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(Gewichtheben)
Heidelberger Gewichtheber jubelt bei Ausscheidungskampf / Team-Peking-Kollege Mazur muss Karriere beenden
Heidelberg. Jörg Mazur wirkt ganz locker. Dabei ist das, was der 30-Jährige da im Plauderton erzählt so ziemlich das Schlimmste, was einem Leistungssportler passieren kann. Kurz vor dem Karrierehöhepunkt macht eine Verletzung den größten Traum zu nichte. "Ich war erstmal drei Wochen bei meiner Familie in Lörrach, habe viel nachgedacht", erklärt der Gewichtheber, der endlich einmal bei den Olympischen Spielen dabei sein und danach seine sportliche Karriere beenden wollte.
Vor vier Jahren bremste den 105-Kilo-Mann des Teams Peking der Metropolregion Rhein-Neckar eine Knieverletzung aus. "Mein Gepäck war schon auf dem Weg nach Athen." Aufgegeben hat der gelernte Verwaltungsfachangestellte nicht. Das ist nicht sein Ding. "Glück heißt für mich, ein Talent zu besitzen und dieses auch ausleben zu können", hat Jörg einmal gesagt. Das hieß für den Sportsoldaten jahrelang knochenhartes Training, in dem mit zig Tonnen hantiert wurde. Belohnt wurde er unter anderem mit dem Junioren-WM-Titel und deutschen Meistertiteln. Doch statt sich in Peking mit den Besten der Welt messen zu können, muss Jörg jetzt umdenken. "Die Verletzung ist nicht besonders schlimm. Bei einem Wettkampf Anfang Juni in Udine habe ich mir einen Teilriss der rechten Ellbogensehne zugezogen", berichtet er nüchtern. "Ich kann den Arm ganz normal bewegen und auch Gewichtheben. Aber eben nicht 100 Prozent." Genau die sind jedoch bei Lasten von bis zu 220 Kilogramm im Stoßen vonnöten.
So ganz lassen kann der 30-Jährige aber von der Schwerathletik nicht. Am Freitag hat er französische Heber nach Heidelberg kutschiert. Dort ging es gestern in der Halle des Olympia-Stützpunktes um die letzten Tickets nach Peking. Eines davon hat Team-Peking-Kollege Jürgen Spieß gelöst. Die Norm lag für den 24-Jährigen bei 373 Kilogramm im Zweikampf aus Reißen und Stoßen. Doch die überbot der Heidelberger gleich mal um fünf Kilo, stellte im Reißen mit 173 kg eine neue persönliche Bestleistung auf und scheiterte im Stoßen nur knapp an 210 kg. "Ich hebe unheimlich gerne vor heimischem Publikum. Es spornt mich an, wenn meine Freundin, meine Familie und Bekannte da sind", erklärt Jürgen. Doch nicht nur die Spieß' füllten die OSP-Halle. 1000 Zuschauer feuerten die Schwerathleten an. Und sahen tollen Sport. Matthias Steiner, Vize-Europameister und die größte Medaillenhoffnung der deutschen Gewichtheber, zeigte sich in bärenstarker Form und packte eine höhere Last, als bei seiner EM-Silbermedaille. "Jetzt kann Peking kommen", freute sich der eingebürgerte Österreicher, der im Reißen 201, im Stoßen 250 kg zur Hochstrecke brachte. Und das, obwohl der Superschwergewichtler bereits für Olympia nominiert ist.
Angesichts des großen Zuschauerinteresses und der guten Leistungen wurden die Hoffnungen des Gewichtheber-Verbandes übererfüllt. "Es hat eine tolle Stimmung geherrscht, es war einfach eine gelungene Veranstaltung", freut sich Jörg Mazur und drückt seinem Kumpel Jürgen Spieß für Peking beide Daumen.
Quelle: Jan Kotulla - Mannheimer Morgen
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