Sportnation Deutschland, wohin geht die Reise? Ist Deutschland überhaupt noch eine echte ‚Sportnation‘? Gregor von Opel, Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), die sein Vater 1951 mitgegründet hat, stellte sich im Interview für die Mitglieder der DOG nicht nur diesen, sondern auch noch vielen anderen dringenden Fragen in der Gemengelage von Sport, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Der Urenkel von Adam Opel, bekennender Befürworter einer deutschen Olympia-Bewerbung, formuliert klare Antworten – und Erwartungen. Unsere Redaktion erhielt die Genehmigung zur Übernahme der wichtigsten Passagen des Gesprächs zwischen dem Topfunktionär und Frank Schneller.
Die Deutsche Olympische Gesellschaft blickt auf eine lange Historie. Unter anderem wurde sie von Branchen-Insidern und Kennern der Sportszene viele Jahre respektvoll als das ’schlechte’ bzw. – je nach Perspektive ‚gute‘ Gewissen des deutschen Sports und der olympischen Bewegung bezeichnet. Wo verorten Sie die DOG heute?
Gregor von Opel: Die DOG wird hin und wieder als das „gute Gewissen“ des Sports bezeichnet – und das empfinde ich als Anerkennung unserer Verantwortung. Vom „schlechten Gewissen“ weiß ich allerdings nichts, denn unsere Gesellschaft arbeitet positiv, konstruktiv und lösungsorientiert. „Think positive“, wie man so schön sagt. Ja, in unserem Olympischen Feuer gab es immer wieder kritische Berichte – das gehört zu einer lebendigen Werteorganisation dazu. Aber die DOG ist nicht Mahner, sondern Förderer: Wir wollen unterstützen, verbinden, ermöglichen. Eine rein kritische Rolle steht uns nicht gut.
Sie haben sich in der Öffentlichkeit klar für eine deutsche Ausrichtung Olympischer Spiele ausgesprochen. Naheliegend ist aber auch, dass Sie sich nicht auf die Seite eines Bewerbers schlagen. Vier sind am Start. Erlauben Sie uns aber die folgenden Fragen zum Thema Olympia: Finden Sie es richtig, dass vier deutsche Bewerber um die Austragung buhlen und an eigenen Olympia-Konzepten arbeiten?
Natürlich ist die DOG absolut neutral und unterstützt alle Bewerber nach Kräften. Es wurde eine demokratische Lösung gewählt – und mit dieser arbeiten wir jetzt. Dieser Prozess ist nicht nur legitim und häufig führen verschiedene Wege zum Ziel. Dass vier Regionen Konzepte entwickeln, halte ich zu Beginn für richtig. Am Ende jedoch braucht es eine einzige starke „Candidate City“, die von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen getragen wird.

Das Verfahren muss transparent, fair und nachvollziehbar sein. Das Wichtigste ist, dass am Ende eine Bewerbung entsteht, hinter der wir uns gemeinsam versammeln können – unabhängig von regionalen Interessen.
Welche Chancen, welche Mehrwerte – aber auch welche Verpflichtungen und Risiken muss man der Gesellschaft im Zuge einer Bewerbung vermitteln? Oder gar erklären?
Die DOG hat mit ihrer 75-jährigen Tradition verinnerlicht, welch enorme Kraft von Olympischen Spielen ausgehen kann. Wir wissen, wie viel Glanz, Aufbruchsstimmung und positive Energie ein Land aus einer solchen Bewerbung oder Ausrichtung gewinnen kann. Gleichzeitig ist uns bewusst, wie verantwortungsvoll man heute mit Risiken, Finanzen, Nachhaltigkeit und Sicherheit umgehen muss.
Die Chancen sind groß: Modernisierung, Begeisterung für Sport, internationale Strahlkraft, Aufwertung des Ehrenamts. Aber: Man muss heute sehr behutsam und transparent vorgehen, damit die Gesellschaft mitgenommen wird.
Womit also muss aus Ihrer Sicht eine deutsche Bewerbung besonders bestechen gegenüber der Konkurrenz? Wie würden Sie werben für Olympia in Deutschland?
Eine deutsche Bewerbung muss unbedingt den Sport in den Mittelpunkt stellen – nicht Architektur, nicht Spektakel, nicht Größe. Kein Schauspiel der Gigantomanie, sondern ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Konzept, das Rücksicht auf Ressourcen, Natur und bestehende Infrastruktur nimmt.
