Rick Jakob |
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5086 Aufrufe | 09.02.2009 |
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(Fußball) Der 19. Spieltag der Fußballbundesliga hatte aus Schiedsrichtersicht interessante Fälle zu bieten. Besondere Entscheidungen werden hier aus Schiedsrichtersicht erläutert und diskutiert.
Besonderer Aufreger des 19. Spieltages waren besonders die kniffligen Schiedsrichter-Entscheidungen im Spiel Borussia Mönchengladbach gegen die TSG Hoffenheim.
Schiedsrichter Lutz Wagner entschied hierbei in der 69. Minute bei einem Zweikampf zwischen Tomas Galasek und Chinedu Obasi im Gladbacher Strafraum auf Strafstoß. Nach kurzer Rücksprache mit Schiedsrichterassistent Tobias Welz revidierte der Schiedsrichter aus Kriftel seine Entscheidung und sprach eine Verwarnung gegen Obasi aus.
Der Regeltext der Regel 12 (Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen) sagt, dass Simulation ("Schwalbe") auch dann vorliegt, wenn der Angreifer einen Kontakt bewusst herbeiführt um ein Foulspiel vorzutäuschen. Betrachtet man die Armbewegung Obasis im Zweikampf könnte diese Szene so ausgelegt werden. Betrachtet man jedoch die Intension des Verteidigers Galasek, so kommt man zu folgender Erkenntnis: Er hat keine Gelegenheit den Ball zu spielen und versucht den Lauf des Gegners zu behindern. Auch das findet sich in der Regel 12 wieder. Demnach wäre ein direkter Freistoß, im Strafraum, ein Strafstoß die Folge gewesen, ganz unabhängig davon, ob Obasi bereitwillig fällt oder nicht. Der Elfmeter für Hoffenheim wäre regeltechnisch also vertretbar gewesen.
Aus taktischer Sicht war für Schiri Wagner die Revidierung der Entscheidung ungünstig. Er war durch das Eingreifen des Assistenten gezwungen, eine Gelbe Karte zu geben, die nicht in den Spielverlauf passte. Da auch kein Möchengladbacher Spieler heftig gegen den Strafstoß protestierte und die Entscheidung zum Großteil bereits angenommen war. (Die üblichen Reklamationen der Verteidiger beim Strafstoßpfiff gibt es schließlich auch bei den klarsten Strafstößen.)
Der Nachmittag endete für Assistenten Tobias Welz nochmals unglücklich, denn die Abseitsstellung von Torschütze Welligton hätte er bei richtigem Stellungsspiel auf seinem Niveau erkennen müssen, auch wenn, wie Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer bemerkte "es für keinen Spieler im Spielverlauf als Abseits zu erkennen war".
Heiß her ging es auch beim Spiel Eintr. Frankfurt gegen den 1.FC Köln. Besonders im Fokus stand hier der Elfmeterpfiff von Schiri Guido Winkmann in der 73. Minute, verbunden mit dem Feldverweis für den Brasilianer Chris.
Auch wenn das Foul des Frankfurters nicht weiter schlimm war - der Elfmeter war durchaus berechtigt. Clever, dass Winkmann erst die Situation beruhigt (u.a. Gelbe Karte für den reklamierenden Marco Russ) und dann die Rote Karte gegen Chris ausspricht. Gemäß Regel 12 ist ein Spieler des Feldes zu verweisen, wenn er eine klare Torchance des Gegners durch ein in Regel 12 aufgeführtes Vergehen verhindert. Dabei spielt es keine Rolle, ob das nun tatsächlich der vielzitierte "letzte Mann" ist, oder nicht. Wird ein Spieler beim Torabschluss in unmittelbarer Tornähe gefoult, so ist der Feldverweis oft die einzige Option.
Beim Spiel FC Bayern München gegen Borussia Dortmund gab es einen Aufreger in der 24. Minute. Hieraus wurde das 1:1 für den FC Bayern durch Zé Roberto erzielt. Nach einem intensiven Zweikampf nach halbhohem Zuspiel von Schweinsteiger spielt Klose den Ball mit letztem Einsatz zu Ribéry, dessen Schuss Roman Weidenfeller nicht festhalten kann. Zé Roberto schiebt ein.
Gleich zwei Dinge waren hierbei im Fernsehbild zu beanstanden, jedoch ohne Vorwurf an das Schiedsrichterteam um Michael Kempter. Erstens: Nach dem Einsatz Kloses tritt Kevin-Prince Boateng auf das Knie des am Boden liegenden Kloses. Da dies für Boateng im Kampf um den Ball geschah, möchte ich ihm hierbei keine Absicht unterstellen. Dafür sprechen unter anderem, dass Boateng den Blick nicht auf Klose gerichtet hatte und nicht damit rechnen konnte, dass sich Klose genau im Moment seines Auftretens am Boden weiterrollte.
