Popeye hat recht – Spinat macht stark istockphoto.com

Popeye hat recht – Spinat macht stark

  • Redaktion
Spinat macht Comicfigur Popeye stark. Sobald er eine Dose leert, wachsen die Muskeln ins scheinbar Unendliche. In den USA war die Zeichentrickfigur gerüchteweise ein Versuch, Kinder dazu zu bringen, mehr Spinat zu essen. Denn das darin enthaltene Eisen soll das Muskelwachstum beschleunigen. Aber stimmt es, was die US-Nahrungsmittelindustie den Kindern lange Zeit weismachen wollte.

Spinat macht stark. Und das gilt nicht nur für Glotzauge (was „Popeye“ übersetzt bedeutet), sondern für jeden Spinatesser. US-Forscher haben in einer Studie nachgewiesen, dass Spinat bestimmte Substanzen enthält, die das Muskelwachstum beschleunigen. Allerdings reicht im Gegensatz zu Popeye eine Dose nicht aus, damit man plötzlich Arme wie Arnie bekommt.

Die Wissenschaftler der Rutgers-Universität in New Brunswick haben allerdings mit Ratten und nicht mit Comicfiguren experimentiert. Die Nager haben durch Spinatkonsum tatsächlich innerhalb weniger Wochen größere Muckis alleine durch die Ernährung auf Spinat-Basis bekommen. Ein Mensch müsste vergleichsweise jeden Tag mindestens ein Kilo des Blattgemüses futtern, damit die Muskeln tatsächlich anfangen zu wachsen.

Spinat enthält Steroide


Popeye wurde vor fast 90 Jahren von Elzie Crisler Segar das erste Mal gezeichnet. Segar wusste damals bestimmt nicht, wie viel Wahrheit in seiner Idee steckt, dass Spinat stark macht. Die kräftigende Wirkung liegt an einer Gruppe von Substanzen mit dem unbequemen Namen Phytoecdysteroide. Die kommen nicht nur im Spinat vor, sondern auch in anderen krautigen Gewächsen. Die Phytoecdysteroide ähneln in ihrem Aufbau den körpereigenen Steroidhormonen, die beim Mensch unter anderem für mehr Muskelwachstum sorgen.

Die US-Forscher um Ilya Raskin wollten testen, ob das Pflanzen-Steroid auch bei Säugetieren wirkt und erstellten ein hochkonzentriertes Spinatextrakt her. Im Labor gaben sie dieses Elixier auf die Muskelzellen von Mäusen und Menschen. Und siehe da, die Muskelzellen wuchsen.

Spinat-Doping


Das Laborergebnis gibt Popeye Recht. Denn wenn die Muskelzellen mit Spinat „gedüngt“ wurden, steigerte sich die Eiweißproduktion und damit das Wachstum der Zelle um bis zu 20 Prozent. Auch die Spinat-gedopten Ratten legten deutlich an Muskelmasse zu. Nach einem Monat hatten sie in den Vorderpfoten zwischen 18 und 24 Prozent mehr Kraft, ohne dabei speziell zu trainieren. Nun wollen die Wissenschaftler herausfinden, warum diese Wirkung eintritt, ob man sie gezielt verstärken oder abschwächen kann und ob sich das Muskelwachstum auch beim Menschen nachweisen lässt. Und vielleicht müssen die Athleten bei den nächsten Olympischen Spielen auf Spinat-Missbrauch getestet werden.

Wir stellen fest: auch in Comics kann Wahrheit stecken. Oft sogar mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Christian Riedel

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