Ulrike Schümann
Ulrike Schümann

Ulrike Schümann

Segeln / 4. Platz Olympische Spiele 2008

Ulrike ist am 30.01.1973 geboren. Die Diplom-Kauffrau vertritt als Aktivensprecherin die Interessen der Athleten im Deutschen Segler Verband. Sie ist Steuerfrau der Deutschen National Yngling-Crew. Ulrike ist für den Verein Seglerhaus am Wannsee aktiv.

„100 Meter laufen kann jeder.“ – Interview mit Ulrike Schümann

: „100 Meter laufen kann jeder.“ – Interview mit Ulrike Schümann

Ulrike Schümann erzählt über die Komplexität des Segelsports, dem undankbaren vierten Platz bei Olympia 2008 und warum man es als Segler so schwer hat. Außerdem gibt sie erste Einblicke in die neue Boots-Klasse, mit der sie und ihre Crew bei den Olympischen Spielen 2012 an den Start gehen will.

„Ich bin mit 6 Jahren das erste Mal allein gesegelt.“

Netzathleten: Ulrike, Du bist mit Leib und Seele Seglerin. Aber wie kamst Du überhaupt zum Segelsport?
Ulrike: Ich bin durch eine Freundin zum Segeln gekommen. Ich war damals 6 Jahre alt und sie fragte mich, ob ich nicht mitkommen wollte, weil ihr allein langweilig war. Ich hab es damals ausprobiert und der Trainer sah wohl Talent in mir schlummern.

Netzathleten: Du bist in Deiner Crew die Steuerfrau. Wie kamst Du zu dieser Position?
Ulrike: Als ich klein war, habe ich im Opti angefangen zu segeln. Da ist man allein auf dem Boot. Ich habe dann viele Klassen ausprobiert und bin eine ganze Weile in einer Einhandjolle geblieben. 2000 habe ich dann kurz pausiert, weil mir mein Studium wichtiger war. Als ich 2001 wieder mit dem Segeln anfangen wollte, ist die Ynglings-Klasse als neue olympische Disziplin eingeführt worden. Damit ergab sich die Möglichkeit, mit einer Crew zu starten und das hatte mich schon immer gereizt. Ich setzte mich dann mit einigen Kolleginnen in Verbindung, die ebenfalls umsteigen wollten und fand auch recht bald ein Team. Das Steuer wollte ich jedoch immer selber in der Hand behalten.

Netzathleten: Wie gestaltet sich denn überhaupt das Training für Euch? Seid Ihr die meiste Zeit an Bord oder gibt es auch Training an Land?

Ulrike: Wir sind schon sehr viele Stunden auf dem Wasser. Es müssen alle Manöver eingeübt und irgendwann im Schlaf beherrscht werden. Wenn wir nicht auf dem Wasser sind, vertreiben wir uns die Zeit mit Konditionstraining, Theorie und Bootsbau.

Netzathleten: Es gibt beim Segeln unterschiedliche Segel-Klassen. Du warst früher in der Europe- und heute in der Yngling-Klasse. Gibt steuerungstechnisch gesehen einen Unterschied? Welchen?

Ulrike: Die Europe segelt man allein und es ist eine Jolle. Die ist sehr wendig und kippelig und kann auch kentern. Die Yngling ist ein Kielboot. Etwas langsamer und mehr strategisch zu segeln.

„Hundert Meter laufen kann jeder. Der Segelsport ist sehr komplex!“


Netzathleten: Was ist denn besonders schwer an Deinem Sport? Woran musstest Du am härtesten arbeiten?
Ulrike: Es gibt so viele Faktoren, die beim Segeln berücksichtigt werden müssen. Segeln ist ein sehr komplexer Sport. Da wäre einmal die Tatsache, dass wir keinen Mechaniker haben. Die Pflege, Wartung und auch die Entwicklung des Boots obliegt uns ganz allein. Dann muss man das Boot beherrschen. Allein dies zu erlernen, ist ein langwieriger Prozess. Bereits das Geradeausfahren ist für sich genommen schon schwer. Dann kommen natürlich auch noch Wind, Wetter und das Wasser mit seinen Strömungen dazu. Zudem muss die Mannschaft harmonieren und alle Abläufe und Manöver müssen aus dem FF beherrscht werden. Ganz abgesehen vom umfassenden Segel-Reglement, das man auswendig kennen muss. Auch psychische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Ein guter Segler muss Ruhe und Gelassenheit mitbringen. Viele scheitern schon daran, dass sie stundenlang auf Wind warten müssen und die Ausdauer nicht besitzen, sich während einer womöglich Stunden andauernden Flaute hinweg zu motivieren.

Netzathleten: Kam es einmal während einer Segeltour zu einem Zwischenfall, der Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ulrike: Klar, da gibt es viele. Ich erinnere mich besonders an eine spektakuläre Kenterung in Hyeres kurz vor dem Ziel. Die konnte man sich später sogar noch auf der Veranstaltungsseite per Video ansehen. Außerdem ist mir noch eine Trainingsregatta mit Delfinen im Gedächtnis, bei der wir vor lauter Begeisterung ganz die Konzentration auf das Training vergessen haben.

„Angst haben wir nicht!“


Netzathleten: Für viele Nicht-Segler ist das Segeln mit bestimmten Ängsten verbunden; beispielsweise Panik vor tiefen Gewässern, Haien, Unwettern oder Seekrankheit. Habt Ihr auch Ängste und Sorgen mit denen Ihr Euch herumplagen müsst, oder seid Ihr völlig angstfrei?
Ulrike: Nein, Angst darf man nicht haben und die haben wir auch nicht. Man hat natürlich den nötigen Respekt vor den Naturgewalten. Ich selbst bin schon ein paar Mal aus dem Boot geschleudert worden, aber im Großen und Ganzen sind wir ja auch nicht so wie bei den Weltumseglern wochenlang unterwegs. Unsere Touren dauern maximal eineinhalb Stunden, da kann nicht soviel passieren.
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