(Schwimmen)
Die Weltrekorde purzeln, aber die deutschen Schwimmer erreichen immer seltener überhaupt die Finalläufe. Die Schwimmnation Deutschland liegt am Boden! Woran liegt das? Hier meine Meinung im Video. Film ab.
Was ist los im deutschen Schwimmsport? Fehlt die Motivation, das Geld oder beides? Im Video geb einfach mal meine Meinung ab!
Euer Jens
Und hier der Text zum nachlesen.
Experte Jens Kruppa im Interview mit Lars Conrad
Lars: Hier im Haus der Champions begrüßen wir heute Jens Kruppa, Bronze-Medaillen Gewinner 2000 in Sydney und natürlich auch Silber-Medaillen Gewinner in der Lagen-Staffel bei Olympia 2004 in Athen. Herzlich Willkommen Jens.
Jens: Danke Lars. Du warst ja in Athen auch mit von der Partie bei der Lagen-Staffel und Du hast quasi das ganze Ding nach Hause geholt. Lars, danke dass ich hier sein darf.
Lars: Jens, sag wie bewertest Du die heutigen Leistungen der Schwimmer?
Jens: Ja, man muss schon sagen dass die Vorlaufleistungen der Schwimmer von heute lassen schon etwas zu wünschen übrig. Wenn man da einen Helge Meeuw sehe, der teilweise die Weltrangliste angeführt hat und sich sicher auch selber eine Medaille errechnet hat, und der selbige im Vorlauf ausscheidet, dann glaube ich, kann man das nicht mehr gut reden. Weiterhin Thomas Rupprath, einer der Leistungsträger im Deutschen Schwimmverband über Jahre in hinweg, ist leider auch ausgeschieden. Und das mit einer, ja ich muss es so sagen, indiskutablen Leistung, mit einer Zeit über 55 Sekunden. Ansonsten können wir als positiven Akzent Paul Biedermann vermerken. Er hat es ins Halbfinale geschafft und ich denke auch das er mit der guten Performance, die er bisher hier abgeliefert, auch ins Finale einziehen wird.
Antje Buschschulte hat es über 100 Meter Rücken auch geschafft ins Halbfinale einzuziehen. Ansonsten ist heute nicht allzu viel passiert und man könnte jetzt sagen das war’s, aber nein ich muss leider auch noch den ganz „wunden Punkt“ ansprechen – die 4-x-100-Meter-Freistil-Staffel der Herren. Ich glaube da hat man schon ein wenig darauf gehofft, dass hier der Weg nach vorn führt. Aber das Konzept, welches wir uns als Deutscher Schwimmverband zurechtgelegt hatten, ist leider nicht aufgegangen und es ist nur eine Zeit von 3:17,99 Minuten und damit, ich bin mir nicht ganz sicher, der vorletzte Platz herausgekommen. Ich glaube aber wiederrum, dass das auch zeigt das da noch viel Luft nach oben ist und diese werden wir nun versuchen den anderen „wegzunehmen“ und in vier Jahren werden wir weiter oben stehen!
Lars: Ja Jens, phantastisch. Aber fass doch mal bitte kurz in zwei Sätzen zusammen, wo glaubst Du lagen die Ursachen, für das Deiner Meinung nach, desolate Abschneiden der deutschen Mannschaft.
Jens: Also ich denke weniger das es an der persönlichen Vorbereitung liegt, sondern ich glaube es ist vielmehr ein Motivationsproblem. Wir haben ja in Deutschland allgemein ein Luxusproblem, da jeder denkt der in Deutscher Meister geworden ist: „Jetzt bin ich ein Großer im Schwimmsport!“ Nein, so einfach ist es nicht! Wir müssen uns schon mit der Weltspitze messen und eben dieses Messen an der Weltspitze ist leider in Deutschland etwas ins Hintertreffen geraten, so das wir dem Nachwuchs und den jungen Sportlern mitteilen müssen: „Orientiert Euch bitte an ganz vorn und nicht an der deutschen Spitze“, denn die deutsche Spitze ist im Moment nichts und nichts wert. Insofern, den Blick auf die „wahre Elite“ richten und dann wird’s auch wieder was!
