Am 7. November begannen die DVV-Männer mit der Vorbereitung auf die Vor-Olympia-Qualifikation in Tourcoing/FRA (23. bis 27. November). Dann ist nicht mehr Raúl Lozano der verantwortliche Trainer, der DVV trennte sich am Wochenende zuvor von dem Argentinier. Junioren-Bundestrainer Stewart Bernard, der ehemalige Nationalspieler Ralph Bergmann (Co-Trainer) und der zur Zeit verletzte Stefan Hübner werden
War die Trennung die einzige Lösung?
Andrae: „Die einzige Lösung sicherlich nicht, aber es war in dem Augenblick die beste. Gerade hinsichtlich London 2012 und der Qualifikation musste man einfach einen Schnitt machen. Wäre Raúl geblieben, hätte man das Ganze erst ein paar Tage aufarbeiten müssen und danach evt. doch die Trennung vollzogen.“
Was war das konkrete Problem?
Andrae: „Es gab nicht ein konkretes Problem. Das deutlichste Manko war die Kommunikation, die einfach nicht mehr so gestimmt hat. Es gab Vorfälle, die gezeigt haben, dass wir andere Philosophien vertreten.“
Und seit wann tat sich dieser Graben auf, erst bei der enttäuschenden EM?
Andrae: „Kleinigkeiten spürten wir schon vorher. Grundsätzlich macht man so etwas aber erst an negativen Ergebnissen aus. Beim 8. Platz bei der WM, wo wir auch nicht unsere Leistung brachten, wurden wir durch das Spielsystem belohnt. Die EM war dann ernüchternd. Man hinterfragt danach alles, und dabei kommen kritische Punkte heraus. Und es wurde offensichtlich, dass es auch mit dem Trainer ein großes Problem gibt.“
Liegt denn allein bei Lozano die Schuld? Jetzt sind die Spieler bei der Vor-Olympia-Qualifikation in der Pflicht. Ist der Druck jetzt höher geworden, weil keine „Ausrede“ mehr da ist?
Andrae: „Das ist das Allerwichtigste. Es sind jetzt nicht alle Probleme gelöst. Wir müssen uns als Mannschaft hinterfragen. Wir haben nicht die Leistung gebracht, zu der wir fähig sind. Gerade jetzt stehen die Spieler noch mehr in der Eigenverantwortung als vorher. Jetzt liegt ein großer Druck auf den Spielern, zu Recht. Wir müssen positiv nach vorne gehen und als Team zusammen arbeiten. Das ist das wichtigste. Und wenn das klappt, dann läuft das auch wieder.“
Wie beurteilen Sie die Interimslösung Stewart Bernard, Ralph Bergmann und Stefan Hübner?
Andrae: „Das ist für die kurze Zeit, die man hat, eine gute Lösung. Alle drei kennen die Spieler, Stewart als Co-Trainer, Ralph und Stefan als Spieler. Sie wissen, wie sie mit uns umgehen müssen, und es geht in der kurzen Zeit darum, dass man das Team zusammen fügt und die Abstimmung trainiert. Auch die Arbeit mit dem Psychologen Wolfgang Klöckner ist wichtig, die Freude und der Spaß müssen zurück kommen. Es ist eine sehr zeitintensive Arbeit, es wird anstrengend, aber ich hoffe, es lohnt sich.“
Worauf muss jetzt der Schwerpunkt in der Trainingsarbeit gelegt werden?
Andrae: „Alle kommen von den Vereinen und sind nicht untrainiert. Das Zusammenspiel und die Abstimmung sind wichtig, wir haben noch Trainingsspiele gegen Holland. Und viel Arbeit für den Kopf.“
Und wie geht es nach dem Turnier in Frankreich weiter, welches Profil muss der neue Trainer mitbringen?
Andrae: „Das ist eine schwierige Frage. Es wird schwierig sein, jemanden zu finden, der in Deutschland tätig ist. Da kann ich mich jetzt auch nicht beschäftigen. Nach dem Turnier in Frankreich sollte sich vor allem der Verband Gedanken machen und das regeln. Wir müssen uns gut präsentieren und eine gute Qualifikation spielen, dann schauen wir weiter.“
Die DVV-Männer haben – egal wie das Turnier in Frankreich endet – die große Qualifikationschance vom 8. bis 10. Juni 2012 in Berlin. Ist der große Erfolg von Düsseldorf 2008 wiederholbar?
Andrae: „Ich traue es uns auf jeden Fall zu. Es ist ein gewisses Déja-vu. Auch vor Düsseldorf hatten wir ein wenig Probleme mit Spielern, die nicht da waren und dann zurück geholt wurden. Es kann uns einen Push geben. Wir müssen uns jetzt zusammen reißen. In Düsseldorf wussten alle, was sie zu tun hatten und haben sich gegenseitig unterstützt. Rein vom spielerischen Potenzial ist es auf jeden Fall möglich.“
Was sagen Sie zu den DVV-Frauen, die gerade beim World Cup ihre erste Olympia-Qualifikationschance wahrnehmen wollen. Verfolgen Sie das?
Andrae: „Ja, ich verfolge die Spielberichte und habe gesehen, dass sie nach zwei Siegen knapp gegen Brasilien verloren haben. Ich wünsche Ihnen, dass sie es packen, es gäbe nichts Geileres, wenn sie sich jetzt schon qualifizieren könnten. Aber es ist sehr schwer gegen Teams wie USA, Brasilien oder Italien. “
Können die DVV-Männer von den DVV-Frauen etwas lernen?
Andrae: „Die Frauen können ein Vorbild für uns sein, allein von der Außenwirkung, aber natürlich auch bezüglich des Erfolges. So wie sie sich bei der EM präsentiert und Leistung gezeigt haben, da ziehe ich nur den Hut.“
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