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Alpencross 2008 - 3. Tag

30.07.2008
Mountain Bike: Alpencross 2008 - 3. Tag
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Mountain Bike) von Nauders über den Alpenhauptkamm ins Südtiroler Vinschgau. Traumhafte Blicke vom Plamort über den Reschensee auf die Ortler Region. Phantastische Abfahrt von Glurns nach Goldrain über den legendären Vinschgauer Zugtrail.

der 3. Tag unseres Alpen Cross sollte einer der emotionalsten und eindrucksvollsten werden. Wir wussten schon durch die Planung, dass wir heute großartige Momente erleben würden, aber das es der Art schön werden sollte hätten wir nicht erwartet.

Das erste Highlight nach der Auffahrt ist die Überquerung des Alpenhauptkamms. Für einen Alpencross immer der magische Moment, wenn man von Norden kommend den in dieser Region höchsten Punkt überschreitet um dann auf die Alpensüdseite zu fahren. Da es unser erster Alpencross war, hatten wir uns für eine mittelschwere Überquerung entschieden, die aber vom Eindruck den Klassikern in nichts nachsteht. Hier ein Eindruck von der Anfahrt auf den Plamort:

in unserem Fall war die ÜBerquerung des Alpenhauptkamms gleichbedeutend mit der ÜBerquerung der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien. Die stummen Zeitzeugen erzählen gruselige Geschichten über das was hier in den Kriegen alles passiert ist. Martialische Grenzanlagen, Schießscharten, Bunker und das über den gesamten Bergrücken. Es sind Zeugen aus einer anderen Welt, die man heute gar nicht mehr verstehen kann. Hier ein paar Bilder dazu:

danach ging es weiter Richtung Plamortspitze, was das 2. Highlight des Tages werden sollte. Ein eindrucksvoller Blick vom Plamort über den Reschensee in die Ortlergruppe. So etwas sagenhaftes hatte ich vorher noch nicht gesehen.

Wir haben beschlossen, dass diese Region, das Dreiländereck zwischen Ö, I und der Schweiz noch einmal für ein verlängertes Wochenende besucht werden muss. Die nächste Trailabfahrt sollte uns in dieser Entscheidung bestätigen. Aber erst einmal zurück zum Highlight Nr. 2. Die Plamortspitze muss im Bild fest gehalten werden. Schaut selbst:

Nachdem wir unsere Gefühle wieder einigermaßen eingefangen hatten suchten wir den Einstieg zum ersten Trail. Ich hatte ihn in der Tourenbeschreibung eines Schweizer Bikers gefunden, der glücklicherweise eine GPS Aufzeichnung davon gemacht hatte. Als ich unsere Vinschgauer Bikefreunde fragte, ob einer den Trail kennt oder schon mal gefahren ist, kamen ausweichende Antworten. Nie gesehen, kenn ich nicht, sieht gut aus, hab ich aber noch nicht gefahren. So in dem Stil waren die Antworten. So war es also ein bisschen Abenteuer, als wir vom Forstweg zwischen die Sträucher abbogen, ohne zu sehen, wohin der Weg führen würde. Es galt ca 450 hm zu vernichten und es war ein absoluter Top Trail, genau das richtige Gefälle mit genau dem richtigen Schwierigkeitsgrad für uns. Immer an unserer Leistungsgrenze und trotzdem super schön beherrschbar. Von Meter zu Meter ging es besser und flüssiger und wir surften wie auf Wolken Richtung Reschen. Stufen, Absätze, Wurzelteppiche und leicht verblockte Stellen, es war alles dabei. Perfekt. Zum Glück hatte Thomas die Bike-Video-Kamera startklar gemacht. Es wird also in Kürze auch bewegte Bilder geben. Solange müssen diese Standbilder reichen:

das Grinsen war bis runter zum Reschensee nicht mehr aus dem Gesicht verschwunden. Dieser Aufstieg lohnt sich also auf jeden Fall. Erst der emotionale Eindruck auf dem Plamort und dann die Trailabfahrt, klasse! Wie sagt der Münchner Kollege immer wieder mal: "earn your turn" Stephan, den hatten wir uns echt verdient!

Am See wurde es dann schnell wärmer, wir waren ja auch auf der Südseite der Alpen angekommen, und konnten die Windjacke und die Beinlinge wegpacken. Klar das man am Reschsee die touristischen Attraktionen im Bild festhalten muss. Wir haben aber ganz bewusst eine andere Perspektive gewählt als die ganzen Auto- und Motorradfahrer, die nur rechts auf dem Parkplatz anhalten und ein frontales Bild zu machen um dann gleich weiter zu fahren. Aber etwas kitschig wirkt es bei uns auch, obwohl wir nichts an den Farben getürkt haben, alles echt:

