jens heuer
jens heuer

jens heuer

Tennis / Fachgebiet: Individuelles Coaching für Sportler, Teams und Trainer in Fragen der Leistungserbringung und Wettkampfvorbereitung

Jens Heuer ist Sportwissenschaftler und Sportpsychologe für Leistungssport in Hamburg und Münster. Sein Fachgebiet ist Individuelles Coaching für Sportler, Teams und Trainer in Fragen der Leistungserbringung und Wettkampfvorbereitung. Er selbst war leistungssportlich u.a. im Tennis, Langstreckenlauf und Triathlon aktiv.

Der Psychologie-Mythos vom Angstgegner

Der Psychologie-Mythos vom Angstgegner

Roger Federer verlor in seiner Karriere ungewöhnlich häufig gegen den auf dem Papier schwächeren Guillermo Canas (ARG). Bayer Leverkusen hat seit knapp 20 Jahren nicht mehr bei Bayern München gewonnen. In solchen Fällen ist oft vom „Angstgegner“ die Rede. Erfahrt hier, was ihn ausmacht und wie man ihn wieder los wird.

Wie bekommt man einen Angstgegner? Es ist ja nicht so, dass es an der Tür klingelt und sich jemand als neuer Angstgegner vorstellt. Vielmehr handelt es sich um einen schleichenden Prozess.

Angstgegner oder nicht – der Sportler entscheidet selbst


Sportpsychologe Jens Heuer erklärt: „Eine oder mehrere Niederlagen bzw. ein so genanntes wiederholtes ‘Versagen‘ können dazu führen, dass man meint, gegen den Gegner XY nicht gewinnen zu können. Ob es jedoch überhaupt so weit kommt, entscheidet der Sportler selbst. Werden diese Niederlagen richtig analysiert, geht man in der Regel völlig unbelastet in die nächste Begegnung.“



Doch selbst wenn sich so etwas wie die Angst vor einem Gegner breit gemacht hat, kann man noch reagieren. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Als der FC Bayern am 26. November 1983 beim 1. FC Kaiserslautern antrat, hatten die Münchener fast ein Jahrzehnt nicht mehr auf dem Betzenberg gewonnen. Auch hier machte der Begriff „Angstgegner“ die Runde. Also griffen die Bayern zu einem kleinen Trick: Statt, wie sonst üblich gegen die roten Lauterer in Weiß anzutreten, spielten die Bayern im gelben Trikot und mit blauer Hose – und gewannen mit 1:0.

Experte Jens Heuer erläutert die Wirksamkeit solcher Maßnahmen: „Manchmal kann es schon ausreichen, Kleinigkeiten im Ablauf zu verändern, um den Glauben an die eigene Handlungswirksamkeit wiederzuerlangen. Doch es gibt noch viele andere Parameter, die den Ausschlag geben können. Wenn sich etwa ein Sportler immer wieder seine Stärken ins Bewusstsein ruft oder eine Mannschaft sich klar macht, dass sie eigentlich die größeren Qualitäten besitzt als der Gegner und eigentlich nur ihr Denken sie einschränkt, kann dies genauso zum Erfolg führen.“ Letzteres etwa würde auf Roger Federer zutreffen – sofern dieser Guillermo Canas überhaupt als Angstgegner wahrnimmt und nicht längst schon die Gründe für seine (wenigen) Niederlagen an bestimmten Dingen festmachen konnte.

Einschränkung: Medien können Gegner zum Angstgegner machen


Darüber hinaus kann jedoch auch die Berichterstattung einen nicht unerheblichen Einfluss darauf haben, ob aus einem Gegner ein Angstgegner wird: „Im Spitzensport, wo das mediale Interesse groß ist, wird ein Gegner schneller zu einem Angstgegner (gemacht) als im Amateurbereich. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese Thematik noch einmal eine zusätzliche Brisanz schafft. Wenn ein Sportler in einem Interview dann Sätze sagt wie ‘Wir müssen das irgendwie bewältigen‘, ist das immer auch ein Eingeständnis, dass er sich von der Thematisierung des Angstgegner-Phänomens in der Berichterstattung hat anstecken lassen.“

Szenario Deutschland-England bei der WM


Man stelle sich beispielsweise vor, was in deutschen und englischen Medien los wäre, wenn Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Südafrika auf England treffen würde (eine Begegnung, zu der es theoretisch bereits im Achtelfinale kommen könnte). Während hierzulande vor allem die Siege von 1972, aber auch von 1990 und 1996 im Elfmeterschießen aus der Mottenkiste geholt würden, würden englische Medien mit ziemlicher Sicherheit versuchen, den Geist von Wembley ‘66 wieder zu erwecken – und zugleich darauf hoffen, dass dem eigenen Team die miserable Quote in K.O.-Spielen und Elfmeterschießen gegen Deutschland entfallen würde.

Dabei ist besonders interessant, dass mit ziemlicher Sicherheit keiner der Spieler, die 2010 in den Aufgeboten beider Länder stehen werden, bereits bei einem der angesprochenen Spiele auf dem Platz stand. Aber möglicherweise gibt es in solchen Fällen ja so etwas wie eine Erblast…

Experte: Sportpsychologe Jens Heuer (www.bestleistung.com)

       Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  Digg Button    


Kommentar schreiben

  • (erforderlich)
  • (erforderlich)
  • Captcha Image
  • Infos über neue Kommentare per E-Mail erhalten

 

Mehr aus Lifestyle

Die neue Ausgabe des Magazins Spots4adventures mit Trekking-Tipps weiterlesen
Gerade läuft in Amsterdam die Ruder-WM. Der Deutschlandachter weiterlesen
Vom 27. bis 30.August findet in Friedrichshafen am Bodensee erneut weiterlesen
Die neue Ausgabe des Magazins Spots4adventures: Eine Zeitreise weiterlesen
Dass Gerd Müller mit 365 Toren der Rekordschütze der Bundesliga weiterlesen