Deutschland sollte werben mit: „Spiele des Miteinanders, getragen aus der Mitte der Gesellschaft, nachhaltig, menschlich, fair.“
Die deutsche Bevölkerung hat über Jahre eine betont skeptische Haltung gegenüber Olympia im eigenen Land aufgestaut. Wie baut ‚der Sport‘ wieder Vertrauen auf bei den Menschen, noch dazu in solch schwierigen Zeiten wie diesen? Wie überwindet man den Argwohn und das Misstrauen gegenüber Dachverbänden wie IOC oder auch FIFA, Institutionen generell?
Ich teile diese Wahrnehmung nicht unbedingt. Die Meinungen haben sich aus meiner Sicht eher positiv verändert. Zurecht. Man hat verstanden, dass Sport für sich stehen muss und politische Einmischung möglichst gering bleiben sollte. Natürlich sind Sportverbände – wie Unternehmen und Organisationen weltweit – von Menschen geführt, die Fehler machen können. Aber das Regelwerk ist heute wesentlich sauberer, gerechter und ordentlicher als früher.
Generell geht es darum, das Vertrauen zu schaffen bei den Menschen. Und das entsteht durch: Transparenz, klare Verantwortlichkeiten, unabhängige Aufsicht, offene Kommunikation und konsequente Regelwerke.
Kritik ist wichtig – aber der Sport ist heute deutlich besser aufgestellt als in der Vergangenheit, das sehen meiner Meinung nach die Bürger unseres Landes mittlerweile ebenso und deshalb hat sich die Stimmung zu Gunsten olympischer Spiele und dem Sport insgesamt gewandelt, deutliches Beispiel ist hier die Abstimmung in München mit einer sehr hohen Zustimmung.
Ist die Idee der Olympischen Spiele heutzutage noch zeitgemäß? Muss an die Botschaften und womöglich auch an die Durchführungs-Konzepte mehr frische Luft? Wenn wir einerseits von Völkerverständigung und vom friedlichen Wettkampf sprechen, andererseits aber überall auf der Welt Kriege, Konflikte und Demokratie-Verlust miterleben müssen – müssen wir die Spiele dann nicht in einen neuen Kontext stellen?
Die Olympischen Spiele sind zeitgemäßer denn je, wenn sie ihre Werte glaubwürdig leben. Themen wie „Fair Play“, „Sport verbindet“, „Leistung macht Spaß“ sind essenziell. Würden diese Werte weltweit gelebt, wäre die Welt eine bessere.
Kriege und Konflikte zeigen uns gerade, wie wichtig internationale Bühnen der Verständigung sind. Die Spiele müssen neutral bleiben, aus sich heraus und von außen. Frische Luft heißt: nachhaltiger, gerechter, menschlicher – aber mit demselben inneren Kern.
Wie politisch ist Sport? Wie politisch muss er sein? Im Sport gelingen Integration, Inklusion und Lebensschule besonders gut. Aber wo muss der Sport vielleicht eine Grenze ziehen, wenn es um Deutungshoheiten geht?
Sport wird manchmal von Politik missbraucht – das darf nicht sein. Die Geschichte hat uns negative Beispiele gelehrt, gerade in Deutschland. Olympische Spiele müssen innen wie außen neutral bleiben. Werte wie Fairness, Respekt und Non-Discrimination sind politisch im moralischen Sinne, aber nicht parteipolitisch. Hier liegt die Grenze: Haltung ja – Instrumentalisierung nein.
Was hat Sport mit Bildung zu tun?
Sport und Bildung gehören untrennbar zusammen. Sport ist zwar nicht klassische Bildung, aber er macht Bildung erst möglich: Bewegung verbessert Konzentration, Gedächtnis und Gesundheit – die Grundvoraussetzungen fürs Lernen. Gleichzeitig vermittelt Sport Werte, die kein Schulfach ersetzt: Teamgeist, Fairness, Umgang mit Erfolg und Niederlage, Selbstvertrauen und soziale Integration. Darum braucht es tägliche Bewegung in der Schule und sportfreundliche Universitäten, damit Talente auch im Studium ihren Weg gehen können. Sport ist kein Luxus – er ist eine pädagogische Notwendigkeit.