 

die nächsten 20km sollten wir in Rekordzeit zurück legen, es ging steil bergab ins Vinschgau. Dazu nutzen wir die die klassische Via Claudia, die vom Reschensee runter bis nach Glurns und dann noch weiter durchs Tal führt. Erst ab Glurns wird es etwas flacher. Glurns war auch unser Ziel, weil man dort in der Alten Post sehr gut essen kann. Aber dazu gleich mehr. Vorher stellte Thomas den Geschwindigkeitsrekord dieser Tour auf. Mit fast 70 Sachen donnerte er ins Tal. Ich bin ja mehr der Schisser und kam nur auf 63 km/h. Schade, dass kein Blitzer aufgebaut war.

dann noch ein paar Eindrück aus der Fahrt heraus fotographiert:

und die Einfahrt nach Glurns:

Glurns ist die kleinste Stadt Europas mit einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer. Für alle Reisenden gilt hier ein "must stop". Ein zuckersüßes Städtchen mit wirklich guter Küche in der Alten Post. Hier gab es erst einmal echte italienische Pasta ohne Ende:

 

Nach dem Mittag sind wir auf den Zugtrail eingebogen. Eine Strecke die wir schon aus einem früheren Besuch im Vinschgau kannten und die wir unbedingt mitnehmen wollten. Das war dann das 3. Highlight des Tages. Und wie der Zufall es wollte bogen wir genau im selben Moment in den Aufstieg ein, wie die Spitzengruppe der Transalp Challange 2008 um die Ecke geschossen kam. Bei dem härtesten MB Rennen der Welt bewältigen ca 600 Teilnehmer die 2er Teams, nur solche sind zum Start zugelassen, jedes Jahr ca. 18 - 22000 hm und 500-800 km. Eine unglaubliche Leistung und wer finisched ist schon ein Sieger. Das Rennen ist professionell organisiert und die Teilnehmer sind mind. Amateurebiker oder Halbprofis. Die Spitzengruppe sind reine Profis. Es hat Spaß gemacht mit den Cracks in den Berg einzufahren und der ein oder andere hatte sogar noch einen lockeren Spruch parat. Zufällig haben wir auch die Zwillingscraft Mädels gesehen, die an diesem Tag im Trikot der Vinschau Bike Company unterwegs waren. Das sind unsere Partner für unser Bikeprogramm auf der www.sportreisen.com. Als wir nach ca 350hm in den Zugtrail abbogen, musste der Troß noch ein Stück weiter hochfahren, aber wir sollten sie später bei einer Abfahrt noch einmal wieder treffen. Das sie uns reihenweise am Berg haben stehen lassen ist ja wohl klar. Wir im Tourentempo konnten da nicht mithalten. Dafür hatten wir mehr Spaß als wir das erste mal auf die Trails abbogen.

Der Zugtrail hat seinen Namen durch die Anfahrt bekommen. Man steigt irgendwo im Tal, entweder in Meran, oder Naturns oder in Goldrain in den Vinschgau Express und shuttelt mit dem Zug bis nach Schlunders. Von dort fährt man quer durchs Tal nach Glurns und steigt in den Berg ein. Dann fährt man immer zwischen 200 und 400 hm bergauf um dann im Wald parallel leicht abschüssig auf dem gut erschlossenen Wegenetz die Südseite der Vinschgauer Berge entlang zu surfen. Das funktioniert über eine Strecke von 30km ohne Probleme. Öfter mal fährt man über Privatgelände von Bauern, die ihre Zustimmung zur Nutzung gegeben haben deshalb sollte man sich vernünftig verhalten und auf den Wegen bleiben, dann wird uns dieser Trailspaß auch in Zukunft erhalten bleiben.

Wir bogen also nach links auf den ersten Waalweg. Waalwege sind Nutzwege der Vinschgauer Bewässerung. Bevor es die rießigen Beregnungsanlagen gab, wurde das Regen- und Schmelzwasser gestaut und je nach Bedarf über Kanäle an die Felder herangeführt. Diese Kanäle wurden entlang der Berge immer leicht abschüssig angelegt und führten das Wasser in gemäßigtem Tempo bergab, so dass man es mit einem Schieber in die Felder leiten konnte. Der Weg neben den Kanälen wird Waalweg genannt und ist ca 50-100 cm breit, die Kanäle sind ca 80 cm tief. So fährt man also auf einem etwas erhabenen Weg auf dem es zur Hangseite ca 80 cm runter und zur Talseite mehrer Meter weit runter geht. Eine einzigartige Konstellation! Hier mal ein typisches Foto:

Schön ist, dass man auch im Hochsommer im schattigen Wald fährt und somit auf teilweise wunderbar weichem und griffigen Boden unterwegs ist. Es gibt auch steinige Abschnitte, aber typisch für den Waalweg sind die moosbewachsenen Ränder und in der Mitte des Wegs der festere Untergrund. Nirgendwo habe ich bessere Trails erlebt, die bei so wenig Gefälle so ein Tempo zulassen und eine technische Anforderung stellt. Wer mehr dazu wissen möchte muss sich bis September gedulden, dann werden wir auf der www.sportreisen.com ein Bikeprogramm für den Vinschgau präsentieren, bei dem der Zugtrail fester Bestandteil sein wird!

