Leichtathletik-WM 2013 – Das war Moskau 2013 getty images

Leichtathletik-WM 2013 – Das war Moskau 2013

  • Nils Borgstedt
Die Leichtathletik-WM 2013 ist seit gestern Geschichte. netzathleten.de blickt auf die vergangenen 14 Tage zurück. Gold, Bolt und das Gesetz – das hat die Sportwelt die letzten zwei Wochen beschäftigt.

In Moskau sind gestern die 14. Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu Ende gegangen. Es gab Höhen und Tiefen, kuriose Szenen und Überraschungen. Zufrieden können die Veranstalter insgesamt nicht sein.

Schlechte Stimmung und Organisation

Leere Ränge, schwacher Applaus, kaum Stimmung – das ist nicht das, was man sich bei einer WM erhofft und erwartet. Weder als Fan noch als Athlet. „Wenn man das mit dem Meeting vor zwei Wochen in London vergleicht oder mit den Olympischen Spielen, ist das echt traurig", sagte Stabhochspringer Björn Otto, der Bronze holte, dem Spiegel: „Sonst schreien einen die Zuschauer über die Latte, hier war gerade mal unsere Kurve zur Hälfte besetzt."

Dass auch die Organisation nicht einwandfrei lief, auch hier waren Zuschauer und Aktive gleichermaßen betroffen, wirft einen Schatten auf Russland als Gastgeber von sportlichen Großevents. Sprachprobleme und fehlende Logistik waren die größten Ärgernisse im und um das Luschniki-Stadion. Als nächste Großereignisse stehen die Olympischen Spiele in Sotschi und 2018 die Fußball-Weltmeisterschaft an. Man darf gespannt sein auf deren Verlauf.

Homosexuellengesetz

In diese etwas verkrampfte Stimmung passt es, dass das im Juni verabschiedete und äußerst umstrittene Homosexuellengesetz ebenfalls die Öffentlichkeit beschäftigte und nach wie vor Thema ist. Das Gesetz, das die „Propaganda nichttraditioneller sexueller Beziehungen vor Kindern“ verbietet, ist eine deutliche Beschneidung der Menschenrechte. Die schwedische Hochspringerin Emma Green-Tregaro protestierte dagegen, indem sie sich die Fingernägel in Regenbogenfarben lackierte und damit ihre Sympathie mit der Homosexuellen-Bewegung zum Ausdruck brachte. Die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa hingegen verteidigte das Gesetz vehement und sorgte damit für zusätzlichen Zündstoff. Nach großen Protesten, insbesondere der westlichen Medien, gab sie an, sie sei missverstanden worden und ruderte zurück. Verwirrend war vor allem auch die Reaktion des Verbandes auf Green-Tregargos Fingernägel. Sie seien ein Regelverstoß, hieß es. Fragwürdig.

Der amerikanische Läufer Nick Symmonds kritisierte das Gesetz ebenfalls und widmete seine Silbermedaille über 800m seinen schwulen und lesbischen Freunden. Eine weitere Protestaktion, die für Aufsehen sorgte, ereignete sich am Sonntag. Die russische 4x400m Staffel drückte sich bei der Siegerehrung gegenseitig Küsschen auf. Kseniya Ryzhova und Yuliya Gushchina küssten sich auf den Mund. Nichts außergewöhnliches, aber mit Blick auf das Gesetz eine mutige Aktion der Athletinnen. Respekt. (UPDATE: Kuss war kein Putin-Protest)

Das Thema beschäftigt selbstverständlich auch das IOC, denn bis zu den Spielen in Sotschi ist es nicht mehr lange hin (07.-23.02.1014). Und die Diskussion wird weitergehen. Nach Peking 2008 ist es dann wohl wieder soweit, dass die Menschenrechte in einem Gastgeberland der Olympischen Spiele offensichtlich mit Füßen getreten werden. Dass Wladimir Putin und seine Regierung dem öffentlichen Druck nachgeben, darf getrost bezweifelt werden.

Sportliche Highlights

Sport wurde natürlich bei dieser WM auch gemacht. Und das sehr erfolgreich. Die, größte Leichtathletik-WM der Geschichte brachte Weltmeister in 47 Disziplinen. Viermal standen dabei deutsche Athleten ganz oben auf dem Treppchen. Vier Goldmedaillen für deutsche Athleten (Philipp Holzdeppe, Robert Harting, Christina Obergföll, David Storl) – so viele hatte der Deutsche Leichtathletikverband seit 1999 nicht mehr erreicht. Dazu kommen zwei Silbermedaillen (Christina Schwanitz, Michael Schrader) und eine Bronzemedaille (Björn Otto). Enttäuschungen gab es auch auf deutscher Seite. Betty Heidler, als Mitfavoritin im Hammerwerfen gestartet, schied bereits in der Qualifikation aus. Der Europameister und Weltjahresbeste im Zehnkampf, Pascal Behrenbruch, wurde nur Elfter. Außerdem hatte Silke Spiegelburg erneut zu knabbern. Nach einem starken Wettkampf reichte der Stabhochspringerin ihre Saisonbestleistung zu einem guten vierten Platz. Zum fünften Mal schrammte sie damit jedoch an den Medaillenrängen vorbei.

Usain Bolt hat sich zum erfolgreichsten Leichtathleten der WM-Geschichte aufgeschwungen. Der jamaikanische Weltrekordler gewann in Moskau über 100m und 200m sowie mit der 4x100m Staffel jeweils Gold. Damit hat Bolt mit zehn WM-Medaillen den Amerikaner Carl Lewis abgelöst. Zwar haben beide insgesamt zehn Medaillen, davon acht Goldene, Bolt allerdings hat eine Silberne mehr. Und auch bei den Damen hat eine Athletin den Sprint dominiert. Bolts Landsfrau Shelly-Ann Fraser-Pryce konnte ebenfalls dreimal triumphieren.

Überraschungen

Für eine Überraschung sorgte die amerikanische Hürdensprinterin Brianna Rollins (21). In ihrem ersten Profijahr wurde sie direkt Weltmeisterin über 100m Hürden. Im Dreisprung holte die Kolumbianerin Caterina Ibargüen den Weltmeistertitel und schrieb damit Geschichte: Es war die erste WM-Goldmedaille für Kolumbien.

Die Leichtathleten scheinen gut gerüstet für die kommenden Jahre. Gastgeber Russland hingegen muss für das nächste Ereignis im Riesenreich, die Winterspiele in Sotschi, seine Lehren aus der Leichtathletik-WM ziehen und einiges in puncto Organisation und Menschenrechte verbessern. Nur dann werden am Ende alle zufrieden sein – Zuschauer und Athleten.

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