Lucas Mertsching (MT Melsungen)
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COACHING ZONE: Neuer Handball-Podcast nimmt den Trainerjob ins Visier

Branchenkenner Frank Schneller (57) führt ab 6.10. – überall, wo es Podcasts gibt – vierzehntägig Gespräche mit ehemaligen und aktiven Coaches abseits des Tagesgeschäfts. Er legt dabei Wert auf Persönliches und Tiefgang, erklärt er im Interview.

Sie starten in Eigeninitiative einen unabhängigen Handball-Podcast mit dem Namen Coaching Zone. Was ist das Konzept, was das Ziel – und warum launchen Sie dieses Audio-Format gerade jetzt? Die Konkurrenz ist enorm …

Okay, der Reihe nach: Das Konzept ist es, Trainer-Ikonen zu interviewen und ihnen dabei auf einer ganz persönlichen Ebene zu begegnen. So sind auch die Gespräche, die jeweils vor Ort und in bewusst privater Atmosphäre stattfinden, angelegt: Weg von der aktuellen Berichterstattung, ohne redaktionelle Zwänge aufgrund sportlicher Entwicklungen, abseits von Pressekonferenzen und TV-Kameras. Dieser Ansatz war mir wichtig, weil ich – und damit sind wir beim Ziel, das ich verfolge – meine Gesprächspartner durch einen ganz ausgeruhten und selbstreflektierenden Austausch führen möchte, der auch viel über den jeweiligen Menschen verrät. Über seinen Werdegang, seine Philosophie, Zweifel, Erfahrungen, Vorbilder. Warum jetzt? Weil diese Idee lange in mir schlummerte und die Umsetzung nun einfach reif war. Ungeachtet des zweifelsohne beträchtlichen Angebots an Podcasts aus dem Sport – auch zum Thema Handball. Ich vermeide aber bewusst den Begriff ‚Konkurrenz‘, weil Coaching Zone schon etwas anders ist, eine Art Add On, das zur Vielfalt in der Handballberichterstattung beiträgt.

Sie interviewen nur Trainerinnen und Trainer – warum?

Weil ich mich vor dem Hintergrund meiner eigenen Vita und meines familiären Backgrounds stets besonders für den Trainerjob interessiert habe, für die damit verbundenen Perspektiven, die Verantwortung, die Freude am Umgang mit – jungen – Menschen, der Kunst des Motivierens und der Menschenführung. Aber auch mit dem Stress, dem Druck und der Verantwortung, die damit einhergehen. Mein Vater, übrigens auch ein Gast in der ersten Staffel, war mit Leib und Seele Trainer – und das parallel zu seinem Beruf. Ich habe zudem selbst einige Jahre als Coach verbracht, jedoch auch nie hauptberuflich. Das erzeugte stets eine gewisse Augenhöhe – das war schon zu Zeiten meiner klassischen Reporter-Zeit so, sportartübergreifend: Erich Ribbeck, Felix Magath, Volker Finke, Dirk Bauermann, Uwe Krupp, Noka Serdarusic, Petre Ivanescu, Heiner Brand, Renate Wolf … – für mich waren fast immer die Interviews mit den Trainern die spannendsten und ergiebigsten. Mag auch an der gegenseitigen Akzeptanz gelegen haben, vor allem in meiner ‚eigenen‘ Sportart: Handball. Ich wollte immer auch den Menschen verstehen und beschreiben, nicht nur den Trainer. Nicht nur das öffentliche Bild nachzeichnen.

Jakob Paulsen / Heiner Köpcke
(©Jakob Paulsen / Heiner Köpcke)

Erzeugen inhaltliche Nähe und Verständnis Vertrauen?

Das ist meiner Wahrnehmung nach schon ein, wenn auch nicht der einzige Faktor. Ich weiß ja aufgrund der Trainerlaufbahn meines Vaters seit meiner Kindheit, was es bedeutet – auch für die ganze Familie –, als Trainer in der Öffentlichkeit zu stehen.

Was hat Sie außerdem motiviert, dieses Projekt zu starten?

Mein persönliches Umfeld, also gute Freunde und geschätzte Weggefährten – aber vor allem auch meine Frau, die mich darin bestärkte. Sie alle wissen, dass ich das Interview als journalistisches Format und insbesondere persönliche Gespräche, bei denen man sich zuhört und nicht auf Schlagzeilensuche ist, besonders mag. Dass ich da in meinem Element bin. Also feilte ich an einem inhaltlichen Konzept. Der sehr persönliche Auftritt Roberto Garcia Parrondos im Anschluss an den European League-Gewinn der MT Melsungen Ende Mai war dann vermutlich eine Art innere Bestätigung, wie wenig die Öffentlichkeit doch über das Trainerdasein weiß – und dass ich dort gerne ansetzen würde. Naja, und in meinem Alter sollte man Wunsch-Projekte nicht auf die allzu lange Bank schieben. Dass ich damit ohnehin spät auf den Podcast-Trend aufspringe, spielt dabei keine Rolle.

Haben die ersten Gespräche denn gehalten, was Sie sich versprochen haben von Ihrer Idee, von diesem Format?

Ja! Bislang ist stets die Gesprächsatmosphäre entstanden, die ich mir gewünscht hatte. Ich habe – das sei mir gestattet – zunächst eine Shortlist erstellt mit Wunschgästen, die über die ersten beiden Staffeln hinweg zu Wort kommen sollen. Nahezu alle haben schon mitgemacht bzw. ihre Teilnahme zugesichert. Ich habe viel Starthilfe erfahren – und erfahre sie noch, was mich mit Stolz erfüllt.

Wie sind die Planungen?

Ich lasse es auf mich zukommen. Es sind eine Menge toller Coaches auf meinem Zettel, etliche Zusagen liegen vor. Für mich ist das trotz toller Hilfe eines Profis aber schon noch Neuland, auch der unsichtbare Aufwand, der dahintersteckt. Deswegen mache ich mir keinen Druck. Mir und natürlich nach Möglichkeit auch den Zuhörerinnen – und -hörern soll es möglichst viel Spaß machen. So viel kann ich verraten: Bis hierher hat es mir große Freude bereitet. Daher werde ich zwei Staffeln ganz sicher machen. Und dann sehen wir einfach weiter. Vieles kann, nichts muss. Solange das Format nicht eingekauft wird, bin ich keinerlei Zwängen ausgesetzt. Vielleicht verlasse ich ja sogar irgendwann das Handball-Terrain.

Können Sie ein paar Ihrer ersten Gesprächspartner preisgeben?

Einstweilen nur soviel: Ich traf mich mit der wohl ultimativen Trainer-Ikone des deutschen Männerhandballs, mit seinem weiblichen Pendant ebenfalls, außerdem kommt einer der für mich besten und spannendsten deutschen Trainer der letzten 20 Jahre zu Wort –und auch einer der aktuell besten Coaches der HBL– und, wie schon beiläufig erwähnt, wird es ein Vater-Sohn-Gespräch geben. Mit Blick auf die diversen Persönlichkeiten eine spannende Mischung, wie ich finde. Was sie alle gemeinsam haben: Tiefgang. Das soll auch mein Maßstab für die weiteren Folgen werden.

Hier reinhören: coaching-zone.podigee.io