Nutrigenetik – Personalisierte Ernährung durch Gen-Analysen CoGAP GmbH

Nutrigenetik – Personalisierte Ernährung durch Gen-Analysen

Sind genetische Stoffwechselanalysen und personalisierte Ernährungskonzepte die neuen Wundermittel gegen Übergewicht oder sind Gen-Diäten doch nur ein Marketinggag? Zu diesem Thema stand uns der Genetiker Dr. Orhan Özüak Rede und Antwort. Er möchte mit dem schlechten Image von Gen-Diäten aufräumen und erklärt die Hintergründe zur ernährungsbezogenen Gen-Analyse.
In der Mittagspause in die Kantine zu gehen und zwischen verschiedenen Meta-Typ gerechten Mahlzeiten auswählen zu können – das ist die Vision von Dr. Orhan Özüak, Leiter der Forschung und Entwicklung bei CoGAP, einem Unternehmen für genetische Stoffwechselanalyen. „Es reicht heutzutage einfach nicht mehr den Menschen lediglich zu raten: esst weniger. Damit hat man niemandem geholfen. Unzählige Crash-Diäten für den kurzfristigen Erfolg gibt es bereits. Da brauchen wir nichts Neues. Gefragt ist vielmehr ein Konzept mit langfristigem Effekt“, kommentiert Özüak das steigende Übergewicht innerhalb der deutschen Bevölkerung.

Laut Statistischem Bundesamt ist jeder zweite Erwachsene in Deutschland übergewichtig. Im Vergleich zum Jahr 1999 ist dies ein Anstieg um 4%. Gegen diesen steigenden Trend muss laut Özüak dringend etwas unternommen werden.

Personalisierte Ernährung – Das neue Forschungsfeld Nutrigenetik


Was hat es nun also mit diesen auf den Meta-Typ abgestimmten Mahlzeiten und genetischen Stoffwechselanalysen auf sich?
Die Rede ist von personalisierter Ernährung, besser bekannt unter dem Begriff Gen-Diät. Nutrigenetik nennt sich das zugehörige, noch sehr junge Forschungsfeld. Sie erforscht die Zusammenhänge zwischen dem Genotyp und der Verarbeitung von Nahrung.

Wie Genetik-Experte Dr. Özüak erklärt, ist es wissenschaftlich belegt, dass Gene in hohem Maße unser Gewicht bedingen. Sie sind sowohl für die Energieaufnahme, als auch für den Energieverbrauch eines Menschen mitverantwortlich. Studien zeigen: Die Erblichkeit des Body Mass Index (BMI) liegt bei 50 bis 80 Prozent.

Wer also behauptet, sein Übergewicht liege an seinen Genen, hat laut Özüak nicht ganz Unrecht.

Würde diejenige Person nun aber wissen, welche genetische Veranlagung zu ihren Gewichtsproblemen führt, könnte sie ihren überschüssigen Pfunden gezielt und langfristig den Kampf ansagen.

Personalisierte Ernährung – Bestimmung individueller Stoffwechselveranlagungen


Durch eine ernährungsbezogene genetische Untersuchung kann  bestimmt werden, zu welchem Stoffwechseltyp ein Mensch gehört. Das zumindest versprechen die Entwickler der genetischen Stoffwechselanalyse MetaCheck von CoGAP (= Center of Genetic Analysis and Prognosis). „Wir betrachten sieben spezifische Stoffwechsel-Gene, die für die Verarbeitung der Nährstoffe und den Kalorienverbrauch verantwortlich sind. Dies sind alles Gene, deren Einfluss auf die Verwertung der drei Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße wissenschaftlich belegt sind“, sagt Dr. Özüak und verweist auf eine sechzehnseitige Liste mit Referenzstudien. Auf deren Grundlage wurde der MetaCheck in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln und dem Institut für Genetik der Universität zu Köln entwickelt. MetaCheck steht dabei für ‚metabolische Untersuchung‘, der Fachbegriff für eine  genetische Stoffwechselanalyse.

Personalisierte Ernährung – Unterteilung in vier Meta-Typen


Anhand der verschiedenen Variationen der untersuchten Gene wird in vier individuelle Stoffwechselveranlagungen unterteilt, die sogenannten Meta-Typen. Der Genetiker zählt auf: „Der Meta-Typ Alpha kann im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Eiweiße besser verstoffwechseln, das heißt er verbrennt sie tendenziell schneller als Fette und Kohlenhydrate. Der Meta-Typ Beta kann Fette und Proteine besser umsetzen, Kohlenhydrate hingegen schlechter. Im Gegensatz dazu kann der Meta-Typ Gamma Kohlenhydrate gut verwerten, dafür Fette und Eiweiße nicht. Typ Delta wiederum kann Kohlenhydrate und Fette gut umsetzen, hat aber mit der Verarbeitung von Proteinen Probleme.“
Dr. Orhan Özüak, Leiter der Forschung und Entwicklung bei CoGAP

Personalisierte Ernährung – Datenschutz


Aufbauend auf den Analyseergebnissen kann der verantwortliche Berater ein individuelles Ernährungs- und Fitnessprogramm zusammenstellen. CoGAP bietet seine Stoffwechselanalyse ausschließlich über Ernährungsberater, Apotheken, Ärzte und Fitnessstudios an. Das hat zwei wesentliche Gründe, wie Dr. Özüak betont: „Zum einen sind wir fest davon überzeugt, dass für eine gesunde und nachhaltige Gewichtsreduktion eine kompetente Beratung und auch Betreuung ausschlaggebend ist. Zum anderen spielt das Thema Datenschutz für uns eine wichtige Rolle. Die Probe mit dem Wangenabstrich, der das genetische Material des Patienten beinhaltet, wird uns vom betreuenden Berater nur mit einem Barcode gekennzeichnet zugeschickt. Wir können die Probe somit keiner echten Person zuordnen. Das gewährleistet den Schutz der Daten und des genetischen Materials. Das genetische Material eines Menschen ist einzigartig. Daher muss damit sehr sensibel umgegangen werden.“

Ernährungstipps zur Vorbeugung von Krankheiten oder zusätzliche Informationen mit denen beispielsweise Rückschlüsse auf Verwandtschaften gezogen werden könnten, lässt CoGAP deshalb systematisch außen vor. Die DNA-Analyse bleibt auf Gene beschränkt, die ausschließlich für eine Gewichtsreduktion ausschlaggebend sind und keine Informationen über potenzielle Krankheiten liefern.