Lars: Sag mal Jens, wie bewehrtest Du denn als Experte, die immer wiederkehrende Kritik an unserem Teamchef Örjan Madsen?
Jens: Herr Madsen ist natürlich ein Typ mit Ecken und Kanten. Er kann hinten wie vorn und rechts wie links. Er ist ein Typ der kann Libero, wie auch Sturm spielen. Aber nein, jetzt mal im Ernst. Örjan Madsen ist wirklich ein unbequemer Typ, aber er hat natürlich fachlich sehr viel bewegen können im Deutschen Schwimmverband. Sein Konzept mit dem Höhentraining ist in Peking leider nicht ganz aufgegangen, da im Vorfeld dem Verband auch die finanziellen Mittel dafür ein wenig ausgegangen sind. Deshalb ist dann wieder viel auf fakultative Arbeit der Sportler bzw. der Vereine abgelagert wurden und somit konnte das Konzept nicht vollständig in seinem Sinne umgesetzt werden. Ferner glaube ich aber auch dass er neue Impulse in den Deutschen Schwimmverband hineingebracht hat und auch Teile der zukünftigen Veränderungen sind ihm zuzuschreiben.
Lars: Jens, Du hast die Motivationsprobleme gerade schon einmal angesprochen. Ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass die Motivation absolut grandios ist. Und eben hast Du auch erwähnt, dass die finanziellen Probleme des Verbandes Madsens Pläne nicht ganz aufgehen ließen. Was glaubst Du denn, welche Rolle spielt Madsen denn im DSV?
Jens: Ja, Herr Madsen spielt momentan im DSV noch eine Hauptrolle, aber sein Vertrag läuft ja nun nach den Olympischen Spielen aus und wird auch nicht verlängert werden, weil, wie ich glaube, er sich lieber wieder auf seine heimatliche Insel zurückziehen wird und sich den Stress im Deutschen Schwimmverband, nicht mehr antun wird.
Um deine finanzielle Frage zurückzukommen. Ich glaube schon dass man für die Schwimmer monetäre Anreize setzen sollte, z.B. eine finanzielle Grundabsicherung von mind. 1500 Euro anzubieten, für die Sportler die aktiv in der deutschen Nationalmannschaft Leistung bringen und vorne mit dabei sind. Einfach damit diese Sportler die Grundbedürfnisse abdecken können und dann sollten ferner Leistungsprämien angeboten werden. So funktioniert es ja auch in anderen Nationen. Wenn man z.B. betrachtet das in Deutschland ein Olympiasieger 15.000 Euro bekommt und in ein Sportler für dieselbe Leistung 200.000 Dollar erhält, muss ich Euch den finanziellen Unterschied nicht mal mehr genau ausrechnen und man sieht schon, dass die (zumindest die monetäre) Motivation für den Sportler aus Weißrussland um einiges höher ist.
Lars: Jens, Du als bekennender Experte, was traust Du der deutschen Schwimmmannschaft hier bei den Olympischen Spielen in der kommenden Woche noch zu?
Jens: Ich glaube nicht dass die deutsche Mannschaft sich aufgeben wird, denn sie glaubt an sich! Und das deutsche Team hat nicht nur einen aufgesetzten Mannschaftsgeist, sondern auch einen inneren und den muss sie wieder finden und richtig raus lassen. Wenn das geschieht, dann glaube ich, ist die deutsche (Schwimm-)Nationalmannschaft zu großen Taten in der Lage. Ich hoffe das Beste für sie und drücke auch der gesamten Mannschaft meine Daumen. Sollten sie Hilfe brauchen, dann haben sie ja meine Telefonnummer und sie können mich gerne jederzeit anrufen und ich stehe dann gern mit Rat und Tat zur Seite.
Lars: Ich glaube diesem Statement, von unserem Experten Jens Kruppa, kann man nicht viel mehr hinzufügen und ich sage nur noch eines: „Drückt der deutschen Mannschaft die Daumen, denn das können wir gebrauchen!“
Vielen Dank!
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