Zentrale Themen im deutschen Sport sind die Förderprogramme und -Systeme. Nachwuchs-, Anschluss- und Spitzensport-Förderung: Was liegt da im Argen?
Die zentralen Probleme im deutschen Fördersystem liegen weniger am fehlenden guten Willen als vielmehr in der fehlenden Verzahnung. Wir haben Inseln der Exzellenz – in Vereinen, Verbänden, Schulen und Universitäten –, aber kein durchgängiges Gesamtsystem.
Für mich beginnt alles mit täglicher Bewegung in der Schule. Dort wird die Basis gelegt. Dann kommen die Vereine als eigentliche Keimzellen des Sports, aus denen Talente und lebenslange Sportler hervorgehen. Daran schließen sich die Fachverbände mit strukturierter Nachwuchs- und Spitzensportförderung an, und schließlich die Universitäten, die Studium und Leistungssport besser verbinden müssen.
Das größte Risiko für dieses System ist das Ehrenamt. Ohne Trainerinnen, Übungsleiter, Funktionäre und Helfer bricht der Sport an der Basis weg – und damit langfristig auch die Spitze. Ehrenamt ist das Herzstück des deutschen Sports und muss deutlich besser anerkannt, entlastet und gefördert werden.
Am Ende geht es um eines: Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen Kinder leicht in Bewegung kommen, im Verein bleiben können und Talente ihren Weg bis in die Spitze finden. Was wir heute tun, tun wir nicht für Medaillenspiegel, sondern für die nächste Generation.
Wie lautet Ihre Philosophie? Die Spitze fördern – und nur die Spitze? Oder die Breite, um eine Basis für die Spitze zu schaffen? Über die Ansätze wird ja im Zuge der politischen Konzepte zur Unterstützung des deutschen Sports stets diskutiert. Ja, sogar gestritten. Die Spitzensport-Reform polarisiert immens.
Für mich ist die Antwort klar: Es geht um das Ganze. Breite und Spitze sind keine Gegensätze. Wir brauchen beides. Eine goldene Mitte. Die Basis stärken – und gleichzeitig den Spitzensport so fördern, dass wir international wieder Anschluss finden.
Medaillen einfordern und zählen auf der einen Seite – den Spitzensportler*innen aber die nötigen Mittel versagen oder zumindest kürzen, wie viele Betroffenen beklagen: Passt das noch zusammen?
Nein. Medaillen zählen ist legitim, aber nicht als Selbstzweck. Wenn wir auf Weltniveau mithalten wollen – etwa um Platz drei oder vier im Medaillenspiegel und nicht um neun oder zehn –, müssen wir investieren. Sonst ist jeder Anspruch unglaubwürdig.

Laut des Bundesministeriums des Innern ist Deutschland eine Sport-Nation. Stimmen Sie zu?
Deutschland ist eine Sportnation – aber eine, die wieder stärker danach streben muss. Die Grundlagen im Breiten- und Vereinssport sind stark, doch wir investieren zu wenig in Infrastruktur, Ehrenamt und den Leistungssport. Sport ist kein Selbstläufer.
Vor allem müssen wir junge Menschen wieder in Bewegung bringen. In einer Lebenswelt voller Bildschirme reicht Appellieren nicht mehr. Aktuelle Studien – zuletzt die Befunde der Stiftung Kindergesundheit – zeigen klar, wie übermäßiger Medienkonsum und Bewegungsmangel die Gesundheit, Konzentration und soziale Entwicklung junger Menschen beeinträchtigen.
Bewegung ist heute eine Überlebenskompetenz. Ohne tägliche Bewegung verlieren Kinder nicht nur Fitness, sondern auch wichtige Fähigkeiten für Schule und Alltag. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, verlieren wir eine ganze Generation an Inaktivität.
Deutschland kann sowohl Breitensport- als auch Spitzensportnation sein – aber nur, wenn wir beides konsequent fördern: tägliche Bewegung in der Schule, starke Vereine, gut ausgestattete Trainer und Ehrenamtliche und einen Leistungssport, der Perspektiven bietet.
Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Dr. Christiane Schenderlein bekleidet ein neues Amt. Damit will die Bundesregierung auch der Forderung Rechnung tragen, dem Sport ein eigenes Ressort zuzustehen und ihn nicht nur nebenbei im Innenministerium zu behandeln. Wie beurteilen Sie diesen Schritt? Und wie sollte der Job Ihrer Meinung nach mit Leben gefüllt werden?
