Dehnen gegen Verkürzung? / richtig Dehnen!

Mythos III: Dehnen wirkt einer Muskelverkürzung entgegen

Wenn man einen Muskel längere Zeit nicht dehnt, verkürzt er sich. Wenn das stimmen würde, könnten unsportliche Menschen nach ein paar Jahren wohl ihre Gliedmaßen kaum noch bewegen. Ein Muskel verkürzt sich nicht. Seine Gesamtlänge bleibt immer gleich. Darum kann ein Muskel durch Dehnen auch nicht verlängert werden. Aber die Beweglichkeit kann verbessert werden.

Wenn man von einem verkürzten Muskel spricht, meint man meistens, dass er wenig flexibel und seine Dehnfähigkeit stark eingeschränkt ist. Wenn diese „Verkürzung“ eintritt, sollte man nicht den verkürzten Muskel, sondern dessen Gegenspieler trainieren. Dann kann ein Kraft-Gleichgewicht hergestellt und Ruhespannung auf beiden Seiten erzeugt werden.

Es bleibt die Frage, ob Dehnen überhaupt etwas bringt und wann, bzw. wie man sich dehnen sollte.

Gerade während einer längeren Verletzung verliert der Muskel an Beweglichkeit. Dehnen spielt darum in der Prävention und Rehabilitation eine große Rolle und sollte nicht vernachlässigt werden. Uli Kussin rät dazu, nicht aufs Dehnen zu verzichten: „Durch Dehnen lässt sich die Gelenkreichweite verbessern und genau dafür sollte man es verwenden. Die Beweglichkeit wird verbessert aber weder schützt es vor Verletzungen noch hilft es bei Muskelkater. Deshalb sollte fürs Dehnen ein separater Trainingstag gewählt werden.“

Richtig Dehnen

Das Dehnen ist ein wichtiger Teil im Sport. Dabei gibt es ein paar Regeln, die man beachten sollte:
1. Niemals dehnen, solange die Muskulatur nicht aufgewärmt ist.
2. Dehnen darf niemals zur Qual werden. Es macht nichts, wenn Du beispielsweise bei einer Übung mit den Händen die Fußspitzen nicht berühren kannst.
3. Dehnen sollte immer in entspannter Haltung durchgeführt werden. Konzentriere Dich auf den Muskel nicht aufs Gleichgewicht.
4. Das Dehnen sollte an der Schmerzgrenze aber niemals darüber hinaus stattfinden. Ohne Spannungsgefühl kann auch kein Dehnungseffekt stattfinden.
5. Unterstütze die Dehnung durch bewusstes und betontes Ausatmen. Versuche nicht, den Atem anzuhalten.
6. Dehne über einen Zeitraum von mindestens 15 Sekunden oder vier bis fünf Atemzügen, um eine Wirkung zu erzielen.

Christian Riedel

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Es gibt 3 Kommentare

Thomas G. schrieb am 23.09.09 um 19:58
Thomas G.
Sorry, aber der zweite Teil "Verbessert Dehnen die Leistung" ist hier nicht ganz richtig.

Dehnen senkt den Muskeltonus, was für Kraftaktivitäten eher hinderlich ist. Das Sprinten benötigt Explosiv-/Reaktiv-/Schnellkraft und dahingehend ist Dehnen natürlich "der Tod", da hierfür ein hoher Muskeltonus förderlich ist.

Hingegen bei Sportarten, die eine vergrößerte Bewegungsamplitude bzw. niedrigen Muskeltonus benötigen (Turnen, RSG), kann das Dehnen eine Leistungssteigerung von 5% bewirken.
Diesen Mythos muss man differenzieren ;)
Martin U. schrieb am 23.09.09 um 13:58
Martin U.
Cooler Artikel! Und auch danke für die Ergänzung Nader.
Nader D. schrieb am 23.09.09 um 10:31
Nader D.
Was mir beim Dehnen hier fehlt ist das Ansprechen der Bänder und Sehnen ! Ich stimme dem Autor voll zu aber ,wenn man z.B. verletzt war und sich wieder an die alte Leistungsfähigkeit wieder rantastet sind die Bänder und Sehnen schnell verkürzt und die dauern 8-12 Wochen bis sie sich anpassen und die muss man Dehnen und das oft und regelmässig in der Rehaphase. Meine Art der Dehnübungen nach dem Leistungssport sind Saunagänge! Es sind passive Muskeldehnungen und ich riskiere nichts. Was auch viel bringt sind direkte Massagen in den Muskel mit der Hand ,wenn es Mal verhärtet ist. Dabei darf es ruhig etwas weh tun. Aber nach wenigen Augenblicken geht der Schmerz weg.

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