Interview mit Dominik Landertinger

Interview mit Dominik Landertinger

Dominik Landertinger war die Überraschung des vergangenen Biathlon-Winters. In seiner zweiten Weltcupsaison sorgte der 21-jährige Österreicher bei der Biathlon-WM in Pyeongchang für einen Paukenschlag: Er wurde Weltmeister im Massenstart und Vize-Weltmeistertitel mit der Staffel. Als Krönung holte sich Dominik Landertinger auch noch die Massenstart-Kristallkugel. Im Gespräch zum Saisonauftakt in Östersund blickt er noch einmal zurück und spricht über seine Ziele für die Olympia-Saison 2009/2010.

Werfen wir einen kurzen Rückblick auf die letzte Saison: Es war erst Deine zweite Saison im Weltcup. - Du bist Weltmeister geworden, Vizeweltmeister mit der Staffel und hast die kleine Kristallkugel im Massenstart geholt. Mit dieser Ausbeute wirst Du sicherlich zufrieden gewesen sein?
Dominik Landertinger: Es war eine super Saison. Es ist alles aufgegangen, was ich wollte. Das hätte ich so gar nicht erwartet.

Was war im Vorfeld Deine Zielsetzung?

Dominik Landertinger: Dass ich im Gesamtweltcup unter die ersten 20 komme und dass ich mich für die WM qualifiziere. Dann noch, dass ich vielleicht in der Staffel laufen darf und mit der Staffel eine Medaille hole. Das primäre Ziel war noch die Junioren-WM, und dass ich da zuschlagen kann.

Das dürfte dann dieses Jahr sicherlich anders aussehen. Es wird Dir sicherlich nicht mehr reichen, bei der Staffel einfach nur dabei zu sein, oder?
Dominik Landertinger: Nein, ich möchte eine Medaille bei Olympia holen. Das ist das große Ziel.

Welche Farbe soll die Medaille haben?
Dominik Landertinger: Das ist mir ganz egal, einfach eine Medaille. Dann möchte ich schauen, dass ich im Gesamtweltcup einen Top 10-Platz belege und auch einige Weltcuprennen gewinnen kann. Hochfilzen ist beispielsweise ein Weltcup, auf den ich mich besonders gut vorbereiten werde, dann noch Oberhof, Ruhpolding und Antholz. Und im Massenstart möchte ich die Kristallkugel verteidigen. Das wären meine Ziele, und ich denke, damit habe ich mir schon genug vorgenommen.

Was war es für ein Gefühl, die Massenstart-Kristallkugel vor Ole Einar Björndalen zu gewinnen - vor jemandem, der in seiner Karriere schon so viel erreicht hat?
Dominik Landertinger: Es war deshalb so besonders, denn es war genau das letzte Rennen. Der Ole war nach dem letzten Schießen maximal 20 Meter hinter mir, und wir haben gleich viele Fehler gehabt. Die Schlussrunde war eine Katastrophe. Ich habe ihn nicht mehr hinter mir gesehen, dann ist er wieder rangekommen, dann waren es wieder 10 Meter. Der Schlussanstieg war es, wo ich ihn abgehängt habe. Ich habe extrem hart dafür kämpfen müssen, dass ich die Kristallkugel bekomme. Umso schöner, dass es positiv ausgegangen ist.

Wenn man so unerwartet eine solch erfolgreiche Saison hatte, wie sieht es dann aus mit der Motivation sich zu quälen, damit der nächste Winter wieder genauso erfolgreich wird?
Dominik Landertinger: Das ist für mich überhaupt kein Problem, denn der Sport ist mein Leben. Ich stehe jeden Tag auf und freue mich, wenn ich Sport machen kann. Das Problem ist vielleicht, wenn ich krank bin. Dann bin ich schlechter drauf, denn dann geht mir was ab. Motivation ist bei mir genug da, daran scheitert es sicher nicht!

Und im Hinblick auf ein Großereignis wie die Olympischen Spiele, ist da die Vorbereitung eine andere als vor einer „normalen“ Weltcupsaison?
Dominik Landertinger: Nein, es ist grundsätzlich alles gleich. Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir nur Kleinigkeiten verändert. Ich habe mehr Gleichgewichts- und Konditionstraining gemacht, daran haben wir intensiver gearbeitet. Ich habe mich aber im Schießen weiterentwickelt und einen neuen Schaft für mein Gewehr bekommen, der mir noch besser passt. Außerdem habe ich beim Schießen mehr mit Belastung gearbeitet. Es geht mir damit ganz gut, und ich habe große Fortschritte gemacht im Gegensatz zum letzten Sommer, wo es im Schießen noch nicht ganz so hingehauen hatte.

Nochmal ein Blick in Richtung Vancouver: Wenn Du Dich qualifizierst, wovon wir einmal ausgehen, werden es Deine ersten Olympischen Spiele. Abgesehen von einer Medaille, was erwartest Du Dir von den Spielen?

Dominik Landertinger: Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich möchte einfach schauen, dass ich dabei bin und gut in Form bin – das ist mal das Wichtigste. Und dann lasse ich es auf mich zukommen.



Der Reiseführer mit Tipps über Vancouver und Umgebung ist also noch nicht gekauft?

Dominik Landertinger: Nein. Ich bin ohnehin niemand, der umherreist und sich alles anschaut. Ich konzentriere mich da lieber auf meine Aufgaben.

Dass das Material wichtig ist, ist ja bekannt. Und Du hast eben von der Optimierung Deines Gewehrs erzählt. Sprechen wir kurz über das Thema Handschuhe: Was macht für Dich einen guten Handschuh aus?
Dominik Landertinger: Das wichtigste ist, dass er so ist wie eine zweite Haut. Man muss im Finger viel Gefühl haben beim Schießen. Und er sollte warm sein, aber nicht dick, denn damit kann ich persönlich nichts anfangen. Ich trage den weißen Useful Lycra von Ziener. Er schaut super aus, und als ich ihn angezogen habe, passte er perfekt - eben wie eine zweite Haut.

Trägst Du ihn immer? Auch bei den Weltcups, wo es richtig kalt sein kann, z.B. in Russland?
Dominik Landertinger: Ich bin an den Fingern nicht so empfindlich, das ist kein Problem. Und wenn es einmal extrem kalt werden sollte, dann muss ich halt ein wärmeres Modell nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Dominik – und viel Erfolg!
(Quelle: Ziener)

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