Andre Schönherr; Monika Neiheisser
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Freeride-Kurse für Einsteiger und Profis und vieles mehr

Freeride Testival: Saisonfinale am Stubaier Gletscher

Es schneit ohne Pause auf dem Stubaier Gletscher, und der Guide ist im dichten Weiß kaum auszumachen. Jeder Schwung wirbelt frischen Powder auf und erfordert viel Gefühl. Selbst einfache Abfahrten neben der blauen Piste werden bei diesen Bedingungen zur Herausforderung. An der Mittelstation Eisgrat auf 2.900 Metern stehen 29 Pavillons bereit – das Freeride Testival feiert hier sein großes Saisonfinale.

Die stetig wachsende Freeride-Community trifft sich auf dem Stubaier Gletscher zu kostenlosen Equipment-Tests, Workshops, Kursen und gemeinsamen Touren. Das schneesichere Gletscherskigebiet mit seinen weiten Powderhängen ist der ideale Ort für den Abschluss der Eventreihe.

(©Andre Schönherr)

Von der kleinen Idee zur großen Event-Serie

Was 2014 im Kaunertal klein begann, hat sich zu einer festen Größe in der Szene entwickelt. Vier Stopps pro Saison – Hochfügen, Silvretta Montafon, Warth-Schröcken und schließlich Stubai – ermöglichen, brandneues Freeride-Equipment zu testen: Ski, Boards, Brillen, Helme und LVS-Ausrüstung, alles bereits Modelle der kommenden Saison.

An den Testständen herrscht reger Andrang. Jeder Hersteller bringt 20 bis 30 Paar Ski mit, die bei bis zu 80 Verleihvorgängen pro Tag durch die Hände der Tester gehen. So können Freerider verschiedene Modelle direkt vergleichen – auf oder neben der Piste, je nach Schneelage. Zwischen den Runs wird gefachsimpelt. „Der M-Free 90 ist ein leichter Twintip, und auch im Park zu fahren, schwimmt leicht auf und ist sehr verspielt. Zielgruppe sind ambitionierte Freerider, die einen Ski fürs Gelände möchten, der aber auch noch gut auf der Piste funktioniert“, erklärt Jepp aus München am Dynastar-Stand. Seine Hände sind eisig vom Einstellen der Bindungen, zwischendurch wärmt er sich mit einer heißen Suppe auf.

Freeride-Kurse für Einsteiger und Profis

Die Tester sind zwischen 12 und 60 Jahren. Wer individuell unterwegs ist, sucht sich seine eigene Line – oder bleibt bei schlechter Sicht lieber auf den Pisten, die dank Neuschnee ebenfalls eine feine Powderschicht bieten. Wer einen Kurs gebucht hat, profitiert von lokalen Guides, die auch am Nachmittag noch unverspurte Hänge finden. Beim Freeride-Kurs für Einsteiger arbeiten die Rockies an den Freeridebasics: „Nicht nach hinten lehnen bei der Abfahrt. Eine gedachte Banane vor dem Schienbein soll im Skischuh zu Bananenmus werden. Die Angst zieht den Körper an den Berg“, wiederholt der Skilehrer der Schischule Neustift fast mantraartig an der Daunscharte auf 2850 m Höhe. Während die Einsteiger an ihren Basics arbeiten, rauscht die Advanced-Gruppe in einer dichten Schneewolke vorbei. Jan aus Würzburg ist begeistert: „Ich bin froh, dass ich noch jemanden gefunden habe, der mir wirklich etwas beibringen kann.“

Berg- und Skiführer Johannes Wirth feilt auf hohem Niveau an der Skitechnik seiner Gruppe und setzt auf ungewöhnliche, aber effektive Übungen: „Jetzt öffnen wir mal alle die Schnallen der Skischuhe und fahren mit offenen Schuhen, damit wir mit unseren Füßen die Ski und den Untergrund spüren“, lautet die erste Anweisung.  Hört sich erst einmal seltsam an, doch alle sind begeistert, wie gut das klappt. „Man muss deutlich langsamer und vorsichtiger fahren, und lernt dabei, darauf zu achten, dass man nicht in Vor- oder Rückenlage kommt“, resümiert Jan. Später werden die Ski von unten nach oben wieder fester zugeschnallt und das Umspringen im Gelände stellt die nächste Herausforderung dar. Jan: „Die ersten Sprünge waren eine Katastrophe. Ich hatte den Stock viel zu weit vorn und eine unsaubere Landung. Der vierte Sprung war super. Es ist toll, wenn man das kann und nicht erst im extrem steilen Gelände das erste Mal probiert. Das übe ich weiter.“

Advanced-Freetouring: Sicher unterwegs im Gelände

Am nächsten Tag steht das Advanced-Freetour-Guiding mit Patrick Ribis, staatlich geprüfter Ski- und Bergführer, an. Vor dem Start statten sich die Teilnehmer noch mit frischen Tiefschneebrettern von Faction, Dynastar, Atomic oder Head aus. Auch Brillen von Julbo müssen sich im Schneetreiben beweisen. Doch bevor es losgeht, steht die Sicherheitseinweisung an: Gelände, Wetter, Lawinenlage – alles muss richtig eingeschätzt werden. Das Powder Department Stubai unterstützt mit Checkpoints am Eisgrat und Gamsgarten, Lawinenwarnhinweisen, einer Off-Piste-Map mit GPS-Tracks, einem eigenen Trainingsgelände für LVS-Suche. Freeriden gehört hier zur DNA des Skigebiets, das 15 Skirouten anbietet.

Unverspurter Powder trotz schlechter Sicht

Wegen der schlechten Sicht muss Patrick die geplante Route anpassen und führt die Gruppe vom Eisgrat über den Rotadl zur Daunscharte auf 3.200 Metern. Dort findet er unberührten Powder – selbst an Tagen, die alles andere als ideal sind. Weite Gletscherflächen wechseln sich mit Rinnen, Kuppen und kurzen Steilpassagen ab. Das Highlight: die Powder-Abschnitte entlang der fast zehn Kilometer langen Skiroute „Schartenschuss“ und „Wilde Grube“ bis ins Tal. Mit der 3S-Eisgratbahn geht es bequem zurück zum Testcenter, wo für die letzten Runs des Tages noch schnell die Ski gewechselt werden. Während die Aussteller im aufziehenden Sturm ihr Material verstauen, verwischt der Wind die Spuren – und die Teilnehmer tragen ein breites Grinsen im Gesicht.

Ein Finale, das zeigt, warum das Freeride Testival am Stubaier Gletscher längst zu den wichtigsten Events der Powder-Szene gehört.

Das nächste Freeride Testival in Stubai: 21. – 22. März 2026.

Alle Informationen: www.freeride-testival.com, Informationen zum Skigebiet Stubaier Gletscher: www.stubai.at

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