Der Bänderriss im oberen Sprunggelenk ist eine der häufigsten Verletzungen im Sport. Grund genug, diese Blessur einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Kann man sich davor schützen und wie kann man den Heilungsprozess beschleunigen?
Bei jedem Sport, bei dem gesprungen wird, besteht die große Gefahr, bei der Landung mit dem Knöchel umzuknicken. Die meisten Basketballer, Handball- oder Volleyballspieler hatten einmal einen Bänderriss oder zumindest eine Bänderdehnung im Sprunggelenk gehabt. Häufiger tritt dies übrigens auf der nicht dominaten Seite auf, also beim Rechtshänder am linken Sprunggelenk.
Schätzungen gehen davon aus, dass sich jeden Tag einer von 10.000 Einwohnern pro Stadt einen Bänderriss zuzieht. In einer Stadt wie Köln mit rund 1 Million Einwohnern, sind es so rund 100 Bänderrisse am Tag oder 36.500 Bänderrisse pro Jahr. Auf ganz Deutschland hochgerechnet reißen die Bänder im Sprunggelenk geschätzt knapp drei Millionen Mal. Meist sind es die Bänder im oberen Sprunggelenk, die reißen.
Laut Sportmediziner Dr. Markus Klingenberg ist ein wirkungsvoller Schutz in der Tat möglich. „Ein ausgiebiges Training der Schienbeinmuskulatur und eine gute Dehnung der Wadenmuskulatur sind neben einem guten Schuhwerk eine hervorragende Prophylaxe vor einem Distorsionstrauma wie es der Sportmediziner nennt.“
Anatomische Ursachen
Beobachtet einmal was passiert, wenn jemand auf die Zehen geht. Die Sprunggelenke knicken ein wenig nach innen genau in die Richtung, in die man meist auch umknickt. Das ist biomechanisch auf Grund des Verlaufes der Achillessehne ein ganz normaler Vorgang. Ist die Wadenmuskulatur allerdings verkürzt und unzureichend gedehnt, wird diese Bewegung verstärkt. Ist zusätzlich auch der Antagonist, also der muskuläre Gegenspieler in Form der Schienbeinmuskulatur nicht kräftig genug, so ist es schnell passiert und der Sportler ist umgeknickt.
Das Sprunggelenk ist das Verbindungsgelenk zwischen dem Fuß und dem Unterschenkel. Im oberen Sprunggelenk sind die unteren Enden des Schienbeins (Tibia) und des Wadenbeins (Fibula) durch mehrere Bänder mit dem Sprungbein (Talus) verbunden. Besonders die Außenbänder sind häufig von Umknickverletzungen betroffen (Riss, Zerrung, Dehnung). Mit rund 20 Prozent Anteil ist eine Außenbandruptur die häufigste Sportverletzung. Man knickt leichter nach innen um. Darum ist eine Supinationsverletzung (nach innen – die Außenbänder sind betroffen) häufiger als ein Pronationstrauma (Fuß nach außen).
Knochenverletzungen im Oberen Sprunggelenk hingegen sind eher selten. Bei extremen Belastungen kann es allerdings zu einem Knöchelbruch oder zu einer Absprengung von knöchernen Anteilen kommen. Im akuten Stadium ist die Unterscheidung für den untersuchenden Arzt oft nicht eindeutig möglich betont Dr. Markus Klingenberg. Daher ist ein Röntgenbild obligat. Bleiben die Schmerzen auch nach 6 Wochen Bewegungstherapie mit einer Aircast- Schiene, empfiehlt er auch ein MRT (Kernspintomographie) durchführen zu lassen um einige seltenere, aber für den Sportler sehr folgenschwere Verletzungen auszuschließen.