Schweizer der Romantiker
In deinem Buch schreibst du, dass es vielleicht eine Art Berufung von dir ist, Menschen dazu zu bringen Dinge zu tun, die sie nicht tun würden, wenn sie dir nicht begegnet wären. Dazu hat man im Idealfall die Dinge schon selbst ausprobiert. Hast du alle Angebote von Jochen Schweizer denn selbst einmal gemacht?
Leider nicht. Das ist mir nicht möglich. Es gibt bei uns über 1.000 Erlebnisangebote – von der Mountainbike-Tour durch ein Untertagebergwerk bis zum Flug ins All. Ich habe von den 1.000 Erlebnissen etwa 500 ausprobiert, und bin damit ganz schön ausgelastet.
Und hast du ein Lieblingserlebnis?
Es gibt in der Nähe von München eine Husky-Station, da lebt ein junger Musher mit 22 Sibirian Huskies auf einer Art Ranch. Er lebt in einer Blockhütte, wie ein Trapper. Und das sind die friedlichsten, fröhlichsten und schönsten Hunde, denen ich je begegnet bin. Ich war mit meinen beiden Söhnen dort und wir haben eine Hundeschlittentour gemacht. Ein kleine Tour, eineinhalb Stunden durch den verschneiten Winterwald. Wir sind von dieser Tour nach Hause gekommen und hatten ein Lächeln im Gesicht, das Tage lang nicht mehr vergangen ist.
Irgendwann kommst du aber ja auch an einen Punkt, an dem du mit der Firma aufhören möchtest. Deine Söhne werden älter, erwachsen. Wird denn die Firma Schweizer auch nach deinem Ausscheiden in Schweizerischen Händen bleiben? Ist das geplant?
Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich gerne mit einer Beobachtung antworten möchte, die ich gemacht habe. Viele autoritäre, autokratische Männer – speziell Firmengründer sind meistens solche Typen – wollen, dass einer ihrer Söhne, ihr Leben weiterlebt. Das halte ich für falsch. Ich möchte, dass meine Söhne ihr Leben entwickeln und ihr eigenes Leben weiterleben. Insofern liegt diese Entscheidung allein bei meinen Söhnen. Der eine hat sich entschieden Rennfahrer zu werden, der andere entwickelt sich in meine Richtung und wird Veranstaltungskaufmann lernen, zunächst aber nicht bei mir. Was daraus wird, kann ich noch nicht sagen, nur so viel: ich baue da überhaupt keinen Druck auf.
Aber schön wäre es schon, oder?
Naja, auch ich habe ja auch eine romantische Dimension in mir und natürlich klingt „Jochen Schweizer und Söhne“ echt nett. Aber nochmal: Mir ist wichtiger, dass die Jungs das tun, was ihnen Freude macht. Und wenn es ihnen Freude macht, das zu tun, was ich tue, dann sind sie mir willkommen. Das ist wie beim Fallschirmspringen. Ich habe die Jungs nie dazu animiert, weil ich weiß, dass irgendwann mal einer mit dem Schirm unterm Arm kommen wird und sagt: „Papa, zeig mir wie das geht.“ Einer war schon Tandem-Springen – das Free-Solo wird folgen, wenn die Zeit dafür kommt.
Na dann sind wir gespannt, wie es mit Jochen Schweizer weiter geht und freuen uns auf die Biographie über die nächsten 50 Jahre deines Lebens. Vielen Dank für das Gespräch.
Vielen Dank.
Wer mehr über Jochen Schweizer erfahren möchte, dem sei seine Biographie empfohlen, die 2010 unter dem Titel: "Warum Menschen fliegen können müssen" im Riva-Verlag erschienen ist. Sie kostet 19,95€, ISBN 978-3-86883-082-8.
Eine Leseprobe gibt es unter www.buch.jochen-schweizer.de
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