Die Popperwelle ist zurück picture alliance

Die Popperwelle ist zurück

  • Marco Heibel
In den 1980er Jahren trugen die Fußball-Profis der Bundesliga fast geschlossen die Vokuhila-„Frisur“. Auch auf den Oberlippenbart wollte damals kaum ein Profi verzichten. Erstaunlicherweise sah man die damals ebenfalls angesagte „Popperwelle“ sehr viel seltener auf den Häuptern der Akteure. Das wird in diesen Tagen nachgeholt.

Einige Menschen horten in den entlegensten Ecken ihres Kleiderschranks ausrangierte Klamotten von Mutti und Vati. Das muss nicht zwangsläufig etwas mit einer ausgeprägten Messie-Veranlagung zu tun haben. Vielmehr wissen diese Menschen, dass alles wiederkommt, was einmal modern war. Und falls nicht, dann kann man die Klamotte immer noch auf einer Bad Taste-Party oder an Karneval auftragen.

Return of the Popperwelle


Bei Frisuren ist die Lage etwas anders geartet: Hier muss man nichts sammeln – zumindest nicht, sofern man noch über sprießendes Haupthaar verfügt. Vielmehr ist ein Haarschnitt eine bewusste Entscheidung. Und unsere modebewussten Jungmillionäre aus der Bundesliga entscheiden sich in diesen Tagen immer häufiger für die Popperwelle.

Vorreiter Mario Gomez


Pionier in dieser Hinsicht ist Nationalspieler, Bundesliga-Torschützenkönig und Hobby-Model („Hugo Boss“) Mario Gomez, der vor knapp einem Jahr für einiges Aufsehen mit seiner neuen Frisur sorgte. Doch der Erfolg gab Gomez Recht: Seit die nach hinten gegelte Latino-Matte dem Popper-Schnitt weichen musste, trifft der Modellathlet (Zitat Ex-Bayern-Trainer Louis van Gaal: „Ich habe einen Körper wie ein Gott, aber nicht wie Mario Gomez”), wie er will. In der vergangenen Saison netzte Gomez 28 Mal ein, in der laufenden Spielzeit steht er neun Runden vor Schluss bei 21 Treffern. Ob hier ein zwingender Kausalzusammenhang besteht, lässt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen. Fakt ist aber, dass immer mehr Bundesliga-Profis dem Bayern-Stürmer frisurentechnisch nacheifern.

Ein Trend findet Nachahmer


Besonders hervorzuheben ist in dieser Hinsicht das Vater-Sohn-Gespann Patrick und Mitchell-Elijah Weiser. Beim 1.FC Köln stehen beide als Co-Trainer bzw. Jungprofi zwar nur in der zweiten Reihe; mit ihren Frisuren sind sie aber in modischer Hinsicht Ton angebend in einem Kader mit vielen naturgegebenen Glatzenträgern (u.a. Cheftrainer Stale Solbakken, Miso Brecko) und Kurzhaarschnittvertretern aus Überzeugung (u.a. Lukas Podolski).

Auch Nürnbergs Sturm-Entdeckung Alexander Esswein (s. Foto links) wandelt frisurentechnisch auf Gomez‘ Spuren. In der laufenden Saison hat es der 21-jährige damit immerhin auf 4 Tore und 2 Vorlagen gebracht. Die längste und gepflegteste Popperwelle der Liga trägt aber Wolfsburgs Nachwuchsstürmer Sebastian Polter. Der „Poltergeist“, wie er vom Boulevard nach seinem ersten Bundesligator getauft wurde, steht derzeit allerdings in der Autostadt auf dem Abstellgleis.

Abkehr schon wieder eingeläutet?


Einer hat den Absprung übrigens schon wieder geschafft: Schalkes Jung-Nationalspieler Lewis Holtby lief auch eine Zeit lang im Popper-Look auf. Vor Kurzem hat er allerdings den Kahlschlag vollzogen und kommt nun wieder in einem pflegeleichten Carsten-Jancker-Gedächtnis-Haarschnitt daher.

Wann kommt wasserstoffblond zurück?


Mit der Haarmode in der Bundesliga ist das eh so eine Sache: Erst gab es den braven Seitenscheitel in den 1960ern, dann die Langhaarmatte mit Koteletten bis zum Hals in den 1970ern, in den 1980ern schließlich die schon beschriebene Vokuhila- und Oliba-Mode. Man darf gespannt sein, was davon als nächstes wiederkommt. Wer weiß, vielleicht fängt die Liga ja bald wieder an, sich die Haare wasserstoffblond zu färben, wie in den späten 1990ern. Vorreiter damals war mit Thomas Strunz übrigens ebenfalls ein Bayern- und Nationalspieler. Auf die Spitze getrieben hat es seinerzeit aber die Nationalmannschaft Rumäniens. Die lief im letzten Gruppenspiel der WM 1998 geschlossen in wasserstoffblond auf (nur der glatzköpfige Keeper Bogdan Stelea „widersetzte“ sich). Das Team feierte auf diese Weise den Einzug ins Achtelfinale. Aber mal ehrlich, das kann man auch geschmackvoller tun, oder…?

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