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Tennisellenbogen: Experten-Interview zu Ursache und Behandlung

  • Pressemitteilung
Im Interview erklärt Prof. Dr. Sven Ostermeier, leitender Orthopäde und Sport-Mediziner der Gelenk-Klinik Gundelfingen, wie es zu einem Tennisellenbogen kommt und wie man ihn behandeln kann. Außerdem gibt er Tipps, wie man den Tennisellenbogen verhindern kann.
Herr Professor Ostermeier, leiden eigentlich nur Tennisspieler unter einem Tennisarm?
Professor Ostermeier: Keineswegs. Auch Menschen, die noch nie auf einem Tennisplatz standen, können daran erkranken. Ursache eines Tennisarms  bzw. Tennisellenbogens sind übermäßige Belastungen der Muskelansätze am Ellenbogen, etwa durch tägliche Computerarbeiten. Doch die Mehrzahl der Betroffenen sind schon Tennisbegeisterte. Man geht davon aus, dass jeder zweite Spieler zeitweise betroffen ist. Daher auch die Bezeichnung für diese Erkrankung.

Warum ist ein Tennisarm so schmerzhaft?
Professor Ostermeier: Durch akute oder chronische Überanspruchungen werden die Sehnenansätze der Streckermuskeln des Unterarmes gereizt und bekommen kleinste Mikrorisse. Diese können äußerst schmerzhaft sein und zu einer Entzündung führen.

Gibt es außer den  Schmerzen weitere Symptome?
Professor Ostermeier: Ein Tennisarm macht sich, wie gesagt, in erster Linie durch starke Schmerzen im Bereich des Ellenbogens bemerkbar, die bis in die Hand ausstrahlen können. Nicht selten wird die betroffene Hand außerdem zunehmend kraftlos. Dies kann soweit gehen, dass ein Händeschütteln oder das Halten einer Flasche nicht mehr möglich sind.

Können auch Verspannungen der Auslöser sein?
Professor Ostermeier: Oft gehen einem Tennisarm chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur voraus. Ohne deren Beseitigung ist eine dauerhafte Ausheilung kaum möglich. Die durch den erhöhten Muskeltonus bedingte Mehrspannung der Sehne führt langfristig zur Überbeanspruchung mit nachfolgender Entzündung. Hauptursache für einen Tennisarm sind aber extreme, einseitige oder sich wiederholende Bewegungen. Heutzutage wird ein Tennisarm vielfach durch schweres Heimwerken, wie beispielsweise Wände streichen, oder auch stundenlanges Arbeiten am Computer ausgelöst.
 
Muss ein Tennisarm gegipst werden?
Professor Ostermeier: Bei der klassischen Therapie des akuten Tennisarms wurde der Arm zunächst ruhiggestellt. Dadurch sollten die durch Überlastung entstandenen Mikrorisse wieder verheilen. Auf eine Unterarmgipsschiene, wie sie früher üblich war, wird heute aus gutem Grund verzichtet: Wird der Arm eingegipst, so bilden sich die Muskeln sehr rasch zurück. Der Wiederaufbau durch ein entsprechendes Training führt dann in der Regel erneut zur Tennisarmsymptomatik.

Was hilft außer der Ruhigstellung?
Professor Ostermeier: Hilfreich sein können zudem Kühlung oder Wärmebehandlungen. Ob dabei eher Kälte oder Wärme als angenehm empfunden wird, muss individuell ausprobiert und entschieden werden. Als wohltuend empfinden auch viele Patienten Quermassagen-Behandlungen der Muskeln. Zur Schmerzlinderung empfehlen sich Kombinationstherapien mit Reizstrom, Ultraschall oder Stoßwellen. Eine schmerzlindernde Wirkung haben zudem antientzündlich wirkende Medikamente oder lokale Betäubungsmittel. Direkt an die betroffene Stelle gespritzt, entfalten sie gezielt vor Ort ihre Wirkung. Auch Akupunktur kann förderlich sein.

Ist Physiotherapie erforderlich?
Professor Ostermeier:  Durch das Zusammenwachsen und Abheilen der Mikrorisse in der Sehne verkürzt sich diese. Deshalb sollte die Muskulatur möglichst zeitnah durch Physiotherapie langsam und gemäßigt gedehnt und gestärkt werden. Dies ist wichtig, um ein neues Auftreten der Symptome zu vermeiden. Vorbeugend kann im Alltag eine Epicondylitisspange getragen werden, die den Muskelansatz am Ellenbogen entlastet - vorausgesetzt sie wird richtig angelegt, was leider nicht immer der Fall ist.  

Wann muss operiert werden?
Professor Ostermeier:  Wenn all diese Therapieansätze keine Besserung bringen, kann eine Operation eine weitere Option sein. Hierbei wird die Sehne so eingekerbt, dass sie dadurch entlastet und somit nicht mehr so stark gereizt wird. Außerdem kann eine zusätzliche Durchtrennung des schmerzleitenden Nervs Schmerzfreiheit bringen.

Können Botox-Injektion eventuell eine OP ersetzen? Oder sollte man hiermit noch vorsichtig sein?
Professor Ostermeier:  Die Therapie mit muskelentspannenden Injektionen (Botox) stellt eine neuartige Form der Behandlung des Tennisellenbogens dar. Mittlerweile können mit dieser Therapie auch sehr frustrane, also nicht zufriedenstellende Verläufe erfolgreich behandelt werden. Allerdings sollten die vorher genannten Therapieverfahren zunächst versucht werden, um dann eventuell dieses spezielle Verfahren anzuwenden.  

Wie können stark gefährdete Tennisspieler erneute Beschwerden verhindern?
Professor Ostermeier:  Sie sollten ihre Spieltechnik verbessern. Denn oft entsteht diese Erkrankung durch das Spielen mit falscher Technik - übrigens nicht nur beim Tennisspiel, sondern auch bei anderen Schlägersportarten.  

Welche Übungen helfen zuhause?
Professor Ostermeier:  Nicht nur beim Tennisspiel sind ein langsames Aufwärmen und regelmäßige Dehnübungen ratsam. Um die Unterarmmuskulatur gezielt zu trainieren und zu dehnen, empfiehlt sich die Anwendung eines Powerballs. Aber auch eine kleine leere Plastikflasche kann für ein gezieltes Training der Strecksehnen genutzt werden. Diese mit Wasser füllen und auf die Innenfläche der nicht erkrankten Hand legen. Dann mit der vom Tennisarm betroffenen Hand die Flasche greifen, ein paar Zentimeter hoch heben und anschließend wieder auf die Innenfläche der anderen, weiterhin geöffneten Hand ablegen. Am besten diese Übung mehrfach täglich 10 bis 15 Mal wiederholen.

Hinweis: Das Interview wurde von der Gelenkklinik Gundelfingen im Rahmen einer Pressemitteilung zur Verfügung gestellt.


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