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Deutschlands Sportler sind besser als ihr Ruf

07.08.2008
Turnen: Deutschlands Sportler sind besser als ihr Ruf
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Turnen) Das oft zitierte olympische Motto sagt, Dabeisein ist alles. Aber das ist doch eben nicht alles, denn in Erinnerung bleiben am Ende meist nur die Olympiasieger und Medaillengewinner. Diese deutschen Sportler können sich ernsthafte Hoffnungen auf den obersten Platz auf dem Treppchen machen.

Das oft zitierte olympische Motto sagt, Dabeisein ist alles. Aber das ist doch eben nicht alles, denn in Erinnerung bleiben am Ende meist nur die Olympiasieger und Medaillengewinner. Diese deutschen Sportler können sich ernsthafte Hoffnungen auf den obersten Platz auf dem Treppchen machen. 

Mit erdrückenden Erwartungen wollte die 439 deutschen Athleten vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Peking offenbar niemand belasten. „Wir brauchen nicht einen bestimmten Platz in der Nationenwertung, aber den Willen, die Faszination und das Glück, das aus dem Streben nach Leistung entsteht“, formulierte Innenminister Wolfgang Schäuble. Da die Bundesregierung den Sport auch dieses Jahr mit rund 200 Millionen Euro fördert, war ein deutlicher Nachsatz aber unvermeidlich: „Es tut unserer Gesellschaft gut, wenn wir sportlich erfolgreich sind.“

Thomas Bach, Chef des nach dem schwachen Abschneiden 2004 in Athen gegründeten Deutschen Olympischen Sportbundes, rief denn auch gleich drei hehre Ziele aus: „Erstens, sportlich möglichst erfolgreich zu sein. Das heißt, den Abwärtstrend seit 1992 zu stoppen. Zweitens, die Erfolge sauber zu erringen. Drittens, als ,Team Deutschland‘ gute Botschafter unseres Landes zu sein.“

Platz sechs in der Nationenwertung wie in Athen (13 Goldmedaillen) ist auch in Peking mindestens wieder möglich. Zieht man die Ergebnisse des Vorjahres für eine Prognose heran, könnte Deutschland diesmal sogar auf Rang vier landen. Denn es existieren 28 Goldchancen, wie folgende Übersicht zeigt:

Turnen
Nachdem Fabian Hambüchen (21) schon bei der Heim-WM 2007 am Reck triumphierte, verbesserte der 1,63 Meter große Turner aus Wetzlar den Schwierigkeitsgrad seiner Übung so sehr, dass er bei fehlerfreier Präsentation nahezu unschlagbar ist. Nach dem Verletzungsausfall von Athen-Sieger Paul Hamm (USA) ist sogar im Mehrkampf ein Erfolg nicht undenkbar.

Reiten
Deutschlands Glück lag schon immer auf den Rücken der Pferde, auch bei den nach Hongkong ausgelagerten Reiterspielen wird eine sehenswerte Bilanz erwartet. Isabell Werth peilt in der Dressur weitere Olympiasiege an (bisher ein Einzel und drei Mannschafts-Gold), bei den Springreitern ist Meredith Michaels-Beerbaum ebenfalls zu einem Doppelschlag fähig. Und die Vielseitigkeitsreiter brennen auf die Revanche für den Skandal in Athen, auch wenn Bettina Hoy wegen einer Verletzung ihres Pferdes diesmal nicht dabei sein kann.

Fechten
Nicht nur Florett-Champion Peter Joppich wird der ganz große Wurf zugetraut, im Degen-Wettbewerb startet Britta Heidemann als amtierende Weltmeisterin. Die Kölnerin spricht als einzige deutsche Teilnehmerin fließend Chinesisch und wird im Gastgeberland auch von einer dortigen Agentur vermarktet. Wahrscheinlich ist Heidemann in China sogar bekannter als in ihrer Heimat. Auch weil sie davor warnt, China mit allzu viel Kritik vor den Kopf zu stoßen: „Olympia bietet vielen Chinesen doch erst die Chance, etwas anderes kennenzulernen.“ Zudem sei das Streben nach westlichen Standards inzwischen sogar im Alltag zu erkennen: „Einige Chinesen heiraten jetzt nicht mehr wie üblich in Rot, sondern in Weiß, obwohl es dort eigentlich eine Farbe der Trauer ist.“

Kanu
Andreas Dittmer strebt im Canadier den vierten Olympiasieg in Folge an, ist daher auch als Fahnenträger für die Eröffnungsfeier im Gespräch. Aber auch der Rest der Flotte zählt schon traditionsgemäß zu den größten Hoffnungsträgern: Die Frauen-Boote mit Fanny Fischer, der Nichte der achtmaligen Olympiasiegerin Birgit Fischer, ebenso wie die Männer-Zweier Rauhe/Wieskötter und Gille/Wylenek. Zudem ist im Wildwasserkanal mit Weltmeisterin Jennifer Bongardt zu rechnen.

