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Wie gesund ist Tennis?

Sportarten im Gesundheitscheck: Tennis

  • Prof. Dr. Olaf Lorbach
Neun von zehn Deutschen sind sportlich unterwegs. Das wichtigste Ziel: fit und gesund bleiben. Damit das sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Freizeitsportlern gelingt, unterziehen medizinische Experten der Schön Klinik die beliebtesten Sportarten einem Gesundheitscheck und verraten ihre Tipps für ein gesundes und effizientes Training. Heute: Tennis.

Wie gesund ist Tennis?

„Tennis ist nicht nur ein Sport, sondern auch eine Kunst“, soll Erich Kästner einmal gesagt haben. Was der Schriftsteller nicht erwähnte: Tennis ist auch ausgesprochen gesund. Wie gesund, analysiert Experte Prof. Dr. Olaf Lorbach von der Schön Klinik im Gesundheitscheck und gibt Tipps, wie man Verletzungen vorbeugen kann.

Das sagt der Experte: Prof. Dr. Olaf Lorbach, Schön Klinik Lorsch

Fitnessfaktor
Hoch. Der Mix aus Schnellkraft und Kraftausdauer macht Tennis zu einem hervorragenden Ganzkörpertraining. Der Ballsport trainiert das Herz-Kreislauf-System, die Koordination und fast die gesamte Muskulatur.

Kraftfaktor
Gut. Tennis beansprucht viele Muskelgruppen. Das Schlagen trainiert Schulter- und Unterarmmuskeln, Sprints und Richtungswechsel die Oberschenkel- und Wadenmuskulatur. Aber auch Bauch, Schulter, Rücken und Gesäß sind gefordert, weil beim Tennis viele unterschiedliche Bewegungsmuster zum Einsatz kommen.

Verletzungsrisiko
Mittel. Riskant für akute Verletzungen beim Tennis ist das Stop-and-go und die Gefahr, auszurutschen. Die abrupten Stopps und Richtungsänderungen fordern Muskeln und Gelenke besonders. Das kann zu Zerrungen, Verrenkungen oder Verstauchungen führen, häufig kommt es zu akuten Verletzungen am Kniegelenk oder am Sprunggelenk. Der Klassiker im Tennis: der Bänderriss.

Chronische Erkrankungen durch Tennis entstehen bei Freizeitsportlern meist in der Schulter als Folge der einseitigen Belastung beim Schlagen. Wenn sich bei der Schlagbewegung das Schulterkopfgelenk gegen den Bizepsansatz schiebt, kann das akut oder durch dauerhafte Überbelastung zu einer Verletzung des Bizepssehnenankers (SLAP-Läsion) führen. Die Folge: Der Spieler hat Schmerzen beim Schlagen oder nach Überkopfbelastung. Man sollte deshalb immer darauf achten, die Innenrotatoren zu dehnen, also den Bereich zwischen Schulter und Brust.

Der berüchtigte Tennisarm hingegen, eine Überlastung der Streckmuskelansätze der Hand, ist häufig eher eine Folge von Büroarbeit als eine Sportverletzung. Er lässt sich beim Tennis oft mit der richtigen Schlagtechnik vermeiden: Bei der Vorhand und vor allem bei der Rückhand muss das Handgelenk immer gestreckt und nicht gebeugt sein.

Rücken- und Gelenkfreundlichkeit
Mäßig. Problematisch für den Rücken sind vor allem die asymmetrischen Bewegungen, die den Bandscheiben und Wirbelgelenken schaden können. Für die Gelenke ist Tennis eine Belastung, zum einen für Schulter und Ellenbogen, aber auch für Knie- und Sprunggelenk. Deshalb ist Aufwärmen und Dehnen besonders wichtig. Wer seine Gelenke schonen will, sollte auf Sandplätzen spielen. Wichtig ist, für jeden Belag das passende Sohlenprofil zu wählen.

Herz-Kreislauf
Sehr gut: Tennisspieler laufen viel und bringen ihr Herz-Kreislauf-System in Schwung. Das Ganzkörpertraining steigert die Herz- und Atemfrequenz und kurbelt den Kreislauf an. Das sorgt dafür, dass Organe gut durchblutet und mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden.

Fazit
Wer sich beim Tennis auspowert, tut seinem Körper rundum Gutes: Der Kreislauf kommt auf Trab; Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit werden gefördert. Auch der Kopf ist gefragt: Laufen, schlagen und dabei gleichzeitig den Gegner über den Platz hetzen, erfordert mentale Stärke sowie strategisches Denken und trainiert Reaktionsvermögen und Koordination. Ganz nebenbei hat Tennis den angenehmen Effekt, dass der Körper ordentlich Kalorien verbrennt.

Tennis: Die Tipps vom Experten

Welches Training eignet sich als Ergänzung zum Tennis?
Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen sorgen für Ausgleich und stärken die Kondition – auf jeden Fall ein Vorteil auf dem Platz. Die einseitige Belastung der Schlagarmseite sollte unbedingt durch Gymnastik ausgeglichen werden. Auch gezieltes und regelmäßiges Krafttraining wirkt unterstützend: Dabei sollte man darauf achten, nicht nur Arme und Beine zu stärken, sondern auch den Rumpf. Das reduziert das Verletzungsrisiko und stabilisiert den Stütz- und Bewegungsapparat, an den Tennis hohe Anforderungen stellt.

Wie kann man sonst noch Verletzungen beim Tennis vorbeugen?
Aufwärmen ist ganz wichtig! Vor jedem Training und Spiel sollten Sie Muskeln und Gelenke für ein paar Minuten intensiv dehnen. Ein paar Runden leichtes „Traben“ um den Platz sind ein guter Einstieg, um dann mit lockerem Einspielen zu beginnen. Ansonsten ist es immer ratsam, auf die Signale des Körpers zu achten. Wer sich überschätzt, riskiert, seiner Gesundheit zu schaden und sich zu verletzen.

Ist Tennis auch geeignet für Menschen mit Rückenschmerzen?
Rückenprobleme sind nicht prinzipiell ein Ausschlusskriterium für Tennis. Wer aber Rückenschmerzen hat, sollte einen Arzt zu Rate ziehen. Auf jeden Fall empfehle ich, begleitend die Rumpfstabilisatoren aufzubauen. Bei Rücken- oder auch Handgelenkproblemen sollte man sich beim Schlägerkauf entsprechend beraten lassen.

Zur Person: Prof. Dr. Olaf Lorbach

wie gesund ist tennisProf. Dr. Olaf Lorbach ist Chefarzt der Schulterchirurgie und Sporttraumatologie an der Schön Klinik Lorsch. Über sein Spezialgebiet hat der international angesehene Experte mehr als 75 wissenschaftliche Publikationen und 15 Buchbeiträge veröffentlicht und bereits über 250 wissenschaftliche Vorträge gehalten. Der zertifizierte Schulter- und Ellenbogenchirurg hat diverse nationale und internationale Auszeichnungen erhalten und ist Mitglied im Redaktionsausschuss mehrerer Fachzeitschriften – unter anderem beim renommierten American Journal of Sports Medicine. In seiner Freizeit ist der Vater zweier Kinder selbst begeisterter Tennisspieler.

Weitere Infos: www.schoen-klinik.de

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