„Wenn wir die Nutrigenetik zur Vorhersage von Krankheiten nutzen, im Sinne von: ,Wenn Sie diese bestimmten Lebensmittel essen, dann können Sie länger und gesünder leben`, befinden wir uns in einem Studienbereich, der bestenfalls noch in den Kinderschuhen steckt und keine validen Aussagen erlaubt“, erklärt Özüak. Andere Anbieter von Gen-Analysen träfen derartige Vorhersagen aber trotzdem. Neben dem häufig vernachlässigten Datenschutz ist dies seiner Meinung nach der Hauptgrund, wieso der Begriff Gen-Diät zum Teil negativ behaftet ist und für viel Skepsis auch seitens der Ärzte sorgt. „Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig“, sagt Özüak.

Dennoch konnte CoGAP bereits 1000 Berater in Deutschland vom MetaCheck-Konzept überzeugen. Bei insgesamt mehr als 20.000 Apotheken, circa 7.500 medizinisch beziehungsweise gesundheitsorientierten Fitnessstudios und über 100.000 Arztpraxen in Deutschland gibt es also noch Luft nach oben. Die Kosten einer genetischen Stoffwechselanalyse allein betragen 204 Euro. Hinzu kommen Beratungskosten, die je nach Behandlungskonzept variieren, je nachdem ob man sich zum Beispiel an ein Fitnessstudio oder einen Arzt wendet.

Effizienz der personalisierten Ernährung


Von den bisherigen Beratern bekommt CoGAP in regelmäßigen Abständen Feedback. Demnach scheint die Stoffwechselgen-Analyse erfolgreich zu sein. Das sagen auch die Ergebnisse einer Vergleichsstudie der Sporthochschule Köln, die die Effizienz der Stoffwechselanalyse in der Ernährungs- und Gesundheitsberatung untersucht hat. So konnten die 83 Studienteilnehmer der MetaCheck-Gruppe ihren BMI nach sechs bis neun Monaten um durchschnittlich 2,33 Punkte verringern, während bei den 24 Probanden der Kontrollgruppe, die ein alternatives, allgemein gehaltenes Abnehmprogramm durchführten, nur eine Verbesserung um rund 0,43 Punkte vorlag.

Die Kölner Wissenschaftler vermuten, dass das deutlich bessere Ergebnis der MetaCheck-Teilnehmer vor allem aus dem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein resultiert, das mit der nutrigenetischen Analyse und Beratung einhergeht. Sie betonen allerdings auch, dass es noch weiterer Forschung mit einer höheren Teilnehmeranzahl bedarf, um die Aussagekraft der Studie zu bestätigen. Mit Blick auf die Studienergebnisse sollte man ebenfalls bedenken, dass die Nutrigenetik bisher erst einen kleinen Teil ihres möglichen Forschungspotenzials ausgeschöpft hat.

Auch Dr. Özüak ist der Meinung, dass Motivation eine ganz zentrale Rolle beim Abnehmen spielt: „Die Motivation etwas gegen sein Übergewicht zu unternehmen ist natürlich viel größer, wenn man ein Diätkonzept in der Hand hält, welches individuell auf den eigenen Körper angepasst ist und im Gegensatz zu anderen für die Allgemeinheit konzipierten Diäten auch wirklich einen nachhaltigen Erfolg verspricht.“

Sind also statt der Gen-Analyse nicht vielmehr die individuelle Beratung und die bewusste Ernährung der Schlüssel zum erfolgreichen Abnehmen? „Mit Sicherheit“, sagt der Gen-Diät Experte. „Das spielt alles zusammen. Natürlich könnte man eine individuelle Ernährungsberatung auch ohne eine genetische Stoffwechselanalyse durchführen. Allerdings dauert es dann viel länger bis der Erfolg eintritt. Denn ohne genetische Stoffwechselanalyse muss man selbst ausprobieren, welche Nahrung der Körper gut verwerten kann. Man würde zum Beispiel zunächst versuchen, die Kohlenhydrate zu reduzieren und beobachten, wie der Körper darauf reagiert. Dasselbe würde man dann auch mit Proteinen und Fetten ausprobieren. Auf diese Weise kommt man zwar auch zu einem Ergebnis, muss sich dafür aber ein bis zwei Jahre Zeit nehmen. Mit dem MetaCheck hingegen weiß man sofort Bescheid.“  

Personalisierte Ernährung - Zukunftspotenzial


Für die Zukunft wünscht sich der CoGAP-Forschungsleiter, dass auch große Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung das Potenzial personalisierter Ernährung erkennen. „Denn mit Übergewicht gehen häufig komplexere Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck Hand in Hand. Jeder Chef weiß: kranke Mitarbeiter sind die teuersten Mitarbeiter. Da besteht langfristig natürlich Handlungsbedarf“, betont Özüak. Vielleicht werden in einigen Jahren ja tatsächlich personalisierte Meta-Typ-Mahlzeiten angeboten.


Was sagen Ernährungsberater zu genetischen Stoffwechselanalysen? Wir haben Dr. Claudia Osterkamp gefragt.

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