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Horseball – Handball und Basketball zu Pferd

  • Stefan Schnürle
Wer Reiten sowie die Ballsportarten Handball und Basketball mag, wird Horseball lieben. Jeweils vier Reiter bilden zwei Teams, die versuchen, den Spielball in den generischen Korb zu werfen. Auch wenn der Name es vermuten lässt, ist die Sportart nicht in England, sondern in Frankreich entstanden.

Horseball entstand aus der südamerikanischen Reitsportart Pato, die mit dem Polo verwandt ist, und traditionellen orientalischen Reiterspielen früherer Jahrhunderte. Im arabischen Raum musste einst ein mit Steinen gefülltes Lammfell in einen markierten Kreis abgelegt werden. Im 20. Jahrhundert wurden die Reitsportarten mit Ball schließlich auch in Europa bekannt.

Neben gutem reiterlichem Können sind eine gewisse Akrobatik und schnelle Reaktionen hilfreich, um Horseball erfolgreich zu bestreiten. Ein bisschen Mut kann zudem nicht schaden, wenn man als Reiter den Ball kopfüber nach unten hängend im Galopp versucht aufzunehmen.

Die Geschichte des Horseball


1978 wurde das erste französische Championat organisiert. In den nächsten Jahren fand man in England, Italien, Spanien, Portugal, Österreich und Belgien ebenfalls Gefallen an dem rasanten Pferdesport.

Seit 1992 wird Horseball auch in Deutschland gespielt. Heute gibt es Teams unter anderem in Wiesbaden, Aachen, Hagen, Essen, Düsseldorf und Mainz. Mit dem „Deutschen Horseball-Verband“ gibt es auch eine eigene Dachorganisation.

Das ist jedoch kein Vergleich zu Frankreich. Dort hat der Reitsport mittlerweile etwa 5000 Aktive, deren Mannschaften in fünf Ligen gegeneinander antreten. Kein Wunder, dass die Franzosen bei Europa- und Weltmeisterschaften bisher nicht zu bezwingen waren.

Die erste Weltmeisterschaft fand 2006 in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires statt. Wie im Reitsport (Voltigierbereich ausgenommen) üblich, werden die Welt- und Europameisterschaften in gemischten Teams ausgetragen. Die Damen haben zusätzlich bereits fünfmal eine eigene Europameisterschaft veranstaltet.

Horseball: Die Regeln


Zweimal zehn Minuten beträgt die Spieldauer beim Horseball. In dieser Zeit versuchen die vier Feldspieler eines Teams mehr Körbe als der Gegner zu erzielen. Beide Teams haben noch zwei Auswechselspieler zur Verfügung, die nach erfolgtem fliegendem Wechsel ins Spielgeschehen eingreifen können. Anders als im Polo werden die Pferde jedoch nicht gewechselt.

Der einem Fußball ähnelnde Ball ist zum besseren Greifen für die Reiter mit sechs Lederschlaufen versehen. Um einen Punktgewinn zu verbuchen, werfen die Reiter den Ball durch einen in 3,5 Meter Höhe senkrecht hängenden Ring. Der kreisrunde Korb hat dabei einen Durchmesser von einem Meter.

Um einen gültigen Punkt zu erzielen, muss der Ball von mindestens drei Spielern des eigenen Teams berührt worden sein, ohne dass ein Gegner zwischenzeitlich an den Ball kam. Zudem darf kein Spieler den Ball länger als zehn Sekunden halten.
Das Spielfeld ist zwischen 60 und 75 Meter lang und 20 bis 30 Meter breit. Vorgeschriebenes Mindestalter für die eingesetzten Pferde ist vier Jahre.



Eine entscheidende Rolle im Horseball kann die Pferdegröße spielen. Wer auf ein großes Pferd setzt, hat beim Korbwurf sicher Vorteile. Dafür gestaltet sich das Aufheben des Balls vom Boden erheblich schwieriger als mit einem kleinen Pferd.

Horseball für Pferde relativ ungefährlich


Vom Pferd abzusteigen ist nämlich verboten und auch ein Wechsel in einem langsameren Gang, um den Ball aufzunehmen, ist nicht erlaubt. Ein spezieller Sattel soll das Herunterrutschen der Reiter verhindern, die ihre akrobatische Einlage meistens im Galopp durchführen.

Um das Risiko eines Sturzes zu minimieren, darf allerdings immer nur ein Reiter die Ballaufnahme innerhalb eines Umkreises von 5 Metern um den Ball versuchen. Welche Mannschaft das Zugriffsrecht erhält, bestimmen spezielle Prioritätsregeln.

Komplett körperlos ist der Sport aber keineswegs. Um in Ballbesitz zu gelangen, kann ein Spieler den ballführenden Reiter zum Beispiel abdrängen oder ihm den Ball mit einer Hand entreißen.

Im Vergleich zu Polo ist Horseball ein für die Pferde relativ ungefährlicher Sport. Nicht selten kommt es vor, dass Pferde, die sich nicht in einer ausreichenden Verfassung befinden, durch den Schiedsrichter oder Veranstalter vom Spiel ausgeschlossen werden. Außerdem sind die Pferdebeine zum besseren Schutz dick bandagiert und mit Sprunglocken versehen.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Homepage des „Deutschen Horseball-Verbandes“.

Bildquelle im Text: getty images

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