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Das Sprunggelenk richtig belasten

  • Christian Riedel
Der Bänderriss im Sprunggelenk gehört zu den häufigsten Verletzungen im Sport. Nicht selten schleppt man die Verletzung jahrelang mit sich herum. Damit das Sprunggelenk richtig heilen kann, muss man das Gelenk zum richtigen Zeitpunkt belasten. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, erfährst du hier.

Laut der Ärztezeitung plagen sich rund 40 Prozent aller Patienten auch drei Jahre nach einem Bänderriss im Sprunggelenk mit den Folgen der Verletzung herum. Schmerzen, Einschränkungen in der Beweglichkeit oder Schwellungen im Sprunggelenk wollen einfach nicht verschwinden.

Eine häufige Ursache für die dauerhaften Schmerzen – besonders bei ehrgeizigen Sportlern – ist, dass man das Sprunggelenk wieder zu früh belastet hat. Aber auch wenn man zu lange wartet, schadet man dem Sprunggelenk. Denn die Muskeln bilden sich zurück, das Gelenk verliert an Stabilität. Zudem kann es durch zu wenig Bewegung steif werden. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um das Training wieder aufzunehmen?

Der Bänderriss im Sprunggelenk wird bei den meisten Sportlern konservativ-frühfunktionell behandelt. Das heißt, dass man ohne Operation so früh wie möglich versucht, das Gelenk zu mobilisieren. Welches Training und welche Belastung sinnvoll sind, hängt dabei von der entsprechenden Heilungsphase ab.

Momentan gibt es viele Meinungen, was den optimalen Therapieverlauf angeht. Dabei muss man natürlich immer berücksichtigen, dass die Behandlung auf jedem Patienten individuell angepasst sein muss.

Sechs Sportmediziner aus Deutschland und der Schweiz haben sich nun einmal tiefgehend mit der Problematik befasst und aktuelle Behandlungskonzepte analysiert, um grundlegende Empfehlungen geben zu können.

„Mit Ausnahme von Dreiband- oder Syndesmosenverletzungen können die meisten Außenbandverletzungen des Sprunggelenks konservativ-frühfunktionell behandelt werden.“ Das schreiben Dr. Raymond Best aus Stuttgart und seine Kollegen in der „Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin“ (2011, 62: 57). Eine Operation ist also nur in Ausnahmefällen notwendig.

Wichtig ist laut den Medizinern, dass man aktiv ist. Eine konservativ-frühfunktionelle Therapie hat im Vergleich zu einer längeren Ruhigstellung mehrere Vorteile: Wer das Gelenk früh bewegt, tut sich leichter, wieder in den Job oder in den Sport einzusteigen. Der Wiedereinstieg klappt früher und die Zahl der Spätfolgen (z.B. Instabilität im Gelenk oder eine Schwellneigung) ist geringer.

Auf der anderen Seite darf man gerade nach einer schwereren Verletzung nicht zu früh wieder mit der Mobilisation beginnen. Häufig wird die Verletzung von einer Entzündung im Gelenk und einer Schwellung begleitet. Belastet man das Gelenk zu früh, kann sich die Verletzung noch verschlimmern. Hier ist eine kurzzeitige Ruhigstellung unbedingt notwendig.

Phasen der Heilung


Die erste Phase dauert normalerweise zwischen 1 und 5 Tagen. Dann ist die Schwellung abgeklungen und die Primärsymptome (z.B. Schmerzen) verschwinden. Im Anschluss folgt die reparative oder proliferative Phase. Dabei bildet der Körper vermehrt Kollagen, um die Schäden zu reparieren. Diese Phase dauert zwischen 5 und 28 Tagen und wird auch als Phase der Primärheilung bezeichnet.

Im Anschluss finden bis ca. zum 42. Tag Umbauvorgänge statt. Diese passen sich den ersten mechanischen Belastungen an. Bleiben diese aus, kann sich das Sprunggelenk auch nicht anpassen. In der Folge droht die bereits erwähnte Instabilität. In dieser Phase reifen die frisch gebauten Kollagenfasern, sie richten sich aus und stabilisieren die verletzten Bänder. Die Phasen können natürlich nicht strikt voneinander getrennt werden, sondern überlappen sich. Bis das Band wieder die alte Festigkeit erreicht hat, dauert es zwischen 16 Wochen und einem Jahr, sagen Dr. Best und seine Kollegen.

Phasen der Belastung


An diese Heilungsphasen muss die Belastung angepasst werden. Sinnvollerweise findet eine phasenangepasste Therapie mit Orthesen (Stützelemente) statt. Dadurch kann die Belastung Schritt für Schritt gesteigert werden. Gerade in den ersten beiden Phasen der Heilung sollte man das Gelenk nicht zu stark belasten. Ansonsten kann der Körper zu viele Kollagenfasern bilden. Dies kann in der Folge zu einem „weichen“ Band führen. Mit einer Orthese oder einem Tapeverband kann man die Belastung einschränken und die Bewegung individuell steuern.

Mit Schmerzmitteln sollte man hingegen vorsichtig sein. Denn wenn man keine Probleme hat, neigt man dazu, dem verletzten Gelenk zu früh zu viel zuzumuten. Von Vorteil sollen hingegen manuelle Therapien sein. Diese helfen laut Dr. Best dabei, die Beweglichkeit im Gelenk zu verbessern. Dahingegen hätten elektrophysiologische Maßnahmen kaum einen positiven Effekt auf die Heilung.

Fazit:

Wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten war, gibt es keine eindeutige Aussage zur richtigen Therapie. Dies ist auch kein Wunder, da man das Individuum und die Schwere der Verletzung nicht pauschal gleichsetzen kann. Dennoch ist klar, dass man früh mit der Bewegung anfangen sollte, ohne das Sprunggelenk zu überlasten. Eine manuelle Therapie als Ergänzung ist dabei besser als Physiotherapie oder propriozeptives Training. Wie genau dann die Therapie aussehen sollte, muss man auf herkömmliche Art und Weise mit dem behandelten Arzt absprechen.

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