Gendoping – Die große Unbekannte

Gendoping – Die große Unbekannte

Das Schlagwort „Gendoping” geistert immer wieder als Zukunftsvision durch die Medien. Die Dopingfahnder können die Praxistauglichkeit von Gendoping noch nicht genau abschätzen. Im letzten Teil der Doping-Serie wollen die netzathleten ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

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Vielleicht wird man in ein paar Jahren noch froh sein, mittlerweile viele Dopingproben einzufrieren bzw. bereits eingefroren zu haben. So könnten diese wieder geöffnet werden, wenn effektive Testverfahren gegen bislang nicht nachweisbare Dopingverfahren entwickelt worden sind. Das Gendoping, als die große Unbekannte in der Szene, gehört sicherlich dazu.

Was ist Gendoping?


Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) definiert Gendoping als „die nichttherapeutische Anwendung von Zellen, Genen, Genelementen oder der Regulierung der Genexpression, welche die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen kann.“ Ein Definition, die viel Interpretationsspielraum lässt.

Zweischneidiges Schwert: Die einen werden geheilt, die anderen manipulieren


Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten des Gendopings, wie Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, Leiter des WADA-Anti-Dopingslabors Köln, erläutert: „Zum einen gäbe es die Möglichkeit, auch im Sport das zu tun, was man in der Gentherapie vorhat, nämlich den Austausch eines defekten Gens gegen ein gesundes. Auf diese Weise könnte man Menschen von ihren Erbkrankheiten befreien. Dieses Verfahren kann jedoch insofern missbraucht werden, dass man einem Sportler ein Gen einpflanzt, durch das er selber beispielsweise mehr EPO oder Wachstumshormone produzieren kann.“ Das Resultat wäre der „gezüchtete“ Supersportler, der allerdings noch eine düstere Zukunftsvision ist. Grund: Das molekulargenetische Wissen über Hochleistungsgenvarianten ist momentan noch begrenzt.



Die zweite Möglichkeit sieht laut Dr. Schänzer wie folgt aus: „Hier werden bestimmte Gene nicht ausgetauscht, sondern durch entsprechende Substanzen 'aktiviert'. 2009 sind mit AIKAR und GW 1516 bereits zwei Mittel auf die Doping-Liste gekommen, die nichts anderes machen, als in der Zelle beispielsweise Ausdauer-Gene zu aktivieren. In diesem Bereich des Gendopings wird die Möglichkeit des Nachweises einfacher sein – es sei denn, die Substanz wird auch vom Körper selber produziert.“

In der Modifikation der körpereigenen Genaktivität – ob in Form einer Aktivierung, Verstärkung, Abschwächung oder Blockade – liegt momentan das größte Potenzial für Missbrauch. Besonders praktikabel scheint dieses Verfahren beim Aufbau der Skelettmuskulatur, der Sauerstoffversorgung und der Energiebereitstellung zu sein.

Bei dieser Variante des Gendopings läge der Anreiz für den Sportler in der mangelnden Nachweisbarkeit. Die gesundheitlichen Risiken sind allerdings kaum abzuschätzen, eine übermäßige Genexpression könnte so zu unkontrolliertem Zellwachstum führen.

Dennoch geht die WADA davon aus, dass die unwägbaren Gesundheitsrisiken des Gendopings nur wenige Sportler abschrecken. Daher hat man bereits vor Jahren ein internationales Förderprogramm zum Gendopingnachweis ins Leben gerufen. Die größten Erfolgsaussichten verspricht man sich durch so genannte Biomarker (Profile verschiedener Moleküle und Blut- und Gewebeproben).

Myostatin und Repoxygen als Wunderwaffen gegen die Dopingfahnder?


Eine Möglichkeit der genetischen Manipulation im Bereich der Skelettmuskulatur stellt beispielsweise das Myostatin-Gen dar. Laborversuche mit Mäusen haben gezeigt, dass man durch das Ausschalten dieses Gens ein massives Muskelwachstum erzielen kann. Dass die Mäuse nach geraumer Zeit verendet sind, macht allerdings die Risiken dieser Methode deutlich.

Eine weitere Möglichkeit wäre das Gendoping mit Repoxygen. Dieser Therapie liegt die Idee zugrunde, die Information, wie EPO synthetisiert wird, in den Kern von Muskelzellen einzuschleusen und durch ein sauerstoffempfindliches Enzym zu regulieren. Hier gab es in der Vergangenheit sogar schon erste Interessenten, obwohl Repoxygen bislang vermutlich ebenfalls noch nicht über das Versuchsstadium hinausgekommen ist. So wurde bereits 2006 bekannt, dass sich der ehemalige Leichtathletiktrainer Thomas Springstein mit einem niederländischen Arzt per E-Mail über Repoxygen ausgetauscht hatte.

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