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Modell für zukünftige Sportevents!?

  • Redaktion
Zunehmend mehr Sportgroßveranstaltungen werden durch mehrere Länder ausgerichtet, wie kürzlich die Handball-WM der Männer.
Bei der ersten gemeinsamen Handball-Weltmeisterschaft der Männer haben Däne-mark und Deutschland organisatorisch vieles richtig gemacht. Die Befragten einer Zuschauer*innenumfrage in Herning und Köln waren sich überwiegend einig, dass beide Länder viele Gemeinsamkeiten für die Austragung des Sportevents aufweisen, auch wenn einem Teil gar nicht bewusst war, dass beide Länder zusammen die WM ausrichten. Die Wahrnehmung als ein Event ist jedoch, neben dem sportlichen Erfolg der ausrichtenden Nationen, ein zentraler Erfolgsfaktor, vor allem für gesellschaftliche Wirkungen.

Die gemeinsame Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen durch mehrere Länder – auch als Co-Hosting bezeichnet – ist eine Entwicklung, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat, auch in den nächsten Jahren wird die Anzahl von co-hosted Sportevents weiter steigen. Aus diesem Grund wurden im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts während der Handball-WM 2019 die Zuschauer*innen der Hauptrundenspiele in Herning (Dänemark) und Köln befragt. Erste Ergebnisse einer Teilauswertung liefern interessante Einsichten zum Phänomen Co-Hosting von Sportevents.

Die Befragten in beiden Ländern nehmen es als besonders passend wahr, dass Dänemark und Deutschland die WM zusammen ausrichten. Einem Teil der Befragten in beiden Ländern war jedoch gar nicht bewusst, dass die Handball WM durch zwei Länder ausgetragen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung als ein gemeinsames Sportevent in Dänemark (63%) deutlich stärker ausgeprägt ist als in Deutschland (45%). In einer vorherigen Studie wurde die Wahrnehmung als eine Sportgroßveranstaltung als wichtige Voraussetzung für den Erfolg von co-hosted Sportevents und daraus resultierender gesellschaftlicher Wirkungen identifiziert.

Eine zweite wesentliche Voraussetzung ist der sportliche Erfolg der ausrichtenden Nationen. In beiden Ländern wird das sportliche Abschneiden der eigenen Nationalmannschaft als erfolgreich (DK: 6,7 | D: 6,3) und das sportliche Abschneiden des anderen Ausrichters positiv (DK: 5,4 | D: 5,9) bewertet. Deutlich differenzierter werden die Wirkungen des sportlichen Erfolgs in beiden Ländern gesehen. Die Befragten in Dänemark verbinden mit dem sportlichen Auftreten ihrer Nationalmannschaft eine erhöhte nationale Identität (6,0) und eine Demonstration des Nationalstolzes international (6,3), die arithmetischen Mittelwerte auf einer 7er Skala weisen für Deutschland mit 4,9 bzw. 4,8 deutlich geringere Werte auf.

In Bezug auf den Nutzen von gemeinsam ausgerichteten Sportevents unterscheiden sich die dänischen Befragten von den deutschen nur geringfügig. In beiden Ländern zeigen sich hohe Zustimmungswerte dafür, dass die gemeinsame Ausrichtung der Handball WM 2019 ein wunderbares Beispiel für gelebte europäische Zusammenarbeit ist und belegt, dass Sportgroßveranstaltungen nachhaltig umgesetzt werden können. Mögliche Negativeffekte, wie höhere Kosten, verstärkte Rivalität zwischen den beiden ausrichten Nationen oder verminderter Stolz über die Ausrichtung der Sportgroßveranstaltung im Vergleich zur alleinigen Ausrichtung, wurden verneint. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass in beiden Ländern eine hohe Unterstützungsbereitschaft für das Event vorliegt.

„Die Handball WM 2019 ist ohne Zweifel ein gutes Beispiel dafür, dass Sportgroßveranstaltungen als Co-Hosting nachhaltig und mit hoher gesellschaftlichen Akzeptanz umgesetzt werden können“, lautet das erste Fazit von Projektleiter Dr. Stefan Walzel. „Die Kosten und die Risiken für die Ausrichtung werden zwischen den Ausrichtern verteilt, die bestehende Sportinfrastruktur in beiden Ländern wurde sinnvoll genutzt, und durch zwei Heimmannschaften sind die Arenen bei fast allen Spielen gut gefüllt. Dies spiegelt sich u.a. auch in den Zuschauerrekorden und Ticketeinnahmen wider. Das Co-Hosting entwickelt sich somit immer mehr zu einer sinnvollen und nachhaltigen Alternative im Vergleich zur Alleinausrichtung von Sportgroßveranstaltungen. Zukünftige Ausrichter von co-hosted Sportevents sollten jedoch das Potential für gesellschaftliche Wirkungen über Ländergrenzen hinweg nutzen und proaktiv gemeinsame Maßnahmen planen und umsetzen.“

Die Befragung wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts von Sportmanagementstudierenden der Deutschen Sporthochschule Köln unter Leitung von Dr. Stefan Walzel und mit Unterstützung von Manuel Eickhoff durchgeführt.

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