Regeltechnisch hätte dies, wenn es vom Schiedsrichter - der natürlich den Blick auf den Ball und den unmittelbar folgenden Zweikampf richten musste - erkannt worden wäre, eine interessante Situation bedeutet. Gemäß Regel 12 ist es nämlich strafbar, sich in unmittelbarer Gegenwart des Gegners so zu verhalten, dass dieser sich verletzen könnte ("gefährliches Spiel"). Dies lag durch das Überlaufen Kloses durch Boateng vor. An sich hätte dies nur einen indirekten Freistoß zur Folge. Kommt es jedoch zum Körperkontakt wird aus gefährlichem Spiel verbotenes Spiel und hat einen direkten Freistoß zur Folge: Im Strafraum natürlich Strafstoß. Um die persönliche Strafe zu klären: Boatengs Einsatz war fahrlässig. Hierfür sieht das Regelwerk vor, dass keine persönliche Strafe zu verhängen ist. (Siehe Anweisungen des DFB zur "Einheitlichen Auslegung von Foulspiel")
Kommen wir zum Torschützen Zé Roberto. Dieser stand - wie im Fernsehstandbild zu sehen - im Moment des Schusses von Ribéry im Abseits. Assistent Marco Fritz stand gut, jedoch wurde ihm im Moment der Beurteilung die Sicht auf den am weitesten links postierten Verteidiger versperrt. Er konnte also nur annehmen, dass sich dieser auf gleicher Höhe mit Zé Roberto befand. Laut Regel 11, Anweisung des "International F.A. Board" ist beim Abseits immer im Zweifel zugunsten des Stürmers zu entscheiden. Dies tat Fritz und entschied auf Tor.
Abschließend noch die kniffligen Szenen aus der zweiten Sonntagspartie FC Energie Cottbus gegen Hannover96. Mitte der 1. Halbzeit gab es einen Zweikampf an der Außenlinie zwischen Dimitar Rangelov und Christian Schulz. Beim Abschirmen des Balles schlug Rangelov mit dem Ellenbogen in Richtung des Brustkorbes von Schulz, direkt vor den Augen von Schiedsrichterassistent Matthias Anklam, der freie Sicht auf diesen Zweikampf hatte. Hier hätte ein Fahnenzeichen und der Feldverweis durch Schiedsrichter Peter Gagelmann folgen müssen, auch wenn Christian Schulz nach dem Spiel seinen Gegner in Schutz nahm.
Gemäß der Anweisung des International F.A. Board sind seit der Saison 05/06 alle absichtlichen und stark unkontrollierten Ellenbogeneinsätze, welche den Gegner verletzen oder verletzen könnten mit einem Feldverweis zu ahnden. (Paradebeispiel hierfür war übrigens die Rote Karte im WM-Spiel 2006 Italien - USA)
Auch wenn das hart klingt: Eine nicht gegebene Rote Karte Mitte 1. Halbzeit ist immer ein spielentscheidender Fehler, der bei Beobachtungen stets stark die Bewertung mindert! In diesem Fall war Rangelov zweifacher Torschütze im weiteren Spielverlauf.
Da keiner der Schiedsrichter den Vorfall beobachtet hatte, liegt hier keine Tatsachenentscheidung vor. Demzufolge kann nun das Sportgericht des DFB entscheiden, ob eine eventuelle nachträgliche Sperre verhängt wird.
Zu loben war die Gelbe Karte, die Peter Gagelmann gegen Angelov für dessen unsportliches absichtliches Handspiel aussprach, welches eine gute Torgelgenheit mit sich brachte. Hierbei muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass lediglich absichtliches Handspiel überhaupt strafbar ist, eine Gelbe Karte ist nur dann notwendig wenn auf unsportliche Art und Weise ein Angriff unterbunden wird oder eben eine gute Torgelegenheit oder klare Torchance dadurch herbeigeführt wird. Da in dieser Szene zuerst das Handspiel Angelovs vorlag und erst danach das Foulspiel Fahrenhorsts an Angelov erfolgte, war die Entscheidung auf direkten Freistoß für Hannover und keine persönliche Strafe gegen Fahrenhorst völlig korrekt.
Die 2. Gelbe Karte (=> Gelb-Rot) für Leon Andreasen in der 67. Minute war ebenfalls korrekt, denn Andreasen geht nach dem Ballverlust rücksichtslos in den Zweikampf mit dem am Boden liegenden Cottbuser Spielers, den er am Schienbein trifft. Genauso steht es im Regelwerk, die Verwarnung musste hier zwingend erfolgen, auch wenn der Täter das Ganze im Anschluss ("ich habe ihn doch gar nicht getroffen..") nicht einsehen wollte.
Das war die erste Ausgabe der RegelEcke, der Spieltag aus Sicht des Schiedsrichters. Ich würde mich freuen, wenn diese Art der Berichterstattung bei euch Gefallen findet. In diesem Fall werde ich das gern zu weiteren Spieltagen aktuell wiederholen.
Quellen:
www.bundesliga.de
www.dfbnet.org
Deutsches Sport-Fernsehen (DSF)
Bildnachweis:
www.bundesliga.de
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