Tischtennis
Jahrelang ärgerte Timo Boll die Chinesen in ihrem Lieblingssport und galt als sportlicher Staatsfeind Nummer eins, sodass sich die Olympiagastgeber Doubles des Deutschen heranzogen, die im Training sein Spiel kopieren sollten, damit sich die Topleute darauf einstellen konnten. Denn an der Platte soll es unbedingt einen Heimsieg geben, schließlich waren die 8000 Eintrittskarten fürs Finale als erster Wettbewerb überhaupt ausverkauft. Ausgerechnet im Olympiajahr wurde Boll nun aber von einer Knieverletzung zurückgeworfen, weil er die konditionelle Überlegenheit abarbeiten wollte. Doch Boll glaubt, sich nun rechtzeitig erholt zu haben. „Es muss kein schlechtes Omen sein. Die anderen haben eine sehr lange Saison hinter sich, die haben schon nach einer Pause gejauchzt. Diese Schwäche kann in Peking entscheidend sein.“

Rad
Bei der Tour de France überzeugte Stefan Schumacher aus Nürtingen beim Zeitfahren, das macht ihn auch für Peking zum Favoriten. Die Berlinerin Hanka Kupfernagel könnte am ersten Wettkampftag sogar für einen furiosen deutschen Auftakt sorgen. Auf dem Mountainbike gehört Sabine Spitz seit Jahren zur Weltspitze.

Schwimmen
Britta Steffen hat Franziska van Almsicks Trainer und deren Psychologin übernommen, um Deutschland das erste Schwimmgold seit 1992 (Dagmar Hase) zu ermöglichen. Dafür muss die Berlinerin Australiens Weltrekordlerin Libby Trickett bezwingen. Zu den Favoriten zählt auch Thomas Lurz bei der Premiere des Zehn-Kilometer-Rennens im offenen Wasser – weil der Würzburger mit 3000 Trainingskilometern im Jahr umfangreich wie kein anderer trainiert. Und im Turmspringen gilt Sascha Klein als Geheimtipp. Mit dem weltweit schwersten Programm überraschte der Aachener die Chinesen schon im Frühjahr bei der Einweihung des Wasser-Würfels.

Judo
2004 sorgte Yvonne Bönisch für den erlösenden ersten Sieg, den die Potsdamerin nun wiederholen will. Nach einer Schulterverletzung schonte sie frühzeitig in der Saison ihre Kräfte für Peking mit dem Segen des Trainers Axel Kirchner, auch wenn sie inzwischen nicht mehr mit ihm liiert ist. So musste sich die 27-Jährige nicht so oft auf 57 Kilogramm runterhungern.

Gewichtheben
Vor vier Jahren gingen Deutschlands Kraftsportler leer aus, diesmal lässt Matthias Steiner auf Edelmetall hoffen. Das 140-Kilo-Schwergewicht verließ 2004 Österreich und saß eine dreijährige Startsperre ab – aus Liebe zu einer Chemnitzerin, die dann aber im vergangenen Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam. Steiner blieb dennoch in seiner neuen Heimat. „Susann wollte, dass ich das mache, hat mich immer unterstützt. Ich konnte da nicht aufgeben, sonst hätte doch alles keinen Sinn gehabt."

Schießen
Eineinhalb Millionen Deutsche sind in Schützenvereinen organisiert, der Beste von ihnen ist ohne Frage Ralf Schumann (46) aus Stockheim in Unterfranken. „Schützen-Schumi“ (so heißt seine Internetseite) hat schon dreimal Olympia gewonnen und auch diesmal zählt er mit der Schnellfeuerpistole zu den Favoriten. Auf mentales Training verzichtet Schumann, er vertraut Gott. Auf seiner Schützenkappe ist am Hinterkopf zu lesen: „Jesus lebt“.

Spielsportarten
Teamgeist war schon immer eine Stärke der Deutschen, das wollen die jeweiligen Mannschaften auch in China unter Beweis stellen. Beide Hockey-Teams, die Handballer und auch die Fußball-Frauen haben sich den Turniersieg zum Ziel gesetzt

Quelle: Berliner Morgenpost



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Kommentare
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Eintrag vom 19.08.08, 18:26
439 Teilnehmer, das klingt viel, ist aber wenig für so eine Sportnation wie Deutschland. Zum Großenteil sind es Mannschaften, die die große Teilnehmerzahl erwirken: Handball (F,M), Fußball (F), Hockey (F,M), Basketball (M), Volleyball(M), Wasserball (M). Das sind gute 25 % der Teilnehmer, ddazu noch sochlche Sportarten vwie Rudern oder Kanu, dann sieht man das Dilemma: viele Teilnehmer aber nicht überall mehr vertreten wie Boxen, Leichtathletik oder Gewichtheben.
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