Eiweißbrot – schlechter als sein Ruf?

Eiweißbrot – schlechter als sein Ruf?

Im Kampf gegen überflüssige Pfunde hat sich der Verzicht auf Kohlenhydrate zu einer Art Geheimwaffe entwickelt. Dementsprechend gibt es auch schon Low-Carb Brot. Wer mit der kohlenhydratarmen Variante abnehmen will, muss aber aufpassen.

Die Ernährung ist für viele Sportarten fast ebenso wichtig wie das Training. Schließlich muss man auf der einen Seite jedes Gramm mit sich herum tragen. Auf der anderen Seite braucht man ausreichend Energie, um auch seine Leistung bringen zu können. Entsprechend suchen viele Sportler nach kleinen Schrauben in der Ernährung, an denen sie drehen können. Hier haben sich die Kohlenhydrate für viele Sportler zu einer Art Feindbild entwickelt. Entsprechend gibt es bereits viele Ernährungskonzepte, die eine Reduktion oder sogar einen Verzicht von Kohlenhydraten empfehlen. In dieser Konsequenz bieten viele Bäcker bereits auch Low-Carb Brot an, über das wir hier bereits berichtet haben.

Wer jetzt aber glaubt, dank kohlenhydratreduziertem Brot schlanker werden zu können, muss vorsichtig sein. „Um sich gesund zu ernähren reicht es nicht, auf Kohlenhydrate zu verzichten“, sagt auch Ernährungsexpertin Melanie Stoll. „Das Problem beim kohlenhydratreduziertem Brot sind dabei nicht dir fehlenden Kohlenhydrate, sondern die Inhaltsstoffe, die stattdessen mitgebacken werden müssen, damit das Brot auch Substanz hat“, erklärt die Dipl. Oekotrophologin. Und die sind nicht immer so gut zum Abnehmen geeignet.

Eiweiß statt Zucker


Auf den ersten Blick hört es sich vernünftig an. Statt Zucker, und Kohlenhydrate sind nichts anderes, wird eben mehr Eiweiß verwendet. Das passt voll in die Zeit, in der viele Ernährungskonzepte, über die man in Zeitschriften und Zeitungen lesen kann, eine Reduktion von Kohlenhydraten propagieren und stattdessen mehr Fisch, Salat, Gemüse und Fleisch empfehlen. Doch gerade beim Low-Carb Brot macht das nicht unbedingt Sinn. „Zum einen wird man nicht schlanker, wenn man statt einer Scheibe Vollkorn, eine Scheibe Low-Carb Brot ist“, sagt Stoll. „Zum zweiten enthalten einige Brote mehr Fett und dadurch mehr Kalorien als vergleichbare Vollkornbrote. Zum dritten fehlen dem Körper oft die Sättigungsstoffe im Vollkorn. Daher wird man mit einer oder zwei Scheiben Low-Carb Brot oft nicht satt und muss mehr Brot und damit auch mehr Belag essen. Das gleicht die Kalorienersparnis mehr als aus.“

Teilweise sind Low-Carb Brote noch nicht einmal sonderlich kohlenhydratreduziert. So gibt es laut der Apothekenumschau auch Eiweißbrote mit einem Kohlenhydratanteil von 30 Gramm je 100 Gramm Brot. Ein vergleichbares Roggenbrot dagegen hat rund 40 Gramm Kohlenhydrate, also nur unwesentlich mehr, dafür ist es deutlich preisgünstiger. Für eine Low-Carb Diät taugen solche Brote nicht.



Will man sich kohlenhydratarm ernähren, dabei auf sein Abendbrot nicht verzichten, gibt es auch Varianten mit nur rund 5-7 Gramm Kohlenhydrate. Die sind aber auch Geschmackssache. „Bei diesen stark reduzierten Broten ist oft das Problem, dass der Zucker durch Fett bzw. fettreiche Zutaten ersetzt wird“, sagt Melanie Stoll. „Hier sollte man besser einmal einen Blick auf die Kalorienbilanz des Brotes werfen, bevor man sich nur noch vom Low-Carb Brot ernährt.“ So haben einige Low-Carb Brote bis zu zehn Gramm Fett. Ein normales Roggen-Vollkornbrot hat dagegen nur rund ein Gramm. Und damit das Brot schön fest wird, müssen zudem noch Hilfsstoffe verwendet werden, da zu viel Eiweiß die Backeigenschaften verschlechtert.

„Wer sich unbedingt mit Low-Carb Brot ernähren will, kann das gerne machen“, sagt Melanie Stoll. „Allerdings ist es gerade in dem Fall wichtig zu wissen, was genau man mit seiner Ernährung erreichen und welchen Preis man dafür bezahlen will. Meistens ist es gesünder, sich ausgewogen zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben. Dann kann man sich abends auch die Scheibe Vollkornbrot schmecken lassen.“

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Es gibt einen Kommentar

Ralf Gabler schrieb am 20.10.12 um 09:14
Ralf Gabler
Das "Kunstbrot" ist sicherlich ähnlich sinnvoll wie Süssstoffe. Nämlich gar nicht. Die Aussagen zum Fett sind allerdings auch nicht zwingend hilfreich. Zum Thema Fett in der Ernährung lohnt es sich auf http://lchf.de/ oder auf http://www.dietdoctor.com/ einmal gegensätzliche Meinungen zu lesen. Die Effekte von (gesättigtem) Fett stimmen möglicherweise nicht mit der gängigen Lehrmeinung überein. Es gibt berechtigte Zweifel an der Schädlichkeit einer hohen Fettzufuhr - gerade, oder auch, im Rahmen von Körperfettreduktion.

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