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Die Kolumne von Eric Frenzel

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  • Eric Frenzel
In seiner aktuellen Kolumne schildert der Nordische Kombinierer Eric Frenzel wie komplex das Skispringen ist und warum man sich keinerlei Nachlässigkeiten erlauben kann.
Nach den ersten zwei Weltcupwochenenden in Kuusamo und Lillehammer mit meinerseits guten Ergebnissen stehen zwei wettkampffreie Wochen auf dem Kalender, die wir mit Heimtraining und einem Lehrgang in Lillehammer gefüllt haben. Im Fokus stand dabei ganz das Springen.

Während bei mir die Laufform schon sehr gut passt, hat zum Beginn einer Saison die Optimierung des Springens immer wieder oberste Priorität, Das liegt regelmäßig an den alljährlichen Veränderungen im Reglement und in der Verwendung neuen Materials. Man kann sagen, dass jede Saison die Karten, was den technischen Ablauf des Springens anbelangt, neu gemischt werden.

Das Springen selbst ist schon ein komplexer Vorgang, der sich in vier Phasen darstellen lässt. Die Anfahrt muss konzentriert angegangen werden, um auf Geschwindigkeit zu kommen. Nachlässigkeiten in der Hocke, zu viel Luftwiderstand und schon kommt man mit zu wenig Fahrt an den Schanzentisch und stürzt letztendlich ab. Dann kommt der Absprung, der nicht nur gut getimt sein will, sondern auch mit maximalem Katapult durchgeführt werden muss. Auch hier gilt: Wer den Punkt nicht exakt trifft oder nicht gut aus der Hocke kommt, verliert Meter und damit Strecke in der Loipe. Dann kommt die wichtige Übergangsphase vom Absprung in die Flugphase, schnell muss man sein „Flugsystem“ in die Stabilität bringen und später auch noch sicher zum Landen bringen.

Das Material spielt dabei eine erhebliche Rolle. Ist eine Bindung fester als im letzten Jahr, muss man sich damit erst mal arrangieren, denn über Bindung und Schuh steuere ich den Ski und beeinflusse entscheidende Weichenstellungen, wie zum Beispiel den Absprung und den Übergang in die Flugphase. Mit Materialänderungen beginne ich den gesamten Ablauf beim Springen neu einzuüben, bis die Prozesse automatisiert sind. Wie in der Formel 1 bei den Rennautos, müssen auch wir unser Equipment Jahr für Jahr aufs Neue abstimmen, deshalb sind die Trainingssequenzen auf den Sprunganlagen zu Beginn entscheidend für das, was in der restlichen Saison passiert. Meine Wettkampfsprünge in Lillehammer gingen schon in die richtige Richtung, jetzt muss ich mit Feingefühl die letzten Stellschrauben justieren. Bereits in Ramsau, dem nächsten Wettkampf unmittelbar vor Weihnachten, sollte ich in der Lage sein, ihn abzurufen: den idealen Sprung.

Bis dahin trainieren wir zu Hause oder in Skandinavien, auf normalen oder auf großen Schanzen, immer zielend auf die Optimierung des Sprungs.

Euer
Eric Frenzel

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