Neun Tage lang waren die Augen der Sportwelt nach Berlin gerichtet. Deutschland hat sich wieder mal als toller Gastgeber präsentiert. Wir haben eine grandiose Weltmeisterschaft erlebt, mit allen Höhen und wenigen Tiefen.
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Am letzten Wettkampftag sind leider keine neuen Medaillen hinzugekommen. Das war nach der Absage meiner Teamkollegin aus Wattenscheid, Irina Mikitenko, aber auch zu erwarten. Das Marathonteam der Frauen war dadurch zu sehr geschwächt. Sabrina Mockenhaupt lief erst ihren dritten Marathon überhaupt, dafür war ihr siebzehnter Platz durchaus mehr als in Ordnung.
Insgesamt sind aber wohl alle Erwartungen, die es im Vorfeld dieser WM gab, übertroffen worden. Die deutsche Mannschaft gewann mehr Medaillen als bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in Osaka (7) und die Scharte von vor einem Jahr in Peking (eine Bronzemedaille) wurde eindrucksvoll wieder gut gemacht. Werten wir also Peking im nach hinein als hoffentlich einmaligen Ausrutscher.
Natürlich profitierten die deutschen Athleten auch immens vom Heimvorteil. Dreispringer Charles Friedeck, der bei seinem letzten großen Titelkampf leider das Finale nicht erreichte, erzählte mir, wie aufgewühlt er wegen der Stimmung im Olympiastadion war. Ich denke die Athleten werden diese WM nicht so schnell vergessen.
Im Weltmaßstab ganz vorne dabei
Ich will jetzt gar nicht so sehr die einzelnen Medaillengewinner aus unserem Team hervorheben, das haben wir in den vergangenen neun Tagen verdientermaßen zu Genüge getan. Vielmehr möchte ich den großen Zusammenhalt der Mannschaft loben, der alle zu besonderen Leistungen angetrieben hat. Sehr viele aus der deutschen Mannschaft haben ihre persönlichen Bestleistungen verbessert und das beim Saisonhöhepunkt. Mehr kann man nicht erwarten. Im Weltmaßstab sind wir ganz vorne mit dabei.
Die neun Medaillen und der sechste Platz im Medaillenspiegel belegen das eindrucksvoll. Immerhin haben Sportler aus über 200 Ländern an dieser WM teilgenommen.
Mit der Organisation waren alle Sportler mit denen ich gesprochen hatte sehr zufrieden. Über das Publikum braucht man eigentlich nicht viele Worte zu verlieren, da genügt eines: Großartig. Dennoch möchte ich die Fairness und die Euphorie der Stadionbesucher noch ein letztes Mal betonen. Die Zuschauer hatten ein sehr gutes Gespür, wenn jemand ihre Unterstützung brauchte, egal welcher Herkunft der- oder diejenige war.
Drei Weltrekorde haben wir in Berlin mit verfolgen können. Das ist eine sehr gute Quote für eine WM. Usain Bolt errang gleich zwei davon, über die 100 und über die 200 Meter. Er ist sicherlich der ganze große Star dieser WM. Wie in Peking konnte er drei Titel gewinnen (den dritten mit der 100 Meter Staffel). Er ist medienwirksam und gut für das Publikum. Über seine Showeinlagen lässt sich streiten, das ist Geschmackssache. Letztlich hat aber auch er dazu beigetragen, dass die WM ein Medienerfolg war.
Falls ihr mich heute in der ARD als Experten für den 5000 Meter Lauf gesehen habt, habt ihr sicher bemerkt, wie heiser ich vom Anfeuern war. Die Tage in Berlin waren sehr schön, allerdings bin ich auch ein wenig froh, jetzt wieder nach Hause zu kommen, damit sich meine Stimme wieder erholen kann. Ich werde jetzt noch weitere Behandlungsmöglichkeiten für meine Fußverletzung ausprobieren. Immerhin kann ich mittlerweile schmerzfrei gehen, was in den letzten Monaten eine Seltenheit war. Ich hoffe, dass man mich bald auch wieder auf einer Laufbahn im Stadion sehen kann.
Mir hat es wirklich großen Spaß gemacht, für Euch zu schreiben und von der WM in Berlin zu berichten.
Euer Jan Fitschen
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