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Zusammenbruch – wenn der Lungenflügel kollabiert

  • Christian Riedel
Durch einen Zusammenstoß oder beim Tauchen oder Fliegen kann ein Lungenflügel kollabieren. Wie gefährlich das ist und was man tun kann, erfahrt ihr hier.

2008 sorgte der Fall von Fußball Profi Thomas Broich zumindest in Köln für Aufsehen. Bei dem Mittelfeldspieler wurde nach einem Anfall von Atemnot im Training ein zusammengefallener Lungenflügel diagnostiziert. Aber bereits wenige Tage später stand Broich wieder auf dem Feld, um den Domstädtern im Kampf um den Aufstieg zu helfen. Der bis dahin eher als weich geltende Profi setzte ein wichtiges Zeichen für seine Mitspieler und die Fans für den letztendlich geglückten Aufstieg in die Bundesliga. Für Broich ging die Sache glimpflich und ohne Folgen aus. Es hätte auch anders kommen können.

Der kollabierte Lungenflügels ist ein Fall des Pneumothorax. Dabei gelangt Luft aus der Lunge in den Pleuraspalt, also vereinfacht gesagt der Raum zwischen Lunge und Brustkorb. In diesem Raum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist, herrscht ein Unterdruck. Dies kann man mit zwei Glasscheiben vergleichen, zwischen denen etwas Flüssigkeit ist und die daher aneinander haften. Gelangt nun Luft hinein, können diese sich voneinander lösen und die Ausdehnung der Lungenflügel wird behindert. Die Atmung ist in Folge zumindest eingeschränkt oder im Extremfall sogar unmöglich. Zudem können die Lungenflügel aufgrund ihrer inneren Spannung zusammenfallen.

Die Fälle vom Pneumothorax hängen von der ausgeströmten Luftmenge ab. Tritt nur wenig Luft aus, wird das vom Betroffenen kaum bemerkt. In schwereren Fällen kommt es zum Lungenkollaps. Im Extremfall tritt ein Spannungspneumothorax auf, bei dem beide Lungenflügel sowie die Herz-Kreislauffunktion drastisch eingeschränkt sein können. Dieser Fall ist sogar lebensgefährlich.

Medizinisch wird zwischen drei Formen des Pneumothorax unterschieden, die dazu führen können, dass Luft in den Pleuraspalt gelangt. Dabei spielt die Entstehung eine große Rolle. Die erste Form ist der Spontanpneumothorax, der ohne direkten Grund auftreten kann. Betroffen sind oft Männer zwischen 15 und 35 Jahren. Vor allem Rauchen erhöht das Risiko. Bei einem starken Hustenstoß kann es zu Mikroverletzungen kommen, die zum Pneumothorax führen können.

Die zweite Form ist auch die für netzathleten-Leser wahrscheinlich häufigere. Beim traumatischen Pneumothorax ist eine direkte oder indirekte Verletzung des Brustkorbs die Ursache. Ein Zusammenprall oder ein Schlag können Auslöser sein.

Ursachen können sein: Verletzungen der Lunge nach einem Rippenbruch
Stich- und Schussverletzungen
Schwere Quetschung des Brustkorbs, die eine Schädigung oder eine Schwächung des Lungengewebes verursachen kann
Barotrauma beim Tauchen oder beim Fliegen, also eine plötzliche Druckveränderung

Die letzte Form ist der therapeutische Pneumothorax. In der Vergangenheit wurde der Pneumothorax als Therapie bei Lungentuberkulose eingesetzt. Dieses Verfahren wird heute aber nicht mehr angewendet.

Symptome


Je nach der Schwere des Falls reichen die Symptome von einem geringen Hustenreiz bis zu einem Erstickungsgefühl. Zu den typischen Merkmalen zählen Kurzatmigkeit, ein Ziehen in den Lungenspitzen beim Einatmen und ein Druckgefühl bzw. Schmerz im Brustkorb, der auch in die Extremitäten ausstrahlen kann. Gräuliche oder bläuliche Haut oder eine asymmetrische Atmung ist ebenfalls ein Anzeichen. Mit einem Stethoskop wird man auf der betroffenen Seite keine oder zumindest kaum Atemgeräusche hören. Letztendlich kann es zu einem so genannten ertastbaren Hautemphysem kommen. Dies fühlt sich so an, als würde man Schnee zusammendrücken und man kann dabei ein feines Rasseln oder Knistern hören.

Neben dem Stethoskop zeigt ein Röntgenbild zumindest einen großen Pneumothorax. Ultraschall liefert genauere Ergebnisse. Letzten Aufschluss über den Pneumothorax gibt eine Computertomographie (CT), bei der auch mögliche Begleitverletzungen diagnostiziert werden können.

Behandlung


Ein sehr kleiner Pneumothorax muss in der Regel nicht behandelt werden. Mit der Zeit beseitigt der Körper die Luft selber. Bei schwereren Fällen kann die Luft mit einem Schlauch abgesaugt werden. Mit einem externen Unterdruck kann die Lunge wieder aufgeblasen werden.

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