen vor allem die Stürmer Podolski und Novakovic lernen, miteinander zu spielen. Gelingt es dann noch, spielerisch einen Schritt nach vorne zu machen, sollten auch mehr Heimsiege drin sein als im Vorjahr (drei) – immer vorausgesetzt, man kommt gut in die Saison. Ansonsten könnte es beim FC schnell ungemütlich werden.

SC Freiburg


Schon der Freiburger Jahrhundert-Trainer Volker Finke wusste, dass die Erstligazugehörigkeit des SC ein Ablaufdatum hat. Auch unter seinem Nachfolger Robin Dutt ist jedes Erstligajahr ein Sahnehäubchen. Um sich dauerhaft im Oberhaus zu etablieren, bräuchte der Sportclub vermutlich ein modernes Fußballstadion, eine starke regionale Wirtschaft, die viel Geld in den Verein hineinpumpt, oder einen Mäzen à la Dietmar Hopp. All dies gibt es in Freiburg nicht und wird es wohl auch nie geben. Es würde einfach nicht zu diesem Verein passen.

Und so bleibt eben alles beim Alten. Der SC spielt gemessen an seinen Mitteln Jahr für Jahr einen recht ansehnlichen Fußball. Spielt sich jemand in den Vordergrund, ist er üblicherweise nicht zu halten. Im besten Falle kann man noch auf eine Ablösesumme hoffen, wie früher bei Jörg Heinrich, Sebastian Kehl oder Rodolfo Cardoso. In diesem Sommer verließ Top-Torjäger Mo Idrissou den Verein ablösefrei. In Innenverteidiger Ömer Toprak steht bereits der nächste Spieler auf dem Einkaufszettel finanzkräftigerer Erstligisten.

Auch das Schema bei den Neuzugängen hat sich in den letzten 10,15 Jahren nicht geändert: Entweder man verpflichtet Spieler, die es bei anderen Erstligisten nicht geschafft haben (in diesem Jahr Jan Rosenthal und Maximilian Nicu), Spieler von gehobenem Zweitliganiveau, die sich in Freiburg auf der Bühne Bundesliga präsentieren wollen oder Talente von Großclubs, die beim SCF Spielpraxis sammeln sollen (in diesem Jahr etwa Zvonko Pamic aus Leverkusen).

Angesichts dieser Rahmenbedingungen kann das Ziel wieder mal nur Klassenerhalt lauten. Das große Plus gegenüber der Konkurrenz ist die ruhige Hand in der sportlichen Leitung. Wo andere Vereinsbosse in der vergangenen Saison schnell hektisch wurden, schenkte man beim SCF Robin Dutt auch nach 12 sieglosen Spielen in Serie noch das Vertrauen. Es sollte sich auszahlen, bereits am 33. Spieltag wurde der Klassenerhalt gefeiert. Ob das noch einmal gelingt, ist fraglich. Freiburg zählt mit Sicherheit zu den großen vier, fünf Abstiegs-Kandidaten.

Hannover 96


Die Niedersachsen stehen mal wieder vor einem schweren Jahr. Seit 2002 ununterbrochen in der Ersten Liga mit dabei, kann von Europapokal-Ambitionen, wie sie noch vor zwei, drei Jahren gehegt wurden, längst keine Rede mehr sein. Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt in der vergangenen Saison (die nicht zuletzt wegen des Selbstmords von Torhüter und Kapitän Robert Enke eine ganz schwierige für den Verein war), hat 96-Trainer Mirko Slomka bereits vor dem ersten Spieltag der neuen Runde den Abstiegskampf ausgerufen.

Gleich mehrere Korsettstangen der letzten Saison sind weg. Die Leihspieler Elson und Koné gingen zurück nach Stuttgart bzw. Sevilla, und altgediente 96er, wie Stajner, Bruggink, Balitsch, Vinicius oder Rosenthal verließen den Verein.

Für sie kamen überwiegend Spieler, die den Kader wohl zunächst nur in der Breite verstärken werden (Stindl, Stoppelkamp, Miller oder Zieler). Einzig der aus Middlesbrough gekommene Innenverteidiger Emanuel Pogatetz (früher Leverkusen) und der portugiesische Offensiv-Allrounder Carlitos sind für die Startelf eingeplant.

Ansonsten tummeln sich im 96er Kader viele aktuelle oder ehemalige Nationalspieler ihrer Länder, die ihre besten Jahre hinter sich zu haben scheinen (Hanke, Schlaudraff, Forssell, Eggimann, Andreasen).

