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Sport auch bei COPD

Auf den ersten Blick scheinen Sport und Atemwegserkrankung nicht zusammenzupassen. Sie tun es aber doch. Hier erklären wir, warum.
Schonung galt viele Jahre lang als das Mittel der Wahl, wenn es darum ging, COPD-Patienten ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Man ging davon aus, dass alles getan werden müsse, um die ohnehin schon geschwächte Lunge nicht weiter zu strapazieren.

Doch seit einiger Zeit ändert sich diese Sicht der Dinge. „Wir lernen immer mehr, dass Bewegung auch für Lungenkranke wichtig ist, um mit besserer Lebensqualität leben zu können und auch, um die Lebenserwartung zu verbessern“, sagt Prof. Dr. med. Heinrich Worth von der Deutschen Atemwegsliga (Video).

Sport wirkt positiv, Passivität negativ

Mit dazu tragen zahlreiche Studien und Untersuchungen aus den letzten Jahren bei. Bei Passivität, also dem Verzicht auf Bewegung, treten bei Lungenkranken die gleichen negativen Begleiterscheinungen wie bei Gesunden auf. Muskelmasse und Muskelkraft reduzieren sich und die körperliche Belastungsfähigkeit nimmt ab. Es werden weniger aerobe Enzyme gebildet, die neuromotorische Aktivität sinkt und das neuromotorische Zusammenspiel verschlechtert sich. Als Konsequenz kommt es zudem zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion. Dies kann wiederum bei Betroffenen Angstzustände und Depressionen verursachen, was dann womöglich zu noch weniger Bewegung führen kann.

Gleichzeitig wurde aber gezeigt, dass eben auch die positiven Effekte eines Sportprogramms bei Patienten mit COPD oder anderen Lungenerkrankungen wie Asthma eintreten. Es kommt beispielsweise zu Muskelwachstum und einer verbesserten Sauerstoffaufnahme der Muskulatur. Und auch im Speziellen profitieren Lungenpatienten von individuellem Training. Angst und Depression können gehemmt werden und „unter Umständen kommt es zu einer Art Desensibilisierung gegenüber Luftnot“, zählen Dr. med. Marc Spielmans et. al. in ihrer Metaanalyse „Lungensport: Ambulantes Sportprogramm hilft langfristig bei COPD“ die Vorteile eines Sportprogramms auf, die in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht wurde.
Die genannten Folgen wurden allesamt in Untersuchungen belegt und bringen Spielmanns et. al. in ihrer Metaanalyse zu dem Schluss, „dass  Belastungslimitationen eher durch Trainingsmangel-bedingte Dekonditionierung verursacht sind, als durch die Atemwegserkrankung selbst.“ Ein Sportprogramm könne dazu führen, dass mit der gleichen Lungenleistung mehr Belastbarkeit erreicht wird, sagt auch Prof. Worth. Zudem könne dadurch die Entzündung in den Atemwegen reduziert und ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden. Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass "eine stationäre pneumologische Rehabilitation bei COPD mit nachfolgender regelmäßiger körperlicher Aktivität im Folgejahr [...] die Anzahl der Krankenhausaufenthalte deutlich" reduziert, schreibt Dr. Danijel Jelusic in der Ärztezeitung.

Absprache mit Arzt wichtig

Doch Vorsicht: Bevor man als Betroffener jetzt direkt die Laufschuhe schnürt und losjoggt, sollte man unbedingt Rücksprache mit seinem betreuenden Arzt halten, um Intensität und Trainingsform abzustimmen. Zudem hat der Arzt die Möglichkeit, Lungensport anzuordnen, sodass der Sport für den Patienten günstiger oder sogar kostenlos erfolgen kann.

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