Nachdem wir den ersten Trailabschnitt dahingesurft sind, gab es einen kurzen Anstieg zum Castell wo wir wieder auf die TAC Teilnehmer trafen. Da wir den kürzeren uns schnelleren Weg hatten, trafen wir wieder auf dieselbe Spitzengruppe wie beim Einstieg. Die Jungs und Mädels kamen den Berg heruntergedonnert auf haben auf schotterigem Forstweg perfekte Bikebeherrschung gezeigt. Sie waren so gut, dass ich vollkommen vergessen hatte, ein Foto zu machen. Aber wie die um die Kurven gezirkelt sind, das war schon große Klasse.

Für uns ging es weiter auf den Trails, die wirklich kein Ende nahmen. Hier mal ein paar Eindrück:

Thomas biegt um die Ecke und hat den Blick schon nach vorne gerichtet ...

 ... dadurch sieht er die Linie, die er fahren kann und ist früh mit dem Einlenken dran. Perfekt!

 

Ein Stück weiter geht es über einen Wurzelteppich, der auch mit dem Fully besser im Stehen zu fahren ist. Dann können die Arme "mitfedern" und ohne Tempoverlust geht es weiter. 

Bevor wir auf das letzte Teilstück einbogen haben wir noch einen Abstecher nach Prad gemacht, dort gibt es am Platz ein kleines schickes Cafe mit Johannisbeersaft Schorle, leckerem Cappuccino und verbotenem Kuchen (was Thomas nicht gestört hat). Und hier gab es für den Scanner-Men ein ganz persönliches Highlight, welches er sich nicht mit mir teilen musste, weil ich ja bestens versorgt bin.

 

und dieses hübsche Gebäude hat der Scanner erfasst ...

 

 aber jetzt wieder zum eigentlichen Grund unserer Reise und noch ein paar Eindrücke von diesen Jahrhunderttrails:

Spaß, Spaß, Spaß

wir hatten beide den Eindruck, dass wir die Trails flüssiger genommen hatten als bei unserer ersten Fahrt im Frühjahr diesen Jahres. Fast zeitgleich haben wir dann auch gesagt, dass wir dieses Mal über Stellen gefahren sind, die wir beim letzten Mal noch geschoben hatten. Besonders bei kurzen Gegenanstiegen, die technisch anspruchsvoll sind und wo oft nur ein Quentchen Kraft fehlt, waren wir jetzt besser drauf. Sowohl das gute Training vor der Tour, als auch die beiden letzten Tage haben noch mal Kraft gegeben, die wir jetzt gut gebrauchen konnten.

Als vorletztes Highlight gab es dann kurz vor Morter noch die Spitzkehren. Im Frühjahr haben wir keine einzige davon gefahren, nun konnten wir schon knapp die Hälfte flüssig durchfahren und ein paar engere mit kurzen Absetzern. Einige sind immer noch unfahrbar für uns. Aber wir kommen wieder! An dieser Stelle die besten Grüße an Matze vom www.vinschgaubike.com, der uns in seinem Fahrtechnikseminar viel beigebracht hat und uns diesen Spaß erst ermöglicht hat! Die Vinschgau Bike Guides sind halt die Besten!

Matze zeigt sich nicht so gern der Kamera, deshalb gibt es selten Bilder auf denen er zu erkennen ist. So auch auf diesem, das aus dem Frühjahr stammt ...

 

... oder auf diesem ...

aber wir zeigen ihn mal wie er wirklich aussieht ...

wer dieses markanate Bike Trikot im Vinschgau sieht, sollte dringend den Fahrer der darin steckt ansprechen und fragen wo es zu den Annaberger Böden geht.

Das letzte Highlight des Tages war die Ankunft im Etappenhotel. Da wir im Vinschgau drei Tage fahren wollten, konnten wir das Hotel für zwei Nächte buchen und haben uns das neu eröffnete Bamboo in Goldrain gegönnt. Ein sehr schönes Haus!

Beim Saftschorle im Cafe Vis a Vis genau neben dem Büro vom vinschgau bike ging einer der besten Biketage zuende die wir je erlebt hatten. Wir haben etliche Kilometer hinter uns gebracht und auch einiges an hm geschafft, aber die Erschöpfung die wir spürten war einfach nur klasse.

Heute haben wir ganz oft an Ingo, unsere dritten Tourteilnehmer gedacht, schade, dass du nicht dabei sein kannst, das wäre heute dein Tag gewesen. Aber wir werden wieder hierher kommen und dann rocken wir gemeinsam den Zugtrail!

Morgen geht es hoch zum Göflaner Marmorbruch. Den haben wir im Frühjahr nicht bis oben geschafft. Weil 250 hm vor dem Ziel der Schnee ein Weiterkommen verhinderte. Mal schauen wie sich der "Göflaner" morgen wehren will.

wer sich über Bikereisen oder Touren informieren möchte, kann dies ab September 2008 auf der www.bike-sportreisen.de tun, oder bei konkreten Fragen auch gerne eine E-mail an mich schicken, berlin@sportreisen.de

Hier noch die Leistungsdaten dieser Tour:

 

 

 

 

 



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