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Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) kündigt Bundestrainer Werner Goldmann wegen dessen Verstrickungen in das Dopingsystem der DDR.
Gegen Ende des abgelaufenen Jahres stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland konjunktur- und saisonbedingt auf 3,1 Millionen. Das sind über 100.000 mehr als im November. Einer von diesen 100.000 ist Werner Goldmann. Der Trainer vieler herausragender Werferinnen und Werfer gehörte in den letzten beiden Jahrzehnten zu den Erfolgsgaranten der deutschen Leichtathletik. Wenn DLV-Athleten bei internationalen Meisterschaften überhaupt mal das Siegerpodest betraten, so waren es vor allem die Werfer, für die das Deutschlandlied durchs Stadion hallte. Hinter diesen stand oft Werner Goldmann. Nomen est omen.
Wer das Ganze vor dem Fernsehschirm verfolgte, kam rasch zu dem Urteil, dass Werner Goldmann nicht nur erfolgreich ist, sondern auch ein ziemlich netter Kerl. Er kam in den Interviews sympathisch rüber, ein fachkundiger Leisetreter, jemand mit mehr Sein als Schein. In einer Gesellschaft, in der jeder, der seinen Vornamen buchstabieren kann, zum Superstar wird, wenn es denn die Marketingstrategen wollen, ist so jemand die Ausnahme. Als er seinen Schützling Robert Harting, Diskuswerfer vom SCC Berlin, auf eigene Kosten nach Osaka zur WM 2007 begleitet, wo dieser dann überraschend Zweiter wurde, vermittelt er das Bild eines bescheidenen Menschen, der aufopferungsvoll seine Arbeit macht und dem es dabei einzig um die Sache geht. Ein ehrlicher Malocher vom alten Schlag.
Jetzt wissen wir: Das mit dem alten Schlag kommt hin. Denn Werner Goldmann war tief ins DDR-Dopingsystem verstrickt. Noch vor den Olympischen Spielen in Peking hatte der Trainer erklärt, zu keinem Zeitpunkt Athleten mit verbotenen Substanzen versorgt zu haben. Doch dann meldet sich mit Gerd Jacobs ein ehemaliger Kugelstoßer und behauptet, von Goldmann das Dopingmittel Oral-Turinabol bekommen zu haben. Goldmann hatte dies indirekt eingestanden, noch bevor es Richtung China ging. Erst jetzt kommt der DLV zu einer abschließenden Bewertung des Falls. Die ist für Goldmann negativ. Konsequenz: Der Verband kündigt seinem Bundestrainer. Zudem verlangt das Bundesinnenministerium von Goldmann die Rückerstattung der Reise- und Aufenthaltskosten für die Olympia-Mission.
Das wirklich Gemeine an der Affäre: Nicht nur Goldmann stolpert über seine Vergangenheit, auch sein Schützling Harting ist betroffen – ohne (bezahlten) Trainer geht es für ihn ins WM-Jahr.
Schwer trifft es aber auch den DLV selbst, denn nun drängen sich einige Fragen auf: Warum reagierte der Verband so spät (sprich: nach Olympia)? Strahlen (potenzielle) Medaillen am Ende doch heller als die weiße Weste in Sachen Doping? Und vor allem: War es das nun mit der Enthüllungsseifenoper „Leichtathletik“, die uns seit nahezu zwei Jahrzehnten vorgeführt wird?
Schließlich betreibt der „Fall Goldmann“ auch für die Weltmeisterschaft im August diesen Jahres in Berlin alles andere als Imagewerbung. So lautet die wohl tragischste Konsequenz, dass es den langen Schatten der DDR auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch gelingt, eine Veranstaltung in der einstmals geteilten Stadt zu verdunkeln. Traurig.
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