Angesichts der fast schon traditionell schwachen Vorbereitung und des qualitativ bestenfalls durchschnittlich besetzten Kaders droht Hannover erneut der Abstiegskampf. Nur wenn 96 die Euphorie und den Zusammenhalt der letzten Spiele aus 09/10 in die neue Saison transportieren kann und viele Spieler wieder an ihre besten Zeiten anknüpfen können, erscheint eine sorgenfreie Saison möglich.

1.FC Nürnberg


Hattricks sind eigentlich etwas Erstrebenswertes im Fußball. Wer möchte nicht drei Tore in einem Spiel erzielen? Es gibt aber auch Hattricks der anderen Art. Der 1. FC Nürnberg etwa würde nur zu gerne in dieser Saison den dritten Einzug in Serie in die Relegation vermeiden – was natürlich nicht bedeutet, dass der „Club“ den direkten Abstieg als Saisonziel ausgegeben hat. Nein, in diesem Jahr möchte sich die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking direkt retten.

Angesichts der gezeigten Leistungen über weite Strecken der vergangenen Rückrunde erscheint dies möglich. Immerhin hat man mehrfach den Großen der Liga ein Bein stellen können (u.a. 1:1 gegen Bayern, 3:2 gegen Leverkusen). Doch die mangelnde Konstanz verhinderte den vorzeitigen Klassenerhalt.

Viele (meist ausgeliehene) Leistungsträger haben den Verein verlassen, darunter Andreas Ottl, Marcel Risse oder Eric-Maxim Choupo-Moting. Verteidiger-Talent Dennis Diekmeier wurde während der Vorbereitung nach Hamburg abgegeben.

Verstärkt hat man sich im Gegenzug erneut mit einigen Leihspielern von Großclubs, denen der Sprung in die Startelf durchaus zuzutrauen ist: Mehmet Ekici vom FC Bayern wird ein großes Talent nachgesagt, und auch Julian Schieber vom VfB Stuttgart hat seine Qualitäten bereits angedeutet. Andreas Ottls Abgang könnte von dem Champions League-erfahrenen Belgier Timmy Simons (33/kommt vom PSV Eindhoven) aufgefangen werden. Wichtig war auch, dass Linksverteidiger Javier Pinola trotz besserer Angebote seinen Vertrag verlängert hat. Eine große Zukunft wird zudem Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan prophezeit. Vergleiche mit Mesut Özil machen bereits die Runde.

Alles in allem hat der FCN genug Qualität im Kader, um in diesem Jahr vorzeitig die Klasse zu halten – vorausgesetzt, der „Club“ erzielt mehr Tore als in letzten Saison. Damals stellte man mit 32 Toren den schwächsten “Angriff“ der Liga.

Nicht außer Acht zu lassen ist der Nürnberg-Faktor: Der Bundesliga-Rekordabsteiger (sieben Mal ging es schon in die Zweite Liga) ist seit jeher für eine negative Überraschung gut. 1969 vollbrachte man gar das “Kunststück“, als amtierender Deutscher Meister abzusteigen. Und 30 Jahre später verspielte man am letzten Spieltag drei Punkte und fünf Tore Vorsprung auf Eintracht Frankfurt.

1.FC Kaiserslautern


Nach vier Jahren Zweitklassigkeit ist der 1.FC Kaiserslautern zurück im Oberhaus. Dass dem Verein das gleiche Kunststück wie nach dem ersten Wiederaufstig in der Saison 1997/98 gelingen wird (Gewinn der Deutschen Meisterschaft), erscheint mehr als unwahrscheinlich. Für die junge Truppe von Trainer Marco Kurz (Durchschnittsalter 24,9) wird es vom Start weg nur um den Klassenerhalt gehen.

Diesen sollen insgesamt 14(!) Neuzugänge sicherstellen, vorwiegend Spieler von gehobenem Zweitliga-Niveau (Tiffert, Kirch) oder Reservisten aus Liga eins (Simunek, Moravek). Ob das genügen wird, um die Klasse zu halten, erscheint doch sehr fraglich. In der Vergangenheit hat es sich bei vielen Vereinen ausgezahlt, den Aufstiegskader nur punktuell in der Spitze zu verstärken. Genau das hat der FCK nicht getan. Stattdessen setzt man auf einen Konkurrenzkampf auf allen Positionen, wobei die Spieler aus der Aufstiegself jeweils mit einem leichten Vorsprung ins Rennen gehen sollten.

Will der FCK drin bleiben, dann muss zuallererst die beste Abwehr der Zweiten Liga um U21-Nationaltorhüter Tobias Sippel und die Innenverteidiger Martin Amedick und Rodnei zeigen, dass sie auch eine Liga höher mithalten kann. Im Angriff hat der FCK seinen besten Torschützen verloren, 15-Tore-Mann Erik Jendrisek wechselte ablösefrei zu Vizemeister Schalke. Und Sidney Sam, der vermutlich beste Mittelfeldspieler der letzten Zweitligasaison, spielt nun in Leverkusen.

Ein nie zu unterschätzender Faktor in Kaiserslautern ist das Publikum. Auf dem ausverkaufen Betzenberg wird sich die eine oder andere Mannschaft schwer tun. Außerdem ist die Euphorie bei den Fans zwei Jahre nach dem Fast-Abstieg in die Dritte Liga gigantisch.

Gelingt der Start und kann diese Euphorie über einen möglichst langen Zeitraum konserviert werden, dann erscheint trotz der vielen Fragezeichen um die Qualität der Mannschaft der Klassenerhalt möglich. Läuft es jedoch in den ersten Spielen nicht wie gewünscht oder lässt es die Mannschaft an Einsatzwillen vermissen, dann könnte sich das Publikum auch von Mannschaft und Vorstand abwenden und zu einem lähmenden Faktor werden. In einem solchen Fall wäre der Klassenerhalt ein Wunder.

FC St. Pauli


Die Parallelen zur Aufstiegsmannschaft von 2001 sind beim FC St. Pauli nicht zu leugnen. Wie damals, hatte der der Verein auch 2009/10 bei weitem nicht den besten Kader der Zweiten Liga und schaffte es trotzdem, vom Start weg oben mitzuspielen und am Ende sensationell aufzusteigen.

2001 beging man jedoch den Fehler, der Aufstiegstruppe 15 Neuzugänge vor die Nase zu setzen. Die Mannschaft verlor ihr Gesicht, stieg als Tabellenletzter sofort wieder ab und wurde schließlich sogar bis in die Dritte Liga durchgereicht. Aus dieser Erfahrung hat die sportliche Leitung um Helmut Schulte, André Trulsen und Trainer Holger Stanislawski, der damals als Spieler bei den Auf- und Abstiegen mit dabei war, ihre Schlüsse gezogen. In diesem Jahr hat man nur wenige Veränderungen vorgenommen. Mit dieser Personalpolitik ist St. Pauli ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Mitaufsteiger Kaiserslautern.

Fünf Neue wurden geholt, darunter Ex-Nationalstürmer Gerald Asamoah und das Schalker Innenverteidiger-Talent Carlos Zambrano. Der Peruaner ist im Übrigen der einzige Spieler im 29 Mann umfassenden Kader, der nicht über einen deutschen Pass verfügt. Das hat es in der Bundesliga seit dem Bosman-Urteil 1995 nicht mehr gegeben.

Dass St. Pauli trotzdem Abstiegskandidat Nummer eins ist, macht rund um das peu à peu erneuerte Millerntor-Stadion niemandem etwas aus. Die 1. Bundesliga ist für den kleineren der beiden Hamburger Proficlubs eben immer noch etwas Besonderes. Außerdem hat St. Pauli aus der Position des Underdogs schon mehrfach überrascht, zuletzt 1995/96, als man Vereine wie Kaiserslautern und Frankfurt hinter sich ließ und sensationell die Klasse halten konnte.

Typisch Pauli ist übrigens auch, dass der Verein den einzigen Halb-Profi der Liga beschäftigt. Mittelfeldspieler Fabian Boll verbringt die Hälfte des Tages beim Training, die andere auf dem Polizeirevier als Kriminalkommissar.

Wie bereits erwähnt, wird es für St. Pauli schwer werden die Klasse zu halten, aber nicht unmöglich. Als Vorbild könnte der FC Energie Cottbus dienen, dem nach den Aufstiegen 2000 und 2006 ähnlich geringe Chancen auf den Klassenerhalt eingeräumt wurden. Am Ende konnten sich die Cottbuser aufgrund ihrer Heimstärke aber jeweils drei Jahre im Oberhaus halten.

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