Das neue Amt der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt war überfällig. Es ist ein wichtiges Signal, dass der Sport ein eigenes politisches Gewicht bekommt und nicht länger ein Nebenressort des Innenministeriums bleibt. Entscheidend ist jetzt aber nicht das Amt – sondern was daraus gemacht wird.
Nach einem Dreivierteljahr ist noch wenig umgesetzt. Deshalb erwarte ich einen deutlich engeren Schulterschluss zwischen Bundesregierung, DOSB, Landessportbünden und Fachverbänden. Hinter verschlossenen Türen darf hart und ehrlich diskutiert werden – aber nach außen braucht es endlich Geschlossenheit, damit gute Vorschläge nicht an politischem Klein-Klein scheitern.
Wir brauchen einen spürbaren Ruck durch das gesamte Sportsystem – in Form …
einer besseren Sportinfrastruktur bundesweit;
einer verbindlicheren Nachwuchs- und Spitzensportförderung;
einer echten Entlastung und Anerkennung des Ehrenamts;
einer digitalen Modernisierung der Verbände;
von mehr Bewegung in die Schulen;
von sportfreundlichen Hochschulen;
und vor allem eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung für Trainerinnen, Trainer und Ausbilder – sie sind das Fundament sowohl des Spitzensports als auch der Basis.
Das Anforderungsprofil für dieses Amt ist klar: Führungskraft, Mut zu Entscheidungen, Fachkompetenz, eine liberal-offene Grundhaltung und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen zu bündeln, statt sie gegeneinander auszuspielen.
Wenn dieses Amt Wirkung entfalten soll, braucht es nicht nur Repräsentation, sondern Umsetzungskraft – und den Willen, Bestehendes zu verändern, statt nur zu verwalten. Der deutsche Sport hat die Konzepte und die Expertise längst auf dem Tisch. Jetzt müssen sie endlich umgesetzt werden.
Wie ist es aus Ihrer Sicht um die Infrastruktur im deutschen Sport bestellt?
Die Sportinfrastruktur in Deutschland hat massiv gelitten. Viele Anlagen stammen noch aus der Nachkriegszeit oder dem Aufbau der 60er-Jahre und sind – wie Straßen und Brücken – dringend sanierungsbedürftig. Dieser Investitionsstau ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern ein gesundheitliches Risiko für die ganze Gesellschaft.
Wir haben in Deutschland bereits einmal gezeigt, wie man es richtig macht: Der „Goldene Plan“ der Deutschen Olympischen Gesellschaft war eines der erfolgreichsten Infrastrukturprogramme unserer Sportgeschichte. Daran sollten wir anknüpfen – aber mit der Konsequenz, die die heutige Lage verlangt.
Die derzeitige „Sportmilliarde“, verteilt über mehrere Jahre, ist dafür schlicht nicht ausreichend. Wir bräuchten nach meiner Einschätzung mindestens eine Sportmilliarde pro Jahr, und zwar planbar, verlässlich und zweckgebunden.
Der zweite große Fehler liegt im System selbst: Heute müssen Kommunen mit knappen Kassen langwierige, komplizierte Anträge stellen. Das führt dazu, dass Projekte sich über Jahre verzögern – manchmal, wie bei uns am Sportplatz, erst ab 2027 überhaupt in den städtischen Gremien auftauchen. So wird das nichts.
Wir brauchen eine grundlegende Reform des Verteilmechanismus:
Eine Bundes-Fachstelle, die den tatsächlichen Bedarf ermittelt,
klare Priorisierung nach Zustand und Nutzungsintensität und …
eine direkte, schnelle Mittelzuteilung an die Kommunen und Vereine – ohne den jahrelangen Verwaltungsstau von unten nach oben.
Nur so entsteht wieder eine moderne, zugängliche Sportlandschaft, die Kinder, Jugendliche, Vereine und Leistungssport gleichermaßen stärkt. Wer heute investiert, baut nicht nur Sportstätten – er baut soziale Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit.
Würde es Sinn machen, sich etwas beim amerikanischen College-Sport abzuschauen oder sind die Ansätze/Strukturen einfach zu verschieden, die Systeme zu konträr?
