Doping-Serie Teil 5: EPO – Der Powerstoff der 90er
Es war das Dopingmittel der 90er: EPO. Kaum nachzuweisen und leistungssteigernd, wurde es vor allem im Radsport flächendeckend eingesetzt, wie zahlreiche Dopinggeständnisse zeigen. Doch was genau ist EPO und warum war es lange so schwer nachzuweisen?
EPO ist ein Peptidhormon, das von allen Säugetieren produziert wird. Der Mensch stellt es vorwiegend in der Niere her. EPO stimuliert die Produktion der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) in den Stammzellen des Knochenmarks. Diese Erythrozyten binden in der Lunge Sauerstoff und transportieren ihn zur Versorgung der Zellen in die verschiedenen Körperregionen. EPO ist also ein ganz „normaler“ Stoff, noch dazu ein wichtiger: Je höher die Zahl der Erythrozyten, desto höher die Sauerstoffaufnahmekapazität und folglich die Ausdauerfähigkeit.
Ein Durchschnittsmensch kann den Bedarf seines Körpers allein durch dieses selbst produzierte EPO (= humanes EPO bzw. hEPO) decken. Nieren- und Krebskranke, die aufgrund einer Dialyse, Knochenmarktransplantation oder Chemotherapie unter Blutarmut (Anämie) leiden, haben dagegen ein EPO-Defizit. Lange Zeit versuchte die Medizin vergeblich, diesen Mangel allein durch die Verabreichung von Eisen auszugleichen.
Erst die Entwicklung von künstlich hergestelltem EPO in den 1980er Jahren sorgte für eine deutliche Verbesserung des Blutbildes bei Kranken. Es war der medizinischen Forschung gelungen, Erythropoetin künstlich aus genetisch veränderten Eizellen des Chinesischen Hamsters herzustellen. Dieses synthetische EPO (auch rekombinantes Erythropoetin bzw. rEPO) kam 1989 auf dem Markt.
Künstliches EPO wird mittels einer Injektion entweder subkutan (unter die Haut) oder intravenös (in eine Vene) verabreicht. Die Injektionshäufigkeit hängt von mehreren Faktoren ab. Zudem verstärkt sich die Wirkung etwa noch durch die Applikation zusätzlicher Hormone.
Der Sport bedient sich bei der Medizin
Bereits kurz nach der Marktreife wurde das Medikament nicht mehr nur von kranken Menschen konsumiert. Auch Ausdauersportler entdeckten schnell die Vorzüge von EPO, das seit 1990 auf der Dopingliste steht. Durch die regelmäßige Einnahme von synthetischem EPO konnten sie Effekte erzielen wie sonst nur nach mehrwöchigem Höhentraining: Anstatt den Körper durch Belastung in sauerstoffarmer Umgebung gewissermaßen zur Produktion von Erythrozyten zu „zwingen“ (Hypoxie), konnte durch gezielte EPO-Dosierung der gleiche Effekt erzielt werden.
Gefahrlos ist das Doping mit EPO allerdings nicht: EPO ist für Menschen mit Mangelerscheinungen konzipiert worden, nicht für Gesunde. Wenn also ein Mensch mit ausreichend hEPO zu viel rEPO zu sich nimmt, wird sein Blut zu dick. Die Folge ist ein erhöhtes Thrombose-Risiko (Verklumpung des Blutes). Auch die Herzinfarkt- bzw. Hirnschlagwahrscheinlichkeit nimmt zu.
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