Thema 'Rettungstaucher'

Betreff:  Rettungstaucher
Autor:
Datum:02.09.08 22:37

hallo...

ich will die Ausbildung zum Rettungstaucher machen...
und jetzt wollte ich von "Erfahrenen" wissen was man alles drauf haben muss... ob man starke nerven braucht..usw.

vll. könnt ihr auch einfach von Erlebnissen als Rettungstaucher schreiben....
Ich würde mich sehr freuen

LG Steffi

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor:
Datum:03.09.08 10:43

Hi Stephanie.

Die Ausbildung zum DLRG Rettungstaucher dauert zwei Jahre und setzt Erfahrung im Wasserrettungsdienst und entsprechende Sporttaucherfahrung voraus. Grundlagen zur Ausbildung sind ferner das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen Silber, eine Sanitätsausbildung und eine Sprechfunkunterweisung.
Erst danach werden die Taucher zum Rettungstaucher ausgebildet. Die Ausbildung besteht aus einem praktischen und einem umfangreichen theoretischen Teil. Im praktischen Teil lernen die Taucher unter anderem speziell das Einsatztauchen, d.h. es wird in jeder Art von Gewässer getaucht, vom Baggersee bis Fluss (bei oft sehr schlechten Sichtverhältnissen). Es werden zum Beispiel verschiedenste Suchmethoden, das Retten von verunglückten Tauchern und leichte Unterwasserarbeiten geübt.
Die Rettungstaucherprüfung selbst, die zwei Tage lang dauert, besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil. Die Theorieprüfung ist ein umfangreicher Fragebogen und Knotenkunde. Die praktische Prüfung umfasst unter anderem diverse Tauchgänge, zum Beispiel Rettung eines bewusstlosen Tauchers aus 10 m Tiefe und anschließende Herz-Lungen-Wiederbelebung. Nach dieser Prüfung erhalten die Rettungstaucher dann ihre Rettungstauchlizenz, die ein Jahr gültig ist. Durch den Nachweis von Einsätzen und Übungstauchgängen unter Einsatzbedingungen wird deren Gültigkeit dann regelmäßig verlängert. Übrigens: der Rettungstauchschein der DLRG ist international als CMAS** anerkannt. 

Nur Mut und viel Spaß in der Ausbildung

Gruß Bernd

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor: Franca S.
Datum:18.09.08 16:36

Hallo Stephanie,

ich bin selbst Rettungstaucherin, habe mein Privee (Ausbildung) jedoch bei PADI gemacht. Die Ausbildung enthielt Theorie und Praxis, ... wenn man es an einem Stück durchzieht, Dauer ca. 10-12 Wochen bis zur Prüfung.

PADI haben ziemlich umfangreiche Auflagen, die Dir als zukünftige Rettungstaucherin beigebracht werden und auch sehr nützlich sein werden. Die Ausbildung ansich hängt natürlich immer von der zukünftigen Tauchschule ab. Ich würde mehrere Tauchschulen Deiner Wahl einfach besichtigen, mich umfassend über Dauer und Ausbildungsstandard informieren (wo finden die Unterwasser-Übungen statt? Schwimmbad/See?), kannst Du Dir die Bücher für die Theorie ausleihen und möchtest Du diese selbst kaufen? etc. - auch nach den Kosten für den Kurs fragen, die nicht unerheblich sind!

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sehr viel vom Ausbilder abhängt, z. B. ob er nur Dienst nach Vorschrift macht oder den Leutchen auch wirklich etwas beibringen will ... Viele Situationen ergeben sich aus der Gruppe (körperliche Konstellation, jüngere oder ältere Generation, Ausbildungsgrad (Urlaubstaucher oder Hardcore-bei-jedem-Wetter-im-See-Taucher?) und Ausbilder mit einer kreativen Ader bringen den Auszubildenden sicherlich mehr bei und nicht nur das Standard-Programm :-).

Mein Ausbilder ist auf jede Person individuell eingegangen und hat sich wirklich sehr viel einfallen lassen, um uns optimal auf die Ausbildung vorzubereiten, hat auch unter Wasser z. B. Kreationen mit einem Totenschädel (Karnevalmaske), Plastikhaien etc. aufgebaut, die erst aus kurzer Distanz zu sehen waren - und dort musste man den verunglückten Taucher retten ... und man anfangs nicht wusste, echt oder nicht?? Im ersten Moment ist man erstmal neugierig, vorsichtig, eventuell auch geschockt, man erfährt aber dadurch sehr viel über sich selber ... wie man Schock- oder Gefahrensituationen überhaupt gewachsen ist? Dafür war das grillen nach dem Tauchgang dann umso schöner, an dem wir unsere Erfahrungen ausgetauscht hatten - und der Hunger gestillt wurde :-).

Schwer ist der Kurs nicht, erste Hilfe etc. ist auch ein wichtiger Bestandteil, genauso wie einen verunglückten Taucher am Tag/bei Nacht zu bergen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Das "Schlimmste", was mir noch in Erinnerung ist: Ca. 10 Meter unter Wasser ca. 5 Minuten gegeneinander heftig zu "paddeln"/mit den Flossen, bis man so richtig ausser Atem und völlig k. o. ist. Man möchte eigentlich nur noch auftauchen - dass ist jedoch nicht erlaubt, sondern man muss den Streß unter Wasser bewältigen können, bis man wieder ganz ruhig atmet.

Du und Dein Übungspartner (Buddy-System wird bei PADI ganz groß geschrieben, d.h. ist ganz wichtig) mit kompletter Ausrüstung unter Wasser, die Köpfe zueinander, die Beine von Jedem nach hinten. Dann hebt man sich an den Armen fest, richtig eingehängt an den Unterarmen und jeder musste versuchen, gegen den anderen mit soviel Kraft als möglich zu schwimmen. Das kostete nicht nur enorm viel Kraft -unter Wasser hat man ja "nur" den Automaten im Mund und als i-Tüpfelchen mussten wir dann noch Wechselatmung machen. Sprich ein Automat für 2 Personen!! ... An der Oberfläche dachten Sie schon, der ganze See ist ein Whirlpool, da durch den erhöhten Pressluftverbrauch nur noch Blubberblasen zu sehen waren ;-)).

Aber durch solche Übungen erfährt man physisch und phsychisch seine Grenzen, die als Rettungstaucher sehr wichtig sind ... und das hat uns unser Ausbilder beigebracht. Es gibt nicht nur Sonntagstauchgänge, sondern auch Situationen, die richtig "brenzlig" sind!

Bergen, retten, "abschleppen" im Wasser, 1. Hilfe etc. - dass kann man alles lernen. Ungünstige Sichtverhältnisse, Nicht-alltägliche-Situationen, bergen nach Kompass/bei Nacht etc. ... dass sind dann die Erweiterungen, die einen guten Ausbilder ausmachen.

Aber es lohnt sich - ist meine Erfahrung!! Viel Spaß :-))

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor: Jan L.
Datum:15.12.08 16:02

Hi Franca,

das was du gemacht hast in kein Rettungstaucher.

 

Rettungstaucher ist eine Ausbildung die in Deutschland nur vom THW, der DRLG, der Feuerwehr und der Polizei gemacht wird und unterteilt sich in zwei Bereiche;

Einsatztaucher 1

Einsatztaucher 2

Hierbei wird das Tauchen an einer Leine etc gelehrt und umfasst auch wie schon beschrieben entsprechend viele Tauchgänge und Theorieeinheiten...

 

Das was viele Tauchorgansisationen machen wie Rescue Diver oder Stress & Rescue oder Tauchsicherheit und Rettung hat NICHTS mit dem Rettungstaucher zu tun sondern ist im Sporttaucherbereich nur ein Bereich der Eigen- und Fremdrettung im Tauchsport und nichts was in die Richtung bergen gehen könnte...

 

@ Stephanie

wenn du willst kann ich dir mal den Kontak zu einem Rettungstaucherausbilder herstellen der kann dir dann alle Fragen beantworten ;-)

 

lg,

jan

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor:
Datum:17.01.09 11:45

Richtig, ich war so eben auch vrwirrt.

 

es gibt glaube verschiedene wege und bezeichnungen für rettungstaucher - wobei der begriff an sich eine berufsbezeichnung ist und nur für die erste gruppe zutrifft.

zum einen sind das wie oben schon gesagt, leute, die von DLRG, Feuerwehr, Polizei und anderen uniformträgern ausgebildet werden. diese ausbildung ist hart und lang und beeinhaltet wirklich alles was man sich nur vorstellen kann. oder eben auch gar nicht vorstellen mag. auch hier gibt es natürlich gewissen unterscheide, ein armeetaucher muss andre sachen können als ein DLRG taucher - der wird eher selten zum bergen von material eingesetzt ;)

dann gibts bei PADI und ich denke auch bei SSI den sogenannten Rescue Diver, diese ausbildung dauert 3 bzw 4 Tage - kommt drauf an, ob du ein aktuelles CPR Zertifkat hast. mit gesundem menschenverstand, gewisser vorbildung und sportlichkeit ist das gut zu bewältigen. allerdings sagen einige, dass es ihnen auch ein wenig die lust am tauchen geschmälert hat - denn du hörst tagelang nur "was kann alles passieren und was muß ich dann tun" nix mit großfisch gucken!

eine mehrwöchige PADI Ausbildung is mir gar nicht bekannt, vielleicht hock ich ja auf dem schlauch?

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor:
Datum:20.03.09 16:20

hey...

vielen dank für eure tollen Tipps und Antworten und Erfahrungsberichte.
Aber für mich hat sich die sache erledigt, da mein Verein/ meine Ortsgruppe nicht daran glaubt dass ich das schaffen kann. Und nachdem keiner an mich glaubt oder hinter mir steht versuch ich es gar nicht...
Danke nochmal

LG Steffi

 
Betreff:  Aw:Rettungstaucher
Autor: Markus
Datum:19.04.11 18:37

Hi,

als ex-Rettungstaucher denke ich, wer die Einstellung hat,  "wenn keiner an mich glaubt, fang ich erst gar nicht an", sollte es besser lassen. Das "normale" Tauchen aber dann auch.

Wer sicher tauchen will, muss auch die Einstellung dazu haben, seine eigenen Grenzen kennen und wissen, wieviel Reserve bis zu dieser Grenze ist.

Rettungstauchen ist kein Abenteuerevent, zu dem man eben hin geht, wenn man Lust hat. Vor allem technischen, fachlischen und körperlichn Können, steht die Bereitschaft, sich dazu einzulassen. Unter Wasser ist der falsche Platz, seinem ersten Toten zu begegnen. Leider sieht die DLRG-Ausbildungsplanung die Psychische Vorbereitung nicht vor.

Und im Ernst. Zu Retten gibt es da für den Taucher nichts mehr.

LG Markus