Die größten Sportskandale Teil 2
Die netzathleten drehen das Rad der Zeit noch einmal zurück und erinnern an weitere Sportskandale. Mit dabei sind u.a. ein Mann, der um Haaresbreite an seinem Traumjob vorbeigeschrammt ist, und ein Boxer, der sich im Kampf etwas zu sehr in seinen Gegner verbissen hatte.
Wie schon im ersten Teil, handelt es sich auch beim zweiten Teil der größten Sportskandale nicht um ein Ranking im eigentlichen Sinne. Die netzathleten-Redaktion hat sich nach langen Diskussionen und unter Abwägung zahlreicher Kriterien auf insgesamt zehn Skandale festgelegt, an die in umgekehrter Chronologie erinnert wird. Hier folgen nun die fünf auserwählten Aufreger, die schon etwas länger zurückliegen.
2000 Um ein Haar Bundestrainer – Christoph Daum’s Koksaffäre
Im Sommer 2000 liegt der deutsche Fußball nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft am Boden. Bundestrainer Erich Ribbeck muss gehen, Christoph Daum wird von den Medien und vom DFB zum Top-Kandidaten auserkoren. Daum, sein Verein Bayer Leverkusen und der DFB einigen sich auch tatsächlich auf eine Zusammenarbeit – allerdings unter der Bedingung, dass Daum die schon laufende Saison noch mit seinem Club zu Ende spielt. So lange soll Rudi Völler als Interimscoach übernehmen. Alles scheint geklärt.
Im Oktober 2000 überschlagen sich dann jedoch die Ereignisse. Bayern-Manager Uli Hoeneß, seit den späten 80ern Daums Intimfeind, spielt in einem Interview auf in der Branche kursierende Drogengerüchte um den designierten Bundestrainer („verschnupfter Daum“) an.
Eine Lawine kommt ins Rollen. Auf der einen Seite Hasstiraden in den Zeitungen und Stadien gegen Hoeneß, auf den anderen Seite breite Sympathiebekundungen für Daum. Dieser muss zwar eigentlich keinen Beweis für seine Unschuld erbringen, stellt sich aber dennoch einer Haarprobe. Bis heute legendär bis tragikomisch ist Daums Wortwahl nach dem Drogentest auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz: „Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.“ Wenige Tage später kommt dann ans Licht, womit niemand – und dem Vernehmen nach noch nicht einmal Daum selbst – gerechnet hatte: Die Haarprobe ist positiv auf Kokain.
Leverkusen entlässt Daum umgehend, der DFB erklärt den Vertrag mit Daum für ungültig. Dies verwundert nicht, engagiert sich der Verband doch für die Kampagne „Keine Macht den Drogen“. Uli Hoeneß ist rehabilitiert, und Rudi Völler führt die Nationalmannschaft an Stelle Daums 2002 ins WM-Finale.
Daum seinerseits flieht nach Florida, wo er eine zweite Haarprobe vornehmen lässt (Befund übrigens negativ). Er kehrt Anfang 2001 aus den USA zurück und gesteht auf einer Pressekonferenz freimütig ein, dass die Haarprobe „keine gute Idee“ gewesen sei. Über die Stationen Österreich und Türkei kehrt Christoph Daum 2006 wieder vorübergehend in die Bundesliga zurück. Daums Drogenvergangenheit ist spätestens seitdem Schnee von gestern.
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