Wer hat’s erfunden? Elfmeterschießen im Fußball picture alliance

Wer hat’s erfunden? Elfmeterschießen im Fußball

  • Marco Heibel
Bayern-Trainer Louis van Gaal hat vor Kurzem für einiges Aufsehen gesorgt mit der Idee, den Fußball grundlegend zu verändern. Die Abschaffung des Elfmeterschießens war dabei nur eine der Anregungen des Holländers. Doch wessen Idee war überhaupt die Einführung dieses ultimativen Nervenkitzels?

Als Bestrafung für ein Foul bzw. ein Handspiel im Strafraum gibt es den Elfmeter bereits seit 1891. Doch erst 1971 wurde das heute so vertraut erscheinende Elfmeterschießen eingeführt, um K.O.-Spiele in absehbarer Zeit zu entscheiden. Knapp 40 Jahre später fordert nun (ausgerechnet) ein Niederländer seine Abschaffung. Da darf man sich doch mal die Frage stellen, wo das Elfmeterschießen überhaupt herkommt.

Vor dem Elfmeterschießen: Spielen bis es einen Sieger gibt


Der Fußball ist heute mit Sicherheit körperlich so fordernd wie nie zuvor. Und doch muss man den Hut vor früheren Generationen ziehen, wenn man bedenkt, dass zum einen erst ab 1967 ein- und ausgewechselt werden durfte, und zum anderen früher bei einem Unentschieden nach regulärer Spielzeit so lange gespielt wurde, bis ein Tor fiel.



Als Beispiel sei das WM-Viertelfinale 1934 zwischen Gastgeber Italien und Spanien genannt. Am 31. Mai trennten sich beide Mannschaften nach Verlängerung mit 1:1. Bereits einen Tag später standen sie sich zum Wiederholungsspiel gegenüber. Italien gewann in regulärer Spielzeit mit 1:0. Insgesamt waren also 210 Minuten waren nötig, um einen Sieger zu ermitteln. Und es hätten noch mehr werden können: Wenn auch das erste Wiederholungsspiel remis ausgegangen wäre, hätte es ein zweites Wiederholungsspiel gegeben. Man hätte schlicht und einfach gespielt, bis eine Mannschaft gewonnen hätte.

Fußball: Münzwurf gerechter als Elfmeterschießen?


Um auszuschließen, dass eine mögliche Flut von Wiederholungsspielen den Terminplan eines Wettbewerbs ins Wanken bringt, beschlossen u.a. die FIFA und die UEFA, im Falle eines unentschieden endenden Wiederholungsspiels das Glück entscheiden zu lassen. So wurde der Münzwurf durch den Schiedsrichter eingeführt, der beiden Mannschaften eine statistische 50:50-Chance einräumte. Und auch wenn so mancher Trainer oder Spieler nach einer Pleite im Elfmeterschießen heute gerne anführt, dass dieser Shoot-out vom Punkt nichts mit Gerechtigkeit zu tun habe, so trifft dieses Urteil mit Sicherheit noch mehr auf den Münzwurf zu.

So kam es in der Geschichte denn auch zu einigen dramatischen Entscheidungen: Im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister 1964/65 zwischen dem FC Liverpool und dem 1. FC Köln etwa endeten sowohl das Hin- als auch das Rückspiel mit 0:0. Im dadurch fällig gewordenen Wiederholungsspiel auf neutralem Platz stand es nach 120 Minuten 2:2. Die Münze musste die Entscheidung bringen. Doch zunächst schien es, als wollte sie gegen diese Ungerechtigkeit aufbegehren: Nach dem Wurf des Schiedsrichters blieb sie senkrecht im Rasen stecken. Erst in der Wiederholung fiel die Münze (und somit die Entscheidung) dann zu Gunsten des FC Liverpool.

Bei der Europameisterschaft 1968 entschied die Münze sogar über den Finaleinzug: Nach 120 torlosen Minuten im Halbfinale zwischen Italien und der Sowjetunion entschied Fortuna zu Gunsten der Südeuropäer. Spätestens hier musste jedem klar werden, dass man dem Fußball auf diese Weise einen riesigen Schaden zufügt. Wer kann sich schon über einen Sieg freuen, wenn allein der Zufall entscheidet?

Elfmeterschießen: Ein Schiedsrichter greift spielentscheidend ein


Doch kein Spieler oder Trainer kam letzten Endes auf die Idee, das Elfmeterschießen einzuführen. Vielmehr kam der Vorschlag von einem ehemaligen Schiedsrichter, dem Frankfurter Karl Wald. Dieser legte auf dem Bayerischen Verbandstag 1970 seine bereits komplett ausgearbeitete Idee vor – und traf auf überraschend große Zustimmung bei den Oberen. Schließlich hatte man so zumindest eine sportliche Lösung geschaffen und zugleich einen Weg, ein Spiel in absehbarer Zeit zu entscheiden.

Der DFB übernahm 1971 als erster Verband die Idee, den Elfmeter zu „zweckentfremden“. UEFA und FIFA folgten bereits wenig später. Wiederholungsspiele gehörten von nun an der Vergangenheit an. Stand es nun in einem K.O.-Spiel nach 120 Minuten unentschieden, musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Lediglich der eine oder andere nationale Verband schloss sich diesem Modus bis heute nicht zu 100 Prozent an. So wird im englischen FA-Cup, dem ältesten und traditionsreichsten Fußballwettbewerb der Welt, bei einem Remis nach 120 Minuten immer noch ein Wiederholungsspiel angesetzt. Erst wenn auch dieses nach einer Verlängerung noch unentschieden stehen sollte, wird zum Elfmeterschießen gegriffen.

Ein Plädoyer für das Elfmeterschießen


Im Übrigen hat nicht nur ein Deutscher das Elfmeterschießen erfunden; ein Deutscher war auch der erste, der im Rahmen eines wichtigen Elfmeterschießens Nerven gezeigt hat: Uli Hoeneß drosch den Ball im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei in den Belgrader Nachthimmel und sorgte so für eine Vorentscheidung zu Ungunsten seines Teams.

Immerhin hat Deutschland seit jenem Abend kein wichtiges Elfmeterschießen mehr verloren. Auch Uli Hoeneß wird mittlerweile über jenen Fehlschuss hinweg gekommen sein. Und seien wir mal ehrlich: Gibt es im Fußball etwas Spannenderes und Nerven aufreibenderes als ein Elfmeterschießen? Selbst wenn das Spiel noch so schwach war, besteht dank des Elfmeterschießens immer noch die Chance, dass es trotzdem ein Fall für die Geschichtsbücher wird. Der einzige Makel des Elfmeterschießens ist halt nur, dass zwangsläufig jemand versagen muss. Aber besser so, als noch einmal eine Münze entscheiden zu lassen.

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