Erlebt man den Alltag nach Expeditionen intensiver?
Während einer Expedition erlebt man ja einige unglaublich intensive Momente. Inwieweit helfen einem die gemachten Erfahrungen im Alltag weiter?
Man wird gelassener. Wer das Außergewöhnliche gewagt hat, und gesund zurück gekommen ist, dem können die Alltäglichkeiten und die Widrigkeiten des Alltags überhaupt nichts mehr anhaben. Man steht da drüber, oder besser man steht daneben. Drüber wäre eine Wertung. Nein man steht daneben. Diese Dinge haben mit einem selbst gar nichts mehr zu tun. Wenn du beispielsweise schlecht gelaunten Leuten begegnest, erreichen sie dich gar nicht, weil du durch all die Erlebnisse in dir selbst gefestigt bist. Es ist, wie wenn du aus einer Schmiede kommst. Hinterher bist du aus einem anderen Metall.
Erlebt man auf der anderen Seite aber nicht auch den Alltag intensiver nach solchen Touren? Etwa, wenn man Zeit mit der Familie verbringt?
Unbedingt. Ich habe sie sogar doppelt intensiv erlebt. Meine Söhne sind ja nicht bei mir aufgewachsen. Dennoch waren sie mir immer nah und in mein Leben integriert. Das alleine bewirkt schon, dass die Zeit, die man miteinander verbringt, eine besonders aktive und bewusste ist. Ich wollte meinen Söhnen immer Vater sein. Und diesem Ziel habe ich alles untergeordnet und bin manchen Kompromiss eingegangen, um das möglich zu machen. Ich habe Voraussetzungen und Anlässe geschaffen, dass diese Zeit eine intensive Zeit wird. Wir sind in unserem Sommerhaus in Norwegen gewesen und haben dort die ganze Magie des Nordens erlebt. Wir waren sehr häufig in Italien auf der Pferderanch eines Freundes oder wir waren extrem viel Skifahren. Solche Unternehmungen verbinden einen. Und das ganze wird dann noch potenziert, wenn man selbst von einer extremen Expedition oder einem extremen Stunt zurückkehrt. Dann ist man noch viel dankbarer, dass man das alles so erleben darf.
Wenn man die Biographie liest, kann man eine wenig den Eindruck gewinnen, dass dir vieles in deinem Leben zugeflogen ist, viele glückliche Zufälle eingetroffen sind.
Das ist zu 100 Prozent richtig. Und ich glaube das hat etwas mit der Lebenseinstellung zu tun. Glück ist nicht etwas was da ist oder nicht. Glück kommt aus dir selbst heraus. Meine Lebenseinstellung ist grundsätzlich so, dass ich sage: „Alles kann gelingen, alles ist möglich“ und ich habe irgendwie ein Gottvertrauen entwickelt, dass mir immer zur richtigen Zeit der richtige Mensch begegnet, der auf mich oder auf den ich eine Gravität entwickele. Und insofern ist Glück für mich eigentlich die Manifestation einer inneren Lebenseinstellung. Glück zu haben, ist kein Zufall.
- Stichwörter:
- Biographie,
- Bungee-Jumping,
- Bungee-Springen,
- Extremsport,
- Jochen Schweizer