Man kann und sollte sich vom amerikanischen College-Sport einiges abschauen – vor allem die systematische Verbindung von Studium und Leistungssport, die professionelle Betreuung der Athletinnen und Athleten und die klare Talentförderung. Diese Durchlässigkeit fehlt in Deutschland noch immer.
Aber: Das ganze US-Modell eins zu eins zu kopieren, wäre falsch. Der amerikanische College-Sport ist stark kommerzialisiert, mit enormen finanziellen Interessen und Strukturen, die in Deutschland weder gewollt noch gesellschaftlich akzeptiert wären.
Für uns bedeutet das: Wir sollten die Stärken des US-Systems übernehmen – die Verzahnung von Bildung und Sport, professionelle Betreuung, sportfreundliche Studienmodelle –, aber sie an deutsche Werte und Rahmenbedingungen anpassen. Kein überzogener Kommerz, sondern ein leistungsorientiertes, aber verantwortungsvolles Modell. Kurz gesagt: Lernen ja, kopieren nein. Wir brauchen ein deutsches System, das Talente fördert, ohne die Seele des Sports zu verlieren.
Was kann der Sport von Politik und Wirtschaft erwarten? Was muss er erwarten können? Aber: Welche Ansprüche seitens der Politik und der Wirtschaft an den Sport sind genauso berechtigt?
Der Sport darf von Politik und Wirtschaft erwarten, dass sie ihn verlässlich unterstützen – finanziell, strukturell und infrastrukturell. Denn Sport ist Gesundheitsförderung, Integration, Jugendbildung und sozialer Zusammenhalt. Wenn Kultur fünfmal mehr öffentliche Gelder erhält als Sport, zeigt das ein Ungleichgewicht. Manchmal ist eine neue Sporthalle tatsächlich gesellschaftlich dringlicher als ein weiteres Museum – zugespitzt formuliert, aber im Kern richtig.
Im Gegenzug müssen Politik und Wirtschaft vom Sport Integrität, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein erwarten können. Der Sport muss zeigen, dass die eingesetzten Mittel Wirkung entfalten: in der Bildung, bei der Gesundheit, im sozialen Miteinander, in der Integration und in einer sauberen Spitzensportförderung.
Der Sport braucht verlässliche Rahmenbedingungen – und die Politik darf im Gegenzug Verlässlichkeit, Offenheit und gesellschaftlichen Nutzen einfordern.
König Fußball regiert die Welt. Damit gemeint ist auch: Die Medienwelt. Andere Sportarten bleiben auf der Strecke. Das Missverhältnis wird von vielen Spitzensportlern bemängelt. Sehen Sie das auch so? Müssen die anderen Sportarten einfach ‚medial‘ ein noch besseres Produkt abliefern oder müssen die Medien – und hier zu nennen wären vor allem die Öffentlich-Rechtlichen – aufhören, sich hinter Quoten, also dem Angebot-und-Nachfrage-Argument zu verstecken? Müssen sie nicht vielmehr ihrem Staatsauftrag entsprechend die Balance zwischen Angebot und Nachfrage selbst mit herbeiführen?
Fußball dominiert die Medienwelt, weil er eine enorme gesellschaftliche Kraft entwickelt hat – das ist zunächst einmal ein Erfolgsgeschichte, kein Fehler. Man sollte nicht künstlich dagegen ansteuern. Angebot und Nachfrage spielen im Sport eine große Rolle.
Aber: Das darf die Medien – vor allem die öffentlich-rechtlichen – nicht von ihrem Auftrag entbinden. Sie haben nicht nur abzubilden, was schon beliebt ist, sondern auch Vielfalt sichtbar zu machen. Breite Berichterstattung schafft Öffentlichkeit und Nachfrage. Balance entsteht nicht von allein, sie muss aktiv gestaltet werden. Gleichzeitig müssen andere Sportarten ihr Produkt weiterentwickeln: bessere Präsentation, klare Erzählungen, Athleten sichtbar machen, moderne Formate nutzen. Nur so können sie aus der Nische treten. Fußball bleibt Leitprodukt – aber die Medien müssen mehr Vielfalt bieten, und die übrigen Sportarten müssen aktiver werden. Beides gehört zusammen.






















