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Manuelle Therapie

Vorgestellt: Das Mulligan Konzept

Manuelle Therapie nach Mulligan ist eine Möglichkeit, Patienten schmerzfreie Bewegung zu ermöglichen. Langfristig. Johannes Bessler, einer der führenden Köpfe in Deutschland in puncto Mulligan, erklärt im Interview, was dahintersteckt.
In der manuellen Therapie gibt es drei große Strömungen, die so genannten drei Ms: Maitland, McKenzie und Mulligan. Letzteres haben die beiden Physiotherapeuten Johannes Bessler und Dr. Claus Beyerlein auf dem 3. Jahrestreffen der OS Coaches in München vorgestellt. Wir haben nachgefragt, was hinter dem Mulligan Konzept steckt.

netzathleten.de: Was ist das Besondere am Mulligan Konzept?
Johannes Bessler: Das Alleinstellungsmerkmal des Mulligan Konzepts ist eigentlich die Kombination aus traditioneller, manueller Therapie und gleichzeitiger Bewegung des Patienten. Der Patient führt also die Bewegung aus, die er nicht kann, und wir Therapeuten versuchen, durch die passive Mobilisierung diese schmerzfrei zu ermöglichen.

netzathleten.de: Und welche Überlegungen stecken dahinter?
Johannes Bessler: Mitte der 80er Jahre hat der neuseeländische Manualtherapeut Brian Mulligan eine Basketballspielerin mit einem verletzen, geschwollenen Finger behandelt. Mit den klassischen manuellen Techniken ist er nicht weitergekommen. Also hat er Verschiedenes ausprobiert. Dabei hat er gemerkt, dass der Finger schmerzfrei bewegt werden konnte, wenn er während der Bewegung die Fingergelenke passiv mobilisierte. Mulligan ist somit im Grunde durch Probieren und Scheitern eher zufällig auf diesen Ansatz gekommen.

netzathleten.de: Und wann ist eine Behandlung nach Mulligan sinnvoll?
Johannes Bessler: Die Hauptindikation für eine Behandlung nach Mulligan sind mechanische Probleme. Bei solchen wirkt das Konzept in der Regel sehr gut und sehr schnell. Bei nicht-mechanischen Problemen wie Entzündungen oder auch bei Frakturen wirkt es nicht und es wird entsprechend nicht angewandt. Aber das bekomme ich als Therapeut relativ schnell heraus, denn ich merke ja, ob eine Verbesserung erkennbar wird oder nicht. Falls nicht, muss ich eben etwas anderes ausprobieren.

netzathleten.de: Heißt also auch, eine Behandlung nach Mulligan ist nur ein Werkzeug im Werkzeugkasten des Therapeuten?
Johannes Bessler: Genau. Das MWM, Mobilisation with Movement, ist eingebettet in eine normale Befundung, also Anamnese und Untersuchung. Aber man kann die Mulligan-MWM sehr gut zur Differentialdiagnose nutzen. Wenn ein Patient ein Bewegungsproblem hat, dann probiere ich sofort aus, ob ich einen Einfluss darauf haben kann. Und schon bin ich mitten in der Behandlung. Aber es ist, wie gesagt, in den ganz normalen Behandlungsablauf eingebaut. Und Studien zeigen, dass die Kombination von Mulligan und klassischen Übungen noch langwirkender ist, als eine der Behandlungsmethoden der manuellen Therapie für sich genommen.

netzathleten.de: Welche Rolle spielt der Patient selbst bei der Behandlung?
Johannes Bessler: Eine ganz entscheidende. Die Selbstbehandlung mittels Tape und Übungen ist ein zentraler Bestandteil einer Behandlung mit Mulligan. Das Langzeitziel ist, dem Körper korrekte Haltungen zu vermitteln, welche er adaptiert, sodass schließlich schmerzfreie Bewegung